Schlacht entschieden, UNS brauchte man nicht mehr, undich führte die überangestrengte Compagnie an eine Heckebei Beaumont. Das Häuflein wurde mit neuer Munitionversehen und ich beredete mit Lieutenant Liftl, wie wirdie Leute recht ausruhen lassen wollten, denn einen solchenTag hatten wir im ganzen Feldzug noch nicht erlebt.
Die Bayern waren wirklich gegen Villechaumont vor-gedrungen und die Front ihrer Stellung hatte sich ver-ändert. Sie reichte jetzt vom genannten Orte bis Le Mse.Aber gerade dort brachten die Franzosen neue Batteriengegen die 3. Brigade tn'S Gefecht und auch neue MassenInfanterie rückten an. Was sich da hinaufgearbeitet hatte,mutzte nochmals weichen und nochmals begann der Höllen-lärm. Schon waren am linken Flügel die BatterienStadelmann, Kriebel, Malaisö, Olivier bedroht, schonnäherten sich die Franzosen Le Mae und die Mecklen-burger waren noch nicht da. Obwohl sie gerade Messasnahmen, konnte Le Mse aus Patronenmangel nicht mehrbehauptet werden. Nur am rechten Flügel gelang eSeinem Häuflein Elfer, sich in der Nähe von Villechaumontzu halten, alles Andere mußte an die Straße zurück.
Während sich dies ereignete, war auch mein Häuf-lein nochmals in's Feuer gekommen. Als wir die paarMann geordnet hatten, ritt Oberlieutenant Weinig zu uns.
„Könnten Sie nicht noch einmal vorgehen?" —„Unmöglich!" entgegnete ich. — „ProbirenSie es den-noch. Es soll Ihnen nicht vergessen werden. Es ist keinBefehl, es ist eine Bitte."
Da commandirten wir wieder „Vorwärts" und über-schritten die Straße. Langausgestreckt lagen Major EndreßHauptmann Römer und andere Bekannte unter einerMenge Todter. Wir hatten nicht Zeit, sie anzusehen, wireilten den Hang hinauf. Es war dunkel geworden. Anderehatten sich angeschlossen und nun erreichte ich mit denLieutenants Schollwöck und Karl Mühlbaur einen Wein-berg, der leider dem heftigsten Feuer ausgesetzt war. Wirkonnten nur erkennen, daß es nicht vorwärts ging. DasAufblitzen der großen und kleinen Rohre deutete dieLinien an. Es war eine ernste, ernste Nachtübung.
„Wir sind zu weit vorgekommen", meinte LieutenantSchollwöck. — „Ach, ich bin getroffen", rief LieutenantMühlbaur. — „Wohin?" frugen wir, was nicht geradegenial war, aber das gleiche Schicksal stand uns jedeMinute bevor. „In den Kopf", wimmerte er leise, dannwar diese Menschenstimme für ewig verstummt. Das warnun der zweite Mühlbaur, der an meiner Seite fiel.Drei Söhne hatte aber der vor Paris stehende Vater imDienste seines Königs verloren.
Plötzlich ließ das Feuer nach. Die Franzosen rücktennicht mehr vor. Sicher waren am linken Flügel dieMecklenburger eingetroffen. So war die bayerische Stellunggerettet und kein Feind war mehr über die Straße ge-kommen.
General v. d. Tann wünschte, daß die Orte Le Möeund Villechaumont gewissermaßen als Siegeszeichen nochbesetzt würden. Nach Le Möe ging Oberstlieutenant vonLichtenstern mit einer combinirten Abtheilung der 3.Brigade, nach Villechaumont hatte Oberst Uenburg einePatrouille der Dreizehner entsendet, und als es unbesetztbefunden war, hatten wir Zehner dahin abzurücken. 3nder Dunkelheit mühselig geordnet kamen wir auf der Höhean. „Suche doch den Richard Nehlingen! Er muß vordem Dorfe liegen!" rief mir Lieutenant v. Baldinger zu.
Als dies erledigt, betrat ich daS Quartier — einen
großen Bauernhof, der daS ganze Bataillon aufgenommenhatte. Wir Offiziere — es waren nicht viele — richtetenuns in der großen Stube ein. Milch und saure Gurken— war alles, was die Franzosen übrig gelassen. I«großen Himmelbett mit blauen Vorhängen durften diebeiden ältesten Offiziere des Bataillons von den Mühendes Tages ausruhen, also Oberlieutenant Daser und ich.Sehr viele Bataillone wurden an den folgenden Tagenvon Ober-, ja Unterlieutenants vor den Feind geführt.Ehe man die Ruhestätte aufsuchte, schmiedete man dieGefechtsrelation auf einem Bogen Papier zusammen, undich hatte heute eine lange Liste für Auszeichnungen bei-zulegen. Bald erlebte ich die Freude, daß die von mirVorgeschlagenen geschmückt erschienen — mich hatte manvergessen, doch daS geht eben so im Kriege, und trotzdembildete der 8. Dezember den stolzesten Tag in meinem
(Fortsetzung folgt.)
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Aus der TodLenliste 1895.
I. Fürstliche Persönlichkeiten:
Januar: 31. Prinz Wolfgang von Bayern , jüngster
Sohn des Prinzen Ludwig von Bayern, in München . —Februar: 14. Fürstin Hedwig de Ligne, geb. PrinzessinLubomirska , Wittwe des ehem. belgischen Gesandten inParis, daselbst; 18. Erzherzog Albrecht von Oesterreich ,Feldmarschall und Generalinspcctor der österr. - ungar.Armee, preuß. und russ. Gencralfeldmarschall, Siegervon Custozza, in Arco. — März: 1. Fürst RichardMetternich, ehem. österr. Botschafter in Paris , ältesterSohn des Ministers der Reaktionszeit, in Wien ; 2. Groß-fürst Alex. Michailowitsch, Sohn des Großfürsten Michaelund Enkel des Zaren Nikolaus I. , in Sän Nemo;Ismail Pascha, der frühere Khedive von Aegypten , inKonstantinopel; 20. Fürst Woldcmar zu Lippe-Detmold,in Detmold . — April: 22. Jcs. Fürst Colloredo-Manns-feld, erbliches Mitglied des österr. Herrenhauses, wirk!.Geheimrath, ehem. Landmarschall von Niederösterreich, inWien . — Mai: 9. Erbprinz Franz v. Oettiugen-Spiel»berg, in München . — Juli: 28. Marie Prinzessin vonAnhalt, geb. Prinzessin von Hessen-Kassel, Mutter derGroßherzogin von Luxemburg und Schwester der Königinvon Dänemark, auf Schloß Hohenburg (bei Tölz ). —August: 9. Prinz Edmund Radziwill , Benedikttnerpaterund päpstlicher Hausprälat, früh. NeichstagSabg. (Centr.),im Kloster Beuron ; 17. Prinzessin Viktoria Johannavon Thurn und Taxis, Wittwe des Prinzen Egon vonTaxis, auf Schloß Baltavar (Ungarn ); 28. Erbgroß-herzogin Elisabeth Anna von Oldenburg, Tochter desPrinzen Friedrich Karl von Preußen , auf Schloß Adolfs-eck (bei Fulda ). - September: 7. Erzherzog Ladislausvon Oesterreich, Sohn des Erzherzogs Joseph, in Buda-pest, in Folge einer auf der Jagd in Kis-Jenö erhaltenenWunde. — Dezember: 7. Prinz von Thurn und Taxis,der zweite und jüngste Sohn des Fürsten Albert vonTaxis, in Negensburg.
II. Geistliche Würdenträger:
Januar: 2. Cölestin Brader, Abt des Cisterzienser-
stists Stams im Oberinnthal, langjähr. NeichsrathSabg.,in Stams ; 21. Julien Florien Desprez, Cardinal undErzbischof von Toulouse , das.; 24. Monsignor Carini,