dorf zur großen Pfarrei und politischen Gemeinde Hinde-lang, wurde jedoch im Jahre 1713 eine eigene Seelsorg-stelle, was bei einer Entfernung von 1 */z—2 Stundenvon der Mutterkirche und der Schwierigkeit des Wegesüber den 300 m hohen, im Winter arg verschneiten Joch-berg wohl unabweisbares Bedürfniß war. Unterjoch bil-dete von nun an eine Manualkaplanei von Hindelang ,wie jetzt noch Hinterstein (von dem wir seinerzeit eben-falls Abbildung und Beschreibung brachten). Der ersteKaplan in Unterjoch war Herr Jakob Zwingberger bis1731, in welchem Jahre er starb und in Hindelang be-graben wurde.JmJahre1750 erhielt der dort-weilige Kaplan HerrJohann März, gebürtigvon Augsburg , Seitensdes hochwürdigstenbischöfl. Ordinariatesdie Erlaubniß, in derFilialkapelle das heil.
Sakrament der Taufeauszuspenden, falls einKind ohne Beschwerdeund Gefahr nicht zurMutterkirche könne ge-bracht werden.JmJahre1755 erhielt er die Er-laubniß, das Sanctis-simum im Tabernakelder Kapelle aufzube-wahren, und wurde imJahre 1855 das 100-jährige Jubiläum derAufbewahrung desAllerheiligsten feierlichstbegangen. Im Jahre1791 wurde Unterjoch ein Kurat-Benefiziumunter Herrn MatthäusStechele von Moos-bach. Unter Herrn Be-nefiziaten Franz LaverHacker wurde die Kirchefeierlich consecrirt imJahre 1845 von Sr.bischöfl. Gnaden demhochwürdigsten HerrnBischöfe Peter vonRicharz , bei welcherFeier fünfzehn Geist-liche anwesend waren.
Dem genannten HerrnBencfiziaten verdankt die Gemeinde Unterjoch auch dieErrichtung eines eigenen Gottesackers, in welchem er aberleider schon wenige Tage nach der Einweihung seine Ruhe-stätte fand. Auf ihn folgte Herr Gebhard Wucher, her-nach Pfarrer von Maria-Thann. Am 20. Juni 1850kam nach Unterjoch als Kuratbencfiziat Herr Max AloisHeim, vorher Kaplan in Seifriedsberg, von welchem dieFührung der Matrikelbücher begonnen wurde. Derselbekam am 9. November 1854 als Pfarrer nach Fischen,wo er als Dekan des Kapitels Sticfenhofen und Land-rath am 1. Juli 1888 starb. Er ist in Unterjoch nochjm besten Andenken. Nach ihm wirkle als Vikar bis zum
13. Mai 1855 Herr Johann Evang. Lautenbacher vonHausen, Pfarrei Honsolgen , gegenwärtig Pfarrer undkgl. geistl. Rath in dem Unterjoch benachbarten Wertach .Nach genanntem Herrn wirkte längere Zeit (von 1855bis 1862) Herr Lorenz Wolf von Kempten ; starb imJahre 1862 und liegt in Unterjoch begraben.
Am l 2. November 1862 kam als Vikar nach Unter-joch Herr Peter Paul Martin, welcher im Jahre 1869die Kuratie zur eigenen Pfarrei erhob, somit der erstePfarrer Unterjochs war. Nahezu 25 Jahre lang weideteer die Schäflein Unterjochs mit treuer Hutenliebe bis
zuseinem am 12 .August1887 in Unterjoch er-folgten seligen Tode.Ihm verdankt dicPfarr-gcmeinde Unterjoch sehrVieles: die bereits er-wähnte Erhebung derKuratie zur eigenenPfarrei, die Erbauungdes prächtigen Helm-thurmes, die Anschaff-ung eines neuen Ge-läutes, sowie schönerKirchenparamente undgroße Opfer für Schuleund Arme. Aus denRenten der PfarrerPeter Paul Marttn'-fchen Schulsttftung wirddas Schulgeld für alleSchulkinder bezahlt,^ärmeren Kindern dasSchulmaterial ange-kauft und alle Jahreein sog. Kinderfest ge-halten. Sein Andenkenbleibt im Segen. —Wie von Hindelang her,so wird Unterjoch auchvon Schattwald aus( 2/4 Stdn.) viel besuchtund gilt als ruhige,milde Sommerfrische.Das Gasthaus „zurKrone„ daselbst wirdvon den Touristensehr empfohlen. Nichtweit vom Orte (20Min.) befindet sich derstark frequentirte öster-reichische Weiler Reh-bach (s. Bild) in einsam idyllischer Lage mit zwei Häusern(das Haus bct der Kapelle mit einer Wein-Wirthschaft).Fünf Minuten hievon die sehenswerthe „Tuffgrotte" (s.Bild). — Nordöstlich von Unterjoch liegt das österreichischePfarrdorf Jungholz (ehem. Filiale von Wertach) Dortselbstwirkt Herr Pfarrer Peter Paul Steinacher bereits ein halbesJahrhundert (44 Jahre). „Dieser" — so würde Goethesagen — „kennet das Leben und kennet der Menschen Be-dürfniß". Von den Bewohnern Unterjochs dürfte wohl beson-ders gelten, was Herr Pfarrer Hopp in seiner Pfründcstatistikden Allgäuec Gebirglern nachrühmt: sie zeichnen sich ausdurch freien, offenen Charakter und tiefe Religiosität.
Kchleierfalt und Tropfhöhle bei Nrhbach.
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