Ausgabe 
(14.1.1896) 4
Seite
32
 
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(Unsere Bilder zu vorstehendem Aufsätze sind nachOriginal-Aufnahmen von Gustav Baader, Photograph inKrumbach , in Autotypie hergestellt.)

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Altert ei.

Ein deutscher Prinz macht seine Hochzeitsreise.Am herrlichsten Frühltngsnachmittage fitzt er mit seinerreizenden jungen Frau da droben im bayerischen Hoch-gebirge in der lauschigen Einsamkeit eines Tannenwaldes.Ob'S wohl auf Erden zwei andere Sterbliche gibt, dieso selig sind, wie ich und Du!" ruft er, nach oben blickend.Ein Wort gibt das andere. Man ergeht sich in theo-retischen Betrachtungen aller Art und kommt zu demSchlüsse, daß es für die Möglichkeit des Glückes gleich-giltig sei, ob man in der Hütte oder im Palaste wohne.Wie das Paar eben im besten Plaudern ist, kommt einjunger Bauer lustig singend des Weges daher.Geliebter",raunt die Prinzessin ihrem Gatten in's Ohr,laß unsden Landmann fragen, ob c" auch das Glück kennt wiewirl" Er winkt den Landmann heran.Sagt, meinFreund," beginnt er, nachdem er den Menschen durcheinige Vorfragen vertraulich gemacht,seid Ihr eigentlichglücklich?"Wie meint der Herr das?"Nun,ob Ihr mit Eurem Schicksal zufrieden seid?"Frei-lich", versetzte der Bauer,i wüßt not, was mir abging.I hab' mei gutes Auskommen, Frau und Kind sind,Gott sei Dank, gesund, Essen und Trinken schmeckt mir,und von Sorgen und Aerger weiß i halt nix."So",sagte der junge Prinz behutsam,aber besinnt Euch ein-mal, habt Ihr im Ernste gar keine Sorgen? ErwächstEuch nie und nirgens einmal ein Verdruß?"Daßi nöt wüßt' l Höchstens, nun ja, das steht richtig. Manch-mal ja. . ." Die Prinzessin horchte auf.Nun",ermunterte der Prinz,sprecht ungenirt. Was habtIhr zu klagen?"Ja", sagte der Bauer, sich hinterdem Ohr kratzend,manchmal hab' ich halt was mitmei'm Weib! Schauen's, so am Sonntag. Unter derWoch' gang i halt nöt viel in's Wirthshaus; oder wenni gang', trink i halt ein oder zwei Glas. Des Sonntags aber, Ihr wißt halt, wie's da geht. Da sitztman bei einem guten Freund, und da kommt zu zweiGläsern das dritte und wenn der Förster kommt,trinkt wer auch a viertes oder a fünftes, und dann kommtder Herr Lehrer, der gar a lustiger Herr ist, und datrinkt mer a sechstes und a siebtes, und zuletzt kommtder Feldgendarm, der hat an Durscht, über den geht garnir, und da trinkt mer a acht's und a neunt's und mach-mal auch a zehnt's und elft's . . . Und wann i nungar a zwölfts trinke und komme heim und bin a bisse!fidel, dann fängt mei Weib an zu keifen und zu räson-nirenl"Was", unterbricht ihn die Prinzessin ent-rüstet,Ihr wollt Eure arme Frau noch anklagen, wennsie über Euch schändlichen Trunkenbold in Verzweiflunggeräth? Ihr seid ja auf ganz abscheulichem Wege!Zwölf Glas? Und das erzählt Ihr mir mit lachendemMunde? Bedenkt Ihr denn gar nicht, daß bei solchemLebenswandel schließlich der ganze Hausstand rückwärtsgeht, daß die Kinder mißrathen, wenn der Vater ihnendieses schändliche Beispiel gibt? Könnt Ihr denn nichtvergnügt sein, ohne diese gräßlichen Ausschweifungen?"Da stößt der Bauer den Prinzen augenzwinkernd mitdem Ellbogen in die Seite und sagt mit verständniß-

vollem Blick auf die erglühende Prinzessin:Accuratdie nämliche Hex', wie mei' Marie!" Spricht'sund verläßt mit einem Jodler den Schauplatz.

Die Erfindung des Weines. Unsere Zeithat wahrlich große Erfindungen auszuweisen, nur schade,daß etwas zuviel inKunst" gearbeitet wird; es gibtKunstwein, Kunsttabak, Kunstbutter, Kunstthee undmehrere andere Kunstprodukte, die zwar ihre Abnehmer,aber gewöhnlich nur bei Täuschung und Betrug finden.Je weniger man, wie Spötter behaupten, vom echtenWein zu sehen bekommt, desto interessanter mag es sein,von ihm zu hören; wir verweisen auf ein Büchlein desDr. Georg Thudichum :Traube und Wein in der Cultur-geschichte", in dem u. A. erzählt wird, daß die Er-findung des Weines in Persien dem mythischen KönigDschemschid zugeschrieben wird, der zwölf Jahre vorSalomo geboren ward und siebenhundert Jahre regierte.Zu Dschemschid's Zeit wurde auch der Purpursaft derTraube bekannt, der ein Stärkungsmittel der Lebens-geister und so erzählt Mirchond die beste Ver-schönerungstinktur der menschlichen Gesichtsfarbe ist.Man berichtet folgendermaßen über die Entdeckung desWeines. Die Traube, die lieblichste Frucht, hält sichnicht bei veränderter Jahreszeit, bei eintretender Kälte.Aber vielen gelüstete, auch im Winter und Frühling siezu genießen. Also befahl Dschemschid, den Saft vonden Häuten und Körnern abzupressen und ihn täg-lich vor sein Angesicht zu bringen, damit er auf demProbestein des Gcschmackcs die Natur desselben ver-suche. Dieses that er, bis der Saft bitter wurde. Dabildete der König sich ein, jetzt sei er Gift, und befahl,das Gefäß zu verschließen. Nach diesem litt eine schöneund geliebte Sklavin an Kopfschmerz; sie beschloß zusterben; hierzu wählte sie das wohlverschlossene tödtlicheGift. Da sie ein wenig davon getrunken, fühlte sie sichermuntert und heiter, das Kopfweh ließ nach. Mehrtrank sie, da schlief sie ein; sie hatte mehrere Tage nichtgeschlafen. Einen Tag und eine Nacht schlief sie fortund erwachte gesund. Dies kam vor die Ohren Dschem-schids; seine Seele erfreute sich, er machte den Wein zuseinem gewöhnlichen Getränke. Weil viele Kranke da-von gesund wurden, erhielt er den Namen Königs-Arznei.

Ein schlecht rentabler Beruf. Bettler: Ichbitt', gnädiger Herr, geben Sie mir Arbeit! Herr:Was ist Er denn von Profession?" Bettler: Thurm-spitzen-Vergolder.

Nitder-Uathsel.