Ausgabe 
(17.1.1896) 5
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M 5. Areitag» den 17. Januar 1896.

Für die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg .

Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Borbesttzer vr. Max Huttler ).

Ire Astrologen.

Historischer Roman aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges.

Von Max Bcnno.

(Fortsetzung.)

Das tiefe Stillschweigen, welches während desVortrags in dem Saale geherrscht hatte, dauerte auchnach dem Schlüsse desselben noch einige Secunden langfort. Aller Augen ruhten erwartungsvoll auf Eggenberg ,der bei jedem neuen Paragraphen eine wachsende Unruheverrieth. Er mochte sich auf hohe Forderungen gefaßtgemacht haben, aber solche Ansprüche, die für den Kaisernicht nur demüthigend, sondern sogar in hohem Gradegefährlich erschienen, hatte er schwerlich erwartet.

Herr Herzog", nahm er endlich mit nicht ganzsicherer Stimme das Wort,ich meine, Ihr verlangetzu viel!"

Zu viel?" unterbrach ihn Wallenstein rauh.Nein,ich will nicht mehr und nicht weniger, als ich für meineSicherheit beanspruchen muß. Dafür verspreche ich aberauch, das Banner mit dem Doppeladler siegreich vomBöhmerwald bis an die Grenzen des Reiches zu tragen."

Auf Eggenbergs Angesicht spiegelte sich eine peinlicheVerlegenheit ab.Euer fürstlichen Gnaden", wandte ermit fast flehendem Ton ein,werden mir Zeit lassen,nach Wien ...?"

Nicht einen Tag, nicht eine Stunde", fiel ihm derHerzog heftig ins Wort;nicht einen Grad darf dieSonne sich senken, ehe ich ein Ja oder Nein aus EuermMunde vernahm. Jetzt, sogleich müßt Ihr Euch ent-scheiden! Das Schicksal Deutschlands , ja des Erzhausesselbst liegt in Euerer Hand! Ich bin", fügte er düsterhinzu,des Hin- und Herzerrens müde. Die Häuptermeines Heeres sind um mich versammelt, und der Stern,welcher meinen Pfad erleuchten soll, steht im Zenith!"

Wohlan denn. Herzog", antwortete Eggenberg ,essei. Im Namen des Kaisers erkläre ich, daß alle ge-stellten Bedingungen erfüllt werden sollen. Nur eineBitte möchte ich damit noch verbinden: zieht so bald alsmöglich und mit allem Nachdruck gegen den Feind! Esist keine Zeit zu verlieren; jede Minute kann für dieganze Christenheit verhüngnißvoll sein."

Wallensteins Augen funkelten vor Freude, und auchdie anwesenden Obersten und Hauptleute vermochten ihrenJubel nicht zu verbergen, sahen sie doch ihre kühnstenWünsche erfüllt.

Hoch unser General! Vivat der Herzog und seineArmada!" riefen sie tobend durcheinander.

Nicht also, ihr Herren", unterbrach sie Wallensteinmit tönender Stimme;wo ich bin, darf niemals einanderer Ruf erklingen, als: Vivat Ferdinandus!"

Vivat Ferdinandus!" stimmten nun auch dieOfsiciere in dieses Losungswort ein mit einer Begeisterung,daß der Schall an den Ecken des großen Saales sich brach.

Zur Tafel jetzt, meine Herren", mahnte Wallen-stetn;ich folge bald nach."

Eine Minute später befanden sich der Herzog unddessen Gemahlin allein.

Endlich, endlich am Ziel!" triumphierte Wallen-stein , als die Schritte der Abgehenden verhallt waren,mit leuchtendem Blick.Ich hatte einen größer» Wider-stand gegen meine Forderungen gefürchtet. Doch manbraucht mich und macht deshalb gute Miene zum bösenSpiel. Fast reut es mich, daß ich den Preis nicht nochhoher gestellt. Der Kaiser hätte in seiner Verlegenheitjeden meiner Wünsche gewährt, wenn auch der Hof vorEifersucht und Neid fast erstickt. Sahst du nicht Jsabella,mit welchem Widerwillen der alte Fuchs Eggenberg gegenden Stachel leckte? Er zählt unter «eine Freunde,und doch traue ich ihm nicht. Die Ergebenheit dieserHerren ist wie eine Wetterfahne: sie richtet sich nach demWind. Dürften sie ihren wahren Gesinnungen Ausdruckgeben, dann sprächen sie ohne Zweifel in einem ganzandern Tone mit mir. Ich schere mich nichts mehrdarum! Ob Freund oder Feind, nun trotze ich Allen.Irdische Hindernisse schrecken mich nicht. . . . Wer aber,"fügte er mit gedämpfter Stimme hinzu,bürgt mir fürden Beistand jener Gewalten, welche aus einer andern,unsichtbaren Welt in die unselige herüberragen? Ihrwohlwollendes Wirken muß, soll der Erfolg erzielt werden,mit dem unseligen verbunden sein. Ich glaube fest andiesen Zusammenhang der unsichtbaren mit der sichtbarenWelt, sowie an den Stern, ohne dessen erleuchtende Kraftund freundliche Hülfe auch der zu Höherem Berufene seinZiel nicht erreicht."

Noch eines gibt es, Albrecht," sagte die Herzoginsanft, als Wallenstein schwieg,das ich dir an's Herzlegen möchte: folge immerhin deinem Stern am hehrenNachthimmel, doch mehr noch jenem göttlichen Strahl,der vom Schöpfer in dein Herz gelegt ist: der goldenenSonne des Guten und der Wahrheit."