nach Sagan zurückkehrt — ich bin vom Herrn bis aufweiteres ausschließlich zu ihrem Dienst comuiandirtl"
Die Vögtin kehrte zurück. Sie brachte einen HumpenWein mit drei Bechern und einen Teller mit kaltemFleische.
„So, jetzt nehmt Platz und laßt es euch schmecken,"mahnte sie, als die Becher vollgeschenkt waren, „unddann erzählt! Mein Ambrostus ist leider nicht da,"fügte sie hinzu; „ich habe ihn seit heute früh mit keinemAuge mehr gesehen; er weiß vor Geschäften nicht, woihm der Kopf steht! Nun, nun," schloß sie mit einemzärtlichen Blick auf den Sohn, „er thut alles gern, wenneS seinen alten Beinen auch häufig schwer fällt; weißer doch, daß er sich nicht umsonst plagen muß, und auchfür wen!"
Um Martin's Mund spielte bei dieser Andeutungein zufriedenes Lächeln. Auch Georg befand sich überderen Sinn nicht im Zweifel. Es galt ja seit vielenJahren schon in Großmeseritsch als eine ausgemachteSache, daß der Sohn des Schloßvogts znm NachfolgerLeßlie's bestimmt sei.
Man stieß an und trank. An Stoff zur Unter-haltung fehlte es nicht. Georg sah jedoch bald ein, daßer zur Erreichung des eigentlichen Zweckes seines Be-suchs die Zeit nicht gut gewählt hatte. Es wollte sichkeine Gelegenheit zeigen, die ihm zu einer ZwischenfrageVeranlassung bot. Gleichwohl benutzte er eine vorüber-gehende Entfernung Martin's aus dem Zimmer undging direct auf sein Ziel loS. Das Manöver half ihmnicht viel.
„Du meine Güte," hielt ihm die dicke Vögtin ent-gegen, „es würde mir in der That große Freude machen,Euch helfen zu können; aber von derartigen Sachen er-fährt unsereins nichts. Man ist auch Tag und Nachtviel zu sehr mit Arbeit in Anspruch genommen. Ihrwißt ja, Junker, wie mein Alter so streng auf Ordnungund Pünktlichkeit sieht. So macht er's im Dienst undfast noch ärger daheim! Er ist nicht, wie ein Anderer,in seinen vier Pfählen Ehemann und Vater, sondernvom Fuß bis znm Scheitel nur Vogt. Es thut miroft weh, daß er mich nicht wie seine beste Freundin, dieich ja doch ganz gewiß bin, sondern wie einen neu-gierigen Recrnten behandelt; allein er wird dadurchnicht besser gemacht. Doch", fuhr sie eifrig fort undtrat einen Schritt näher, „vielleicht ist Euch mit einemguten Rathe gedient. Ich war heute früh auf demMarkt im Städtchen; da geht es zu, wie am jüngstenTag. Da sind allerlei Gautler und Künstler, und voneiner Wahrsagerin spricht man, die alles Vergangeneund Zukünftige nur so an den Fingern herzählt. DerWirth zum Rothen Hahn schwört bei seinem Namens-patron, daß es im ganzen Reich keine zweite so klugeund hübsche Person gebe als Marion, die Seherin vomheiligen Berg. Zu dieser geht; sie sagt Euch wo derSchatz versteckt ist!"
Durch den Wiedereintritt Martin's wurde die guteFrau in ihrem Redeflüsse gestört. Sie schwieg, aber nurum Athem zu schöpfen und ihrem Mundwerk eine kleineErholung zu gönnen. Sie fing gleich wieder an undließ sich auch durch die Wahrnehmung nicht stören, daßGeorg durchaus kein Interesse für ihren Wortschwall ver-rieth.
Bei Martin brachten die Anpreisungen der Markt-herrlichkeiten eine größere Wirkung hervor. Er äußerte
sofort die Absicht, einen Besuch tM Städtchen zu machen.
Georg, der augenblicklich nichts Besseres zu thunwußte, entschloß sich, ihn zu begleiten. Die Beiden sprachennoch eine Zeit lang dem Wein und dem saftigen Fleischzu und verließen dann miteinander das Schloß.
Sie schlenderten gemüthlich plaudernd den breitenAllee-Weg entlang, an dem der Lenz die mächtigstenPappeln und wilden Kastanienbäume bereits mit üppigemGrün zu schmücken begann. Nach kurzer Wanderungerreichten sie die Stadt und befanden sich bald mittenin dem Wogen und Treiben, über das die Mutter Martin'snicht zu viel gesagt hatte. (Fortsetzung folgt.)
--SL-M-LZ-«-
Bor fmrfrmdMAzig Zähren.
Von Friedrich Koch-Breuberg.
(Fortsetzung.)
Der 9. Dezember brach an, und obwohl man er-wartet hatte, daß der Tag ein feiudeleeres Gelände er-leuchten werde, sollte es bald an allen Stellen wiederdonnern. Uns Bayern , so hatte der Grobherzog bestimmt,sollte die 22. Division ablösen, aber dazu kam es nicht.Es hatte nämlich bei Tavers an der Loire General Camüeine Division herangezogen, und Plänklerschwärme, gegendie Mecklenburger vorgehend, hätten diese Bewegung ver-schleiern sollen. Auch Le Mäs, in dem Truppen unserer3. Brigade standen, wurde angegriffen. Nach Villechaumontwar Befehl gelangt, sich sogleich zur Vertheidigung ein-zurichten. Mir lag vor allem daran, den Transport desKameraden Rohlingen zu bewerkstelligen, der mit Hilfedes Arztes auch gelang. Von Villechaumont and fälltdas Terrain gegen die Straße hin ab, aber nach allenanderen Seiten hin liegt Flachland vor. Rechts draußenbefand sich eine Windmühle und vor der nunmehrigenFront in einiger Entfernung ein Waldsauw. Die gutgebauten Bauernhöfe ließen sich herrlich zur Vertheidigungeinrichten, und ich erinnere mich einer Art Scheunemit Gallerie, von der aus man ein ausgezeichnetes Schuß-feld hatte. Was im Frieden der Bauer dort aufbewahrte,blieb mir ein Räthsel. Neben mir vertheilte unser tapfererMax Josephs-Nitter Kraft die Leute des 2. Bataillons,und als sich unsere Vorposten vom Walde her zurück-zogen, wurden auch schon die Nothhosen sichtbar. Linksdraußen stand im freien Feld ein französischer Munitions-wagen, und eine Patrouille von der 11. Compagnie, welchenicht mehr ungesehen zurückgelangte, benützte ihn alsDeckung.
Wir ließen die Franzosen recht nahe herankommenund empfingen sie dann mit einem tüchtigen Schnellfeuer,so daß sie vorderhand alle Lust auf Villechaumont ver-loren. Nicht so mit dem Mnnitionsmagen, den sie vomWalde her wiederholt zu erobern suchten. Ein furchtbarerKnall machte dem Hin- und Herschkßen ein Ende—derWagen war in die Luft geflogen und hatte natürlichunsere drei Mann getödtet.
Nun eilte aber auch die Artillerie unserer Brigadevon Beaumont her, und die Batterien Kriebel und Oel-hafen eröffneten das Feuer. Dann kamen die Dreizchnerherbei und verstärkten die Stellung. Links draußen drangdas Bataillon Schönhueb in den Weinbergen vor, so gutes ging. Erinnert man sich, daß die Bataillone fast ohneOffiziere waren, daß die Artillerie gestern ebenfallsenorme.Verluste an Material und Mannschaft erlitten