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harte, so findet man erklärlich, daß unsere Lage nichtrosig war, zumal die Franzosen eine Ueberfülle an Mu-nition und Menschen geradezu verschwendeten. Sie spicktendie Bauernhöfe wieder mit Granaten. Uns gedeckt stehen-den Infanteristen schadete das weniger, aber die bei derWindmühle frei dastehende Batterie Krickel wurde ein-fach kampfunfähig geschossen. Da kamen die Zweiund-dreißiger herbei und brachten Hilfe. Auch die Fünfund-ncunziger und zwei Batterien wurden von Oberstlieutenantv. Henduck vorgeführt, und gegen 10 Uhr drangen diePreußen bei der Windmühle, unsere Dreizehner links vonBillechaumont vor.
Es ist erwähnt, daß auch Le Möe morgens an-gegriffen wurde. Weil keine Artillerie zur Stelle war,schickten die Mecklenburger zwei Batterien zur Unterstütz-ung unserer 3. Brigade. Unser 3. Regiment war dannhier vorgeeilt und hatte im Verein mit Abtheilungen der17. Division die Franzosen zurückgewiesen. Als diesegegen Villorccau zurückwichen, folgten ihnen unsere Zwölfer,konnten aber vorderhand nicht weiter vordringen, weildie eigene Artillerie jetzt den Ort beschoß. Sowie aberdas Feuer schwieg, führte Oberlieutenant Eugen v. Tauschsein Bataillon vor und vertrieb gegen ^ll Uhr denFeind, dem er an 100 Gefangene abnahm. Das 1. Jäger-Bataillon wandte sich dann gegen Villevert, wodurch esjene Franzosen bedrängte, welche den Dreizehnern gegen-überstanden, fand jedoch Mittags den Ort schon vomFeinde geräumt. Die Brigade Noth hatte aber ihreStellung bei Villorccau später nochmals gegen einen An-griff der Franzosen zu vertheidigen. Die BatterienNeu und Carl, ähnlich mitgenommen wie jene der4. Brigade, feuerten mit letzter Anstrengung, und die imKirchhof postirten Zwölfer empfingen ebenfalls den Feind,daß er nicht Lust zeigte, wiederzukehren. Hiedurch warnach Mittag die Linie Villechanmont—Villevert—Vill-orceau durch die 2. bayerische Division erobert. —
Das Gefechtsfeld, auf welchem die 1. Divisionfocht, lag viel nördlicher. Ursprünglich trennte dieDivision Wittich die Bayern, da General v. Dietl mitseinen Brigaden bei Montigny stand. Den Dienst,welchen uns die Preußen bei Villechanmont leisteten,konnten hier die Bayern augenblicklich zurückerstatten.Das Füsilier-Bataillon vom Regiment Nr. 83 hatte irr-thümlich die Orte Layes und Beauvert verlassen, warnach Beaumont marschirt, und General v. Wittich, dervon letzterem Orte aus. uns gerade Hilfe zukommen ließ,gab sogleich Befehl zurückzueilen, aber es war schon zuspät, da die Franzosen sich der Positionen bemächtigthatten. Nun sollte das arme Bataillon zurückerobern,was es irrthümlich aufgegeben hatte. Glücklicherweisewar General v. Orff in der Nähe, welcher sogleich eineColonne unter Oberst Otto v. Schmidt gegen Launayentsandte.
Zuerst fuhr die beigegebene Batterie Grundherr aufund bewarf die Orte mit Granaten, dann schwärmtendie Nennerjäger aus, ein Bataillon Elfer folgte, undnun ging es einmal gegen Beauvert loZ. Ohne zuschießen liefen die Bayern an und nahmen das Gehöft.Aehnlich eroberte Major Böhe vom 11. Regiment Layes.Man richtete sich nun zur Vertheidigung ein, die Batteriesuchte sich eine neue Stellung, und unterdessen marfchirteder Nest der Brigade herbei. Als nun gegen 11 Uhrder Feind heftiger zu drängen begann und Patrouillenzugleich meldeten, das nördlich gelegene Villermain sei
auch wieder von Franzosen besetzt, ließ General v. Orff die Neunerjäger, welche sich verschossen hatten, durch dasschwache Regiment Kronprinz ablösen. Gegen Villemain,das in der rechten Flanke lag, trat Artillerie in Actionund waren außerdem von der Brigade Tüuffenbach zweiBataillone des Leib-Regiments nebst den Zweierjägernnach Montigny gerückt.
Da die Mecklenburger vom Großherzog Befehl er-halten hatten, dem Feinde in die rechts Flanke zu fallen,und da außerdem von Orleans her eine Division imAnmärsche war, schien es nur geboten, den eigenenrechten Flügel zu behaupten. Genera! v. Dietl, durchden Großherzog in dieser Hinsicht informirt, ordnete daherfür den Nachmittag ein Vertheidigungsgefecht an. DieBrigade Orff wies durch wohlgezieltes Feuer jeden An-griffsverfuch der Franzosen zurück, und der ausgezeichnetenWirkung unserer Artillerie war es zu danken, daß diegeplanten Umgehungen des Feindes immer im Beginneschon vereitelt werden konnten.
Während also hier das Feuergefecht mehr oderweniger lebhaft geführt wurde, hatte die 17. Divisionunter bedeutenden Verlusten den befohlenen Vorstoßgegen den feindlichen rechten Flügel ausgeführt. Großen-theils mit dem Bajonnet war die Linie Villemarceau,Les Grottes bis Feruie de Feulard von dieser bravenAbtheilung genommen worden. 3 Bataillone der Divi-sion Wittich unter Oberstlieutenant v. Heuduk waren um4 Uhr ebenfalls in Villejouan und Origny eingedrungen.
' Es begann zu dunkeln und auf der ganzen Gefechts-linie verstummte allmählich das Feuer. Der Tag warfür uns Bayern nicht so blutig wie der vorhergehendeSchlachtentag gewesen, aber unsere schwachen Bataillonehatten doch wieder stundenlang im Feuer aushaltenmüssen. Die bayerische „Schuaid" war immer noch vor-handen, galt es, an den Feind zu rücken, aber wurdedann gesammelt und in die Quartiere gerückt, dannklappte alles zusammen wie die Taschenmesser. Hungrig,zerlumpt und halberfroren sammelte man, um an denBestimmungsort zu rücken. Das Quartier bestand inHäusern, die mit Verwundeten überfüllt waren.
(Fortsetzung folgt.)
-----SAWSk-
ALLerLer.
Etn GlaSkünstler. In Hosterwitz bei Dresden starb vor einigen Tagen im hohen Alter ein eigenartigerKünstler, Herr Louis Blaschka. Die künstlerische Specialität,welche der Verstorbene ausübte, war die Nachbildungder zartesten Blumen- und Pflanzengebilde aus Glasmassein den feinsten Farbennüanzierungen und so, daß durchden Augenschein eine Unterscheidung vom lebenden Originalabsolut nicht möglich war. Seine Schöpfungen in denletzten Jahren gingen als Unterrichtsmittel an das Unterrichts-ministerium in Japan, sowie an das Museum der Uni-versität Cambridge, für welche Blaschka in der letztenLebenszeit ganz ausschließlich arbeitete. Der einzigeSchüler des Verstorbenen, der einzige auch, der in dietechnischen Geheimnisse der Kunst eingeweiht ist, ist derSohn Blaschkas, der sich zur Zeit auf einer Studienreisein Mexiko befindet.