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des Cardinalpurpurs an den Fürst-Erzbisclwf Haller ist eineAuszeichnung, die der Person des Erwählten zuthnl ward,denn keiner, der sonst bei Erwählung zu dieser hohen WindeEinfluß nehmenden weltlichen Factoren hat dabei mitgcwittt.Eardinal Haller ist keine Kampfnatur, aber seine Ueberzeugungzwang ihn zur Wahrung der Rechte der Kirche. Es hatgewiß Niemand schmerzlicher empfunden als er, daß ihm derKampf gegen den modernen Staat aufgenöthigt wurde. Umso hingebungsvoller widmet er sich seinem geistlichen Hirten-beruf, in dem er mit apostolischem Eifer wirkt. Er ist derachte Eardinal auf dem Stuhle deS hl. Rupert.
8«1t» (Verkauf germanischer Sklaven.)
Die La8ta oder Stoßlanze war bei den Römern 8^mbolumimxsrii, Zeichen der Staatsgewalt, und wurde nicht nur da,wo die Magistrate und Centumvirn zu Gericht sahen, sondernauch da, wo sie Versteigerungen und öffentliche Verkäufevollziehen ließen, aufgestellt. Die Erinnerung an diesenBrauch hat sich bis auf den heutigen Tag in dem auch inder? deutschen Spracbe eingebürgerten Fremdwoite „Sub-hastation" erhalten. Bei den Verkäufen von Kriegsgefangenenwinde aus drei zusammengebundenen Lanzen ein galgen-ähnliches Gestell hergestellt, unter welchem die Gefangenenzum Zeichen, daß sie fortan Sklaven seien, hindurchgehenmußten. Das Sklavenwesen war bei den Römern unterallen antiken Völkern am conseqncntcsten ausgebildet undmit Sitte, Staatswirthschaft und Politik aufs Innigste ver-wachsen. Schon in der ältern Zeit häufle sick mit den Er-oberungen die Zahl der Sklaven; nach den Punischcn Kriegenwar Rom mit einer Unmenge von Sklaven erfüllt, die nochfort lind fort durch die zahlreichen Kriege und auf dem Wegedes Handels vermehrt wuiden. Auch daS von chcn Römernunterworfene Deutschland mußte eine Menge Sklaven nachRom liefern. Der römische Sklave der älleren Zeit warrechtlos und besitzlos, das völlige Eigenthum seines Herrn,der eine unbeschränkte Gewalt über Leben und Tod ausübte.Unter der Kaiserzeit begann das Loos der Sklaven milderzu werden, aber erst durch das Christenthum wurde dasSklavcnwesen vollständig aus dem staatlichen Leben aus-geschieden.
Schwere Aufgabe.
Mit dem Tage deS ersten Schulbesuches beginnt schonfür das Kind der Ernst des Lebens sich bemerkbar zu machen.Sorglos und heiter, noch unbekannt mit jeder'Pflicht, undunbekümmert um daS Morgen unter liebevoller Obhut derMutter in den Tag hineinlebend, hat es bisher im elterlichenHause die Tage verbracht. Durch den Schulbesuch wird einebedeutsame Veränderung in der Lebensweise des Kindeshervorgerufen. Es muß fortan einen großen Theil seinerZeit außerhalb des Elternhauses in enger Schulstube zu-bringen und sich dem Willen des Lehrers fügen lernen; anStelle des ungebundenen Daseins tritt eine nach dem Stunden-plan streng geregelte Thätigkeit, der Geist, der sich bishernur mit Spielen viugnügte, muß sich bei ernster Arbeit indie Geheimnisse des Abc und des Einmaleins vertiefen,kurzum, es bekommt den ersten Vorgeschmack des späterbeginnenden KampfeS nmS Dasein zu verkosten. Daß dieserGcscbmack nicht zu den angenehmsten gehört, das kann manauf unserem Bilde dem nachdenklichen Antlitze des kleinenMädcbenS ansehen, das gewiß viel lieber mit seiner Puppespielen möchte, anstatt sich den blonden Kopf über einer §complicirtcn Rechenaufgabe zu zerbrechen.
Allerlei.
Der Mann mit der eisernen Haut. Soheißt ein junger Singhalese, der sich z. Z. in Wien produciert. Er verblüfft durch vollständige llnempfind-ltchkeit der Haut. Die Bühne, auf welcher er sichproduciert, gleicht einer Folterkammer. Man sieht eineLetter, deren Sprossen scharfgeschliffene Säbelklingenbilden, ein Brett, mit spitzen Nägeln besät, einen Reif,in dem scharfe Dolche stecken, eine Walze, die mit eisernenStacheln besetzt ist, eine mit spitzen Nägeln gefütterteTonne. Der „Mann mit der eisernen Haut" erscheintmit bloßen Füßen und Armen und nacktem Oberleibe
und beginnt seine Produktionen. Er stellt sich auf dasmit Nägeln beschlagene Brett, und drei Männer hängensich an ihn; er geht mit verbundenen Augen und aufder Stirne eine Lampe balancierend über die Schwert-leiter, springt durch den Reifen mit den scharf geschliffenenDolchen, kriecht durch die mit spitzen Nägeln beschlageneTonne, die er im Kreise herumwälzen läßt — alles,ohne den mindesten Ausdruck des Schmerzes, ohne einMerkmal einer Verwundung. Der Mann scheint in derThat eine eiserne Haut zu besitzen. Aerztliche Autoritätensprachen die Ansicht aus, daß theils Abhärtung und dieGewohnheit, von Jugend auf bloß umherzugehen, theilsPräparation die abnorme Emfindungslosigkeit der Hautbewirkt habe.
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Napoleon III. ging, von einem Adjutanten be-gleitet, an dem Teiche des Bois de Boulogne spazieren.Der Ball eines in der Nähe spielenden Kindes rolltedicht an den Kaiser heran und wäre in das Wasser ge-fallen, wenn dieser ihn nicht aufgehalten hätte. Derkleine Eigenthümer des Balles, ein blonder Knabe ineleganter Tracht, kam herbeigesprungen und nahm sicht-lich erfreut sein Spielzeug aus den Händen des ihm un-bekannten Herrn entgegen. „Kennst Du mich?" fragteder Kaiser, indem er dem Kinde einen Kuß gab. —„Nein." — „Nun, so sag' Deinem Vater, der Kaiserhabe am Wasser Deinen Ball aufgehalten und Dir oben-drein einen Kuß gegeben." — „Das werde ich Papanicht sagen." — „Warum nicht?" — „Papa würdemich schelten, daß ich die Bekanntschaft des Kaisers ge-macht. Der schimpft den ganzen Tag auf ihn und hatihn gar nicht lieb." — Der Kaiser lächelte, und derAdjutant fragte weiter: „Was macht denn DeinPapa, mein Kleiner?" Ganz stolz erwiederte der Knabe:„Papa macht gar nichts ... er ist Senator!" Mitgutmüthigem Lächeln sagte hierauf der Kaiser zu seinemBegleiter: „Genug jetzt und gehen wir weiter, — Siewissen, in Frankreich ist die Erforschung der Vaterschaftuntersagt."
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Zarte Aufmerksamkeit. Fahrende Musikantenspielen vor einem Landhause den „Schunkclwalzer" und„Die kleine Fischerin". Als beide Stücke glücklich über-standen sind, kommt der Bediente heraus: „Hier schicktEuch mein Herr drei Mark — Ihr könnt nun gehen,er ist nämlich krank!" — Kapellmeister: Kinder, das istein ganz feiner Kerl — dem spielen wir jetzt noch extra„Siegfried's Trauermarsch".
Räthsel.
So lang die Welt besteht, ist's drinn zu finden,
Vom Himmel lacht's hernieder auf die Flur,
Erst wenn daS Chaos kommt, wird es verschwinden,Auch in der Nacht verliert sich seine Spur.
In jedem Menschenantlitz kannst du's lesen.
Ein jeder Vogel trägt es mit sich fort.
Und doch besitzt es nie ein ird'sches Wesen,
Nur leise tönt's in jedem Liebeswort. Kurt Kerflen.
Auflösung des Bilder-Räthsels in Nr. 4:
Mutterliebe ist ein Felsen, den nichts erschütttert.
--EZS--