Ausgabe 
(24.1.1896) 7
Seite
45
 
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Areilag, den 24. Januar

189k.

Für die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg .

Druck und Verlag des Literarilchen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Vorbeützer Vr. Max Huttler ).

Are Astrologen.

Historischer Roman aus der Zeit des dreißigjährigen KriegeS.

Von Max Benno.

(Fortsetzung.)

Am Abend des dritten Tages erschien Georg indem Zimmer der Base, wo außer dieser und Magdalenennoch Pater Vincenz sich befand.

Du kommst vom Herzog", fragte Letzterer denjungen Mann;wie fandest Du ihn?"

Furchtbar verändert", erwiderte Georg.Manmöchte weinen bei dem Gedanken, wie kräftig und frischder Herr vor wenigen Tagen noch war. Als ich in'sZimmer trat, saß er am Tisch mit Sortiren und Zer-reißen von Papieren beschäftigt und hörte nicht auf dieTrostesworte seiner Gemahlin, die mir roth geweintenAugen ihm gegenüber saß. Er scheint um viele Jahregealtert zu sein. Das blasse Antlitz gleicht dem einesTodten. Wie dies alles nur so schnell kommen konnte!Ich möchte behaupten, daß das Leiden nicht so fast denKörper, als die Seele berührt; denn als er mir heuteMittag einen Auftrag ertheilte, war seine Stimme festund klangvoll wie immer. Ob nicht am Ende die ver-lorene Kiste mit den Docnmenten eine Rolle bei seinemseltsamen Zustand spielt?"

Ich glaube nicht", entgegnete der Pater;ohneZweifel hat der Herzog das Auffinden derselben bereitsaufgegeben."

Aber ich nicht", erklärte Georg entschieden;viel-mehr bin ich fest überzeugt, daß ich diesmal näher amZiel bin, als je. Hängen lasse ich mich, wenn derSchloßhanptmann nicht weiß, wo fie steckt!"

«Du thust dem Manne Unrecht", meinte Lene.

Es ist einmal ein Gedanke, von dem ich michnicht losmachen kann", widersprach Georg lebhaft,undich beobachte deßhalb alle seine Schritte genau. Dabeihabe ich herausgefunden, daß sein Nachtwandeln nichtsweniger als eine Krankheit, sondern eine schlau angelegteSpitzbüberei ist!"

Du täuschest Dich", hielt ihm Magdalene entgegen.Man hat ihn, wie ich von der Base schon ein DutzendMal gehört habe, nie anders gekannt; doch soll seineKrankheit sich gegenwärtig seltener als sonst und nur inhellen Vollmondsnächten zeigen."

Laß es gut sein, Lenchen", fiel Georg ein;ichweiß es besser: der Schlaukopf gibt sich den Schein desNachtwandelns in keiner andern Absicht, als um zu

spioniren; dafür lebe und sterbe ich und kann nöthigen-falls den Beweis liefern. Hat man jemals gehört, daßdie Nachtwandler im Schlaf herumlaufen, wenn derMond nicht am Himmel steht?"

Und das hätte Leßlie gethan?" fragte ungläubigder Pater.

Ja", versicherte Georg,ich selbst habe ihn aufseinem Schleichwege ertappt; doch ich versalzte demPfifficus den Braten in einer Weise, daß ihm die Lustzum Naschen vielleicht für eine Zeit lang vergeht!"

Gewiß wieder einer von Deinen unbesonnenenStreichen", tadelte kopfschüttelnd der Greis.DerSchloßhanptmann ist ohnehin nicht gut gelaunt. WennDu ihn noch mehr erbitterst, bekommen wir Alle seineRache zu fühlen. Was hast Du gethan?"

Vor drei Tagen", begann Georg mit einem etwasverlegenen Seitenblick auf Lenchen, die ihre Augen inunverkennbarer Besorgniß auf ihm ruhen ließ,legte ichmich in einiger Aufregung in's Bett. Ich konnte nichtschlafen. Da hörte ich ungefähr um 11 Uhr leise Fuß-tritte. Eine geheime Ahnung trieb mich auf, um nach demnächtlichen Wanderer zu sehen. Als ich in des HerzogSVorzimmer trat, war alles still, aber am Fenster standhorchend Leßlie. Es war zwar eine sternenhelle Nacht, derMond aber ließ sich nicht sehen. Mit dem Nachtwandelndes saubern Patrons war es also nichts. Ich beobachteteihn eine Weile, er aber rührte sich nicht. Schließlichwurde mir die Sache zu langweilig. Nun weiß ich, daßder Schloßhauptmann gegenüber allem, was nach Ge-spenstern oder derartigem riecht, ein Hasenfuß ist. DieseThatsache weckte einen Gedanken in mir. Warte, sagteich bei mir selbst, ich will Dir das Spioniren entleiben,schlich mich leise hinter ihn und gab ihm einen Puff,daß man wahrscheinlich die Spuren heute noch sieht.Eine Minute später lag ich schon wieder im Bett."Mit einem lustigen Lachen schloß der Leibjäger seinenBericht.

Das Antlitz des Paters Vincenz war bei der Er-zählung Georg's immer ernster geworden.Wie", riefer, als jener schwieg,das geschah vor drei Tagen, inder Nacht vor der Erkrankung des Herrn?"

Ganz recht", bestätigte der junge Mann.

Pater Vincenz sank auf einen Stuhl, weiß wie dieWand.

Georg und Magdalene, nicht wenig erschreckt, wolltendem alten Manne beistehen; doch dieser wies ihre Hilfe