Ausgabe 
(24.1.1896) 7
Seite
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mit einem trüben Lächeln zurück. Er erholte sich schnellwieder, stand auf und durchmaß einige Male, wie miteinem Entschluß kämpfend, schweigend den Raum.

Georg, Georg", mahnte er dann mit aufgehobenemFinger,wie oft habe ich Dich schon vor übermüthigenStreichen gewarnt! Gebe Gott , daß Du die Folgendieser Handlung nicht in sehr bitterer Weise zu fühlenbekommst!"

Damit erhob er sich und verließ, ohne eine weitereErklärung zu geben, das Zimmer.

Der Leibjäger schaute ihm etwas verblüfft nach.Was der gute Pater nur hat?" sagte er.Leßliestirbt an dem kleinen Denkzettel nicht, und zudem weißer ja nicht einmal, durch wen er ihm angehängt wor-den ist."

Ganz wohl war es ihm aber bei der Sache dochnicht. Er stellte sich an's Fenster und schaute verstimmthinaus; der Jugend-Uebermuth schlug jedoch seine Scrupelwieder bald aus dem Feld. Er begann die Melodieeines Liebchens zu pfeifen und wandte sich dann mitschelmischer Miene an Lenchen.Höre, ich möchte Dichschon lange etwas fragen; allein es wollte mir bis jetztnicht über die Zunge. Wenn ich die verlorene Kisteauffinde, was vielleicht schon in den nächsten Tagen ge-schieht, ist mir eine SchloßhauptmannS - Stelle gewiß;möchtest Du nicht meine Haupmünnin werden?"

Geh' mir doch, Du leichtsinniger Mensch", wiesihn das Mädchen erröthend zurück;aus Dir wird inEwigkeit nichts." Dabei spielte aber doch ein Lächelnum ihren Mund, das mit dem harten Urtheil in Wider-spruch stand.

Georg nahm auch keinen Anstand, es in seinemSinne zu deuten.Gut, Schatz", sagte er wohlgefällig,ich verstehe Dich schon: erst etwas werden, dann sprichtman das entscheidende Wort. Du hast Recht und sollstsehen, daß mir's Ernst ist; denn leichtsinnig bin ichnicht", versicherte er mit einem treuherzigen Blick in dieAugen Magdalenens,wenn ich auch zugeben muß, daßmein Hang zu Schelmereien und zu romantischenAbenteuern", fügte er halblaut hinzu,mich zuweilenmehr hinreißt, als gerade nothwendig ist."

Er drückte ihr die Hand und eilte, da der Dienstrief, davon.

» «!

Hier ist wein letzter Wille!" sagte ungefähr zugleicher Zeit der Herzog von Friedland und überreichteseiner weinenden Gemahlin ein versiegeltes Schreiben.Wenn ich todt bin, sendest Du diese Papiere an DeinenVater nach Wien ; ich habe ihn zum Vollstrecker meinesTestamentes bestimmt. Mein Leichnam soll nach Gitschingebracht und dort in aller Stille beigesetzt werden. Duwirst jedoch dafür sorgen, daß das Trauergeleite meinemRange entspricht."

Ein tiefer Schmerz prägte sich auf dem Antlitz derHerzogin aus. Sie stellte sich mit gerungenen Händenvor den Gemahl.Ich bitte, ich beschwöre Dich, Albrecht",flehte sie,weise doch endlich diese entsetzlichen Todes-gedanken, welche Deine Gesundheit vernichten, von Dir!Du hast nun seit drei Tagen keinen Bissen Nahrung zuDir genommen und keine Minute mehr geschlafen. WennDu diese Lebensweise noch länger fortsetzest, befürchte ichdas Schlimmste für Dich. Dann könnten die von Dirsoeben getroffenen Anordnungen allerdings nothwendigwerden."

Sie sind es schon jetzt", siel Wallenstein mitdumpfem Ton ein,die Hand des Todes hat mich be-rührt."

Barmherziger Gott", rief Jsabctta voll Entsetzenund ergriff seine Hand,was soll ich anfangen, umDich von Deinem unseligen Wahn abzubringen? Führedoch nur einen einzigen vernünftigen Grund an, warumder Schlag ein Zeichen des Todes sein soll? Einer derhalbbetrunkenen Osficiere oder sonst Jemand . .

Glaubst Du, Weib", fiel der Herzog seiner Ge-mahlin mit funkelnden Augen in's Wort,daß irgendein Mensch die Kühnheit besitzt, den Herzog von Fried-land auf die Art, wie es geschah, mit der Faust zu be-rühren?"

Die geängstigt« Frau wußte hierauf keine Antwortzu geben. Sie schwieg, verwirrt und entmuthigt.

Ich fühle es", fuhr Wallenstein fort,daß ichdem Tode geweiht bin! Sterben, sterben ein häß-liches Wort, und doch für Alle, für den Fürsten wiefür den Bettler gemacht. Es liegt auch weiter nicht vieldaran; aber sterben in dem Augenblick, wo man imBegriff steht, die Sonnenhöhe des Ruhmes und derMacht zu erklimmen, wo die Augen einer Welt denSieger auf dem Kampfplatz erwarten, das ist hart,das ist schmerzlich!"

Ich muß noch einmal sagen, Albrecht", unterbrachihn die Herzogin,Du täuschest Dich, Du täuschest Dichsicher. O zürne mir nicht", fuhr sie fort, als Wallen-stein die Stirne runzelte,ich muß reden, und schwebteein gezücktes Schwert über mir. Es gilt Deine Ehreund Deinen Ruhm. Nehmen wir sogar an, jener Vor-fall sei wirklich etwas Uebernatürliches, ein VorzeichenDeines Todes gewesen, soll dieser den kühnen Feld-herrn, der ihm schon so oft mit kaltem Blute in's Augegeschaut, in seiner Kammer mehr schrecken, als in derblutigen Schlacht? Soll man sagen, Albrecht von Wallen-stein habe je einmal vor dem Tode gebebt? Niemand,.selbst Dein Weib nicht, soll behaupten, daß der Herzogvon Friedland sich schwach gezeigt hat!"

Wallenstein's blasses Antlitz röthete sich bei diesenWorten; ob aus Zorn oder aus Scham, verrieth seinMienenspiel nicht. Dann sagte er mit mühsam er-rungener Fassung:Ich danke Dir, Zsabella, nun weißich, daß Du mich liebst, und es freut mich, zu sehen,daß auch Deine Seele die Ueberzeugung von meinerLiebe erfüllt. Nur wahrer Liebe konnte der Muth ent-springen, mir das zu sagen, was Du gesagt hast. Duthatest, was kein Mann gewagt haben würde."

Der Eintritt eines Dieners unterbrach das Gespräch.Pater Vincenz", meldete dieser,bittet Euere Herzog-lichen Gnaden in einer dringenden Angelegenheit umhochgeneigtes Gehör!"

Heute nicht, morgen", versetzte Wallenstein kurz.

Der Diener ging, kam jedoch bald wieder zurück.

Der Pater erklärt", berichtete er Zögernd,dieSache sei höchst dringlich."

So soll er kommen", rief der Herzog, und sein?Augen funkelten.

Ihr bringt etwas, das keinen Aufschub bis morgenerleidet?" fragte er den eintretenden Ordensmann rauh.

Ja", bestätigte der Greis, ohne sich an Wallen-stein's finstere Miene zu kehren,und zwar etwas, dasEuer Gnaden persönlich betrifft. Ihr habt mit mir überden seltsamen Vorgang gesprochen, in welchem Ihr den