Vorboten eines nahen Todes erblicket und mich fürdiesen -unglücklichen Fall, den der liebe Gott noch rechtlange fernhalten wolle, mit Euern Aufträgen beehrt.Der ganze Vorgang hat sich nun auf die natürlichsteWeiss erklärt!"
»Was", rief der Herzog mit einer Stimme, die imganzen Gemach widerhallte, und heftete die Augen durch-dringend auf den Geistlichen, der ruhig vor dem Ge-waltigen stand, „auf eine natürliche Weise?"
„Die Sache ist einfach der übermüthige Streicheines unbesonnenen Menschen, der jedoch nicht Euch,sondern einem Andern galt!"
„Sagte ich es nicht", jubelte die Herzogin, „o Gott sei gelobt!"
„Eines unbesonnenen Menschen", nahm der Paterseine Rede wieder auf, „der bis heute nicht weiß, welchesUnheil er angestiftet, und für welchen ich um eine mildereStrafe bitten möchte, als er verdient!"
„Wie mögt Ihr daran zweifeln?" rief Jsabella, dereine Centnerlast vom Herzen genommen war. „Erzählet,damit mein Gemahl von seinem unglücklichen Wahn be-freit wird!"
Der Pater berichtete, waS wir schon wissen. „AlsGeorg", schloß er, „die Geschichte mit lachendem Mundeerzählt hatte, erschrak ich entsetzlich. Im ersten Augenblickbefand ich mich im Zweifel, ob ich den Verwegenen auf-klären und veranlassen solle, zu den Füßen Euerer Hoheitum Gnade zu flehen, oder ob es nicht besser sei, daßderselbe von den unheilvollen Folgen seiner Handlungs-weise gar nichts erfahre. Nach kurzer Erwägung ent-schloß ich mich, die ganze Angelegenheit der WeisheitEuerer Hoheit zu unterbreiten. Jedenfalls hat Georgnicht aus Bosheit, sondern nur aus Unbesonnenheit einenFehler begangen, der an und für sich zwar sträflich,aber eigentlich nur die Folge eines Mißverständnissesund jugendlichen Uebermuthes ist!"
Der Herzog hatte immer noch keine Silbe gesprochen;mit finster zusammengezogenen Brauen durchmaß er denRaum. Seine Brust arbeitete mächtig, wie von einemStrom wilder Gedanken durchtobt. Pater Vincenz undJsabella blickten, um das Schicksal Georg's besorgt, mitängstlicher Spannung auf ihn.
Nach einer Welle blieb er vor dem alten Herrnstehen. „Also den Schloßhauptmann", fragte er miteigenthümlich zitternder Stimme, „glaubte der jungeMensch vor sich zu haben?"
„Ja", erwiderte der Pater kleinlaut, „den Schloß-hauptmann Leßlie, gegen welchen er schon seit seinerHieherkunft einen geheimen Groll hegt."
„Gut", bemerkte Wollenstem, und seine Augen er-weiterten sich drohend; „sie sollen Beide ihre angemesseneStrafe bekommen: Georg Selkow für seinen Frevel, undLeßlie, den ich bei seinem Kopfe für meine Ruhe inGroßmeseritsch verantwortlich machte, weil er in so nach-lässiger und pflichtvergessener Weise die Sorge für meinePerson vernachlässigt!"
Der Herzog winkte mit der Hand, und Pater Vincenzging mit kummervoller Miene hinaus.
(Fortsetzung folgt.)
Sor fmlsundMnzig Zahm».
Von Friedrich Koch-Breuberg.
(Fortsetzung.)
Wir Zehner marschiren nach Beaumont. 24 Ossi»eiere theilten mit mir die kahle Wirthsstube eines Gast-hauses. Kamen unsere Diener, begann ein sofortigesUntersuchen der Handtasche. Mein Diener — Kleemanngeheißen — war eine Art Wunderding. Er hatte sicheinst für mein zweites Pferd ein stehen gebliebenesWägelchen angespannt. Wo er während des heißenRingens herumfuhr, blieb mir ein Räthsel, aber wardie Sache zu Ende, war es Zeit, seinen Dienst anzutreten,dann fuhr er plötzlich hinter dem Bataillon einher, undnie hat er einen leeren Eßkorb ausgepackt. Deshalberfreute er sich aber auch nicht allein meiner, sondernder allgemeinen Gunst.
Wir Officiere waren damals sehr übermüdet und'konnten doch nicht schlafen. Innerhalb 8 Tagen machtenwir die größten Schlachten mit und hatten so viel zuerzählen, dann ging die Thüre bis zum Morgen aufund zu, denn es gab ein fortwährendes Suchen nachAerzten. In vielen Fällen wußte der Jünger AescnlapSauch nicht mehr zu helfen, aber das ist nun wie iwFrieden — der Arzt wird mit Sehnsucht erwartet.
Endlich ward Ruhe im Zimmer, und man strecktesich auf dem raschelnden Lager aus. Als es durch dieschmutzigen, meist zertrümmerten Scheiben hereindämmerte,drang mit dem Morgenlicht frohe Kunde zu uns. DerTag sollte Rasttag sein!
Die Freude währte nicht lange, denn schon wiedervernahm man den altgewohnten Kanonendonner. I«das benachbarte Cravant flogen Granaten und an allenEcken und Enden geht eS auch am 10. Dezember los.Oben bei Villechaumont hatten die Franzosen Abtheilungender Division Wittich zurückgedrängt. Obwohl sich dieZweiunddreißiger muthtg vertheidigten, mußten sie weichenund 150 Mann in Gefangenschaft gerathen lassen.Gambetta war in ToSnes, in einem Dorfe hart vorunserer Linie, eingetroffen und hatte angeordnet, daß derfranzösische rechte Flügel vorzudringen habe. Also des-halb war der Kampf von Neuem entbrannt. Hatte derehrsüchtige Einäugige die eisernen, von Pflichtgefühl er-füllten Schädel der Deutschen noch nicht kennen gelernt?
Wieder marschirte die 4. Brigade nach Villechau-mont hinauf, und heute besetzten die Dreizehner das.Dorf, während wir Zehner die Reserve bildeten. Generalv. Orff führte seine Brigade nach Beauvert und LayeS.Ach Gott, man kannte jeden blutbespritzten Stein diesesGeländes, das an die 100,000 Franzosen seit drei Tageneiner Hand voll Deutschen nicht zu entreißen vermochten!^
Auch im Norden bei Villermain hatte sich derFeind wieder angesammelt. Als General v. Orff dieNeunerjäger nach Montigny schickte, fanden sie dort das2. Jäger-Bataillon und die Batterie Gruithuisen vor.Die Brigade Täuffenbach war nämlich nach Orleans ab«marschirt und hatte diese Abtheilung zum Schutze derArtillerie beim Beginne des Kampfes hier gelassen.
Nach Orleans ? so tönte es in den Reihen derübermüdeten Bayern fragend hin und her, denn es hattesich die Kunde verbreitet, daß der Großherzog beabsichtige,daS fast kampfunfähige Corps v. d. Tann als Besatzungder Stadt zu verwenden. Aus Orleans aber winkteuns die jetzt heiß ersehnte Ruhe. Doch augenblicklichsausten Granaten hin und her, und auf der ganzen Linie