Ausgabe 
(24.1.1896) 7
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in Folge dieser ein Auftrieb statt, so daß diese beidenim Flecken einander entgegengesehen Strömungen eineDrucksteigerung bewirken; dasselbe Phänomen, das wirim Winter häufig über dem europäischen Kontinent inden Anticyklonen zu beobachten Gelegenheit haben. Letzteretreten ebenfalls bei Drucksteigerung, also hohem Baro-meterstand, auf, bringen klares, kaltes Wetter und er-zeugen von ihm fortströmende Winde. Man wird vondem von Oppolzer eingeschlagenen Wege, die Erscheinungenan der Sonnenoberfläche zu erklären, viel früher eineLösung des Problems erwarten können, als unsere irdischeMeteorologie durchgreifende Gesetze für die atmosphärischenErscheinungen der Erde zu liefern verspricht. Denn dieVerhältnisse auf der Sonne, wo die Wärmezufuhr wesent-lich aus dem Innern kommt, müssen schon deshalb vieleinfachere sein als auf der Erde, wo mindestens dieüberwiegende Wärmequelle außerhalb ihren Sitz hat unddaher in viel verwickelterer Weise die Atmosphäre beeinflußt,als jene radiale Leitung die Sonnenatmosphäre bewegt.

(Schluß folgt.)

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Das Telephon der Zukunft.PestiNaplo*meldet: Drei in Siebenbürgen seßhafte Techniker, ViktorBrandt, Anton Hamm und Gregor Blank, demonstriertenim Budapester Schriftsteller- und JournalistenvekeinOthon" einen kleinen Apparat, den man füglich daSTelephon der Zukunft nennen darf. Dieser Apparat,welcher sich äußerlich durch nichts von dem bisher imGebrauch stehenden Telephon unterscheidet, besitzt nämlichdas Geheimniß, die aufgefangenen Schallwellen auf einegroße Entfernung zu leiten, so zwar, daß es keiner Ohr-muschel bedarf, um das in den Apparat hineingesprocheneWort im letzten Winkel eines großen Raumes laut undausgezeichnet vernehmbar zu hören. Die imOthon"angestellten Versuche ergaben ein glänzendes Resultat,Das Klublokal besteht aus fünf langgestreckten Sälen.Der eine der Erfinder brachte nun den Apparat imersten Saale an und recitirte in das Sprachrohr einenVers. Im letzten Salon, in welchem sich zahlreicheMitglieder aufhielten, hörte man nun mit ganz außer-ordentlicher Deutlichkeit den Vers. Dann sang ein an-wesender Opernsänger eine Arie in das Sprachrohrhinein, die man im letzten Salon so genau hörte, alssäße man im Theater vor der Rampe. Unter den an-wesenden Gästen wurde nur das eine Bedenken rege,ob nicht durch diese Telephonform die Möglichkeit be-nommen werde, das Telephon für diskrete Gespräche zubenutzen. Allein auch diesen Fall haben die Erfindervorgesehen. Will man nämlich nicht, daß das Gesprächauch von anderen gehört werde, so nimmt man einfachdie Ohrmuscheln zur Hand, und es hört nur derjenige,der die Muscheln anS Ohr legt. Die Erfinder, welcheihren Apparat bereits patentieren ließen, werden dem-nächst an die cisleithanische Telegraphen- und Telephon-verwaltung herantreten, um ihrer Erfindung auch inOesterreich Eingang zu verschaffen.

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Es gibt Menschen, die auf Aeußerlichkeiten keinGewicht legen und behaupten, auch ohne dieselben könntesich das Familienleben schön gestalten; doch irren sie mitdieser Ansicht sehr. Das Leben besteht aus Kleinigkeiten,

und werden diese außer Acht gelassen, so entwickelt sichein unschönes, unerfreuliches Zusammensein. Welche Auf-merksamkeiten haben Brautleute für einander; sie würdeneS z. B. für eine Unmöglichkeit ansehen, ohne zärtlichenAbschied sich zu trennen. Wie oft aber kommt es vor,daß junge Eheleute von einander gehen, ohne daß derMann seinen Hut lüftet und die Frau es nicht fürnöthig erachtet, bei ihrem Ausgange sich von dem Gattenzu verabschieden! Das schleicht sich so ganz langsamein, mit der Zeit führt es zu gegenseitiger Gleichgültig-keit, und später gewöhnen es die Kinder, beim Kommenund Gehen sich weder an- noch abzumelden, so daß ineinem solchen Haus sehr bald ein ungebildeter Ton herrscht.Oft hört man sagen:Wenn nur gut gekocht ist» dieArt des Auftragens ist Aeußerlichkeit!" Das ist nuneine falsche Auffassung. Das einfachste Gericht schmecktentschieden besser, wenn es in nicht schadhaftem Geschirr,auf einem reinlich gedeckten Tisch schön serviert wird.So soll auch den Kindern frühe angelernt werden, hübschzu essen, Messer und Gabel richtig zu gebrauchen, über-haupt sich bei Tische anständig zu benehmen, denn ander Art, wie der Mensch ißt, kann man seine Bildungbemessen, und wenn es nicht in der Jugend geübt ist,später erlernt man es schwer, immer wird das sichereBenehmen dabei fehlen. Man versäume nicht, Kinderdaran zu gewöhnen, der Gebnrts- oder Namenstage zugedenken und solche Tage durch Aufmerksamkeiten zufeiern. Es erinnert die Kinder, den Eltern den schuldigenDank und die denselben zukommende Ehrerbietung zuerzeigen. Gerade durch diese Aeußerlichkeiten wird dasGemüth des Kindes geschult, und später wird es seinenalternden Eltern liebenswürdig begegnen. Das Alterist ja wieder wie die Kindheit, es ist liebebedürftig aufseine Angehörigen angewiesen. Gut dann, wenn in derJugend auf Aeußerlichkeiten gesehen worden, in den altenTagen wird man die Früchte davon genießen.

Schachaufgabe.

Schwarz.

Weiß zieht an und setzt mit dem 2. Zuge matt.

Auflösung des Räthsels in Nr. 6:

Der Buchstabe L.