Ausgabe 
(28.1.1896) 8
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1896.

Augsburger PostMung".

Dinstag, den 28. Januar

Für die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg .

Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg lVorbesttzer Dr. Max Huttler) .

Die Astrologen.

Historischer Roman aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges.

Von Max Bcnno.

(Fortsetzung.)

6 .

Einige Stunden später schritt Georg, ein Lied leisevor sich hinsummend, über den Hof und die breite Treppenach seinem Zimmer hinauf. In der besten Stimmunglehnte er sich über die Brüstung des offenen Fenstersund blickte in den Burgpark hinunter, wo der Lenz be-reits die lieblichsten Bilder zu entfalten begann. Eswar so warm und sonnig wie in den schönsten Tagendes Mai. Zuversicht schwellte heute das Herz des jungenMannes. Magdalene hatte bet seiner Werbung so ver-heißend ausgesehen, sie hatte trotz ihrer scheinbaren Wei-gerung nichtnein" gesagt, das war ihm vorerst genug.Die beängstigende Wallung, welche die schöne Seherinin seinem Gemüth bewirkt hatte, war überwunden. Ermußte selbst lächeln, wenn er daran dachte, wie diesesfremdartige Geschöpf, dem er vielleicht nie mehr begegnete,auf seine Einbildungskraft und seinen Willen einen solchenZauber hatte ausüben können.

Aus seinen Träumereien wurde er durch schwereTritte und ein geräuschvolles Oeffnen der Thüre ge-schreckt. Er wandte den Kopf rückwärts und blickte indas ernste Antlitz des Schloßvogts, welcher sich mit zweiHellebardieren und dem Schließer an der Thüre aufgestellthatte.

Im Namen des Herzogs," begann Ersterer undtrat näher,verhafte ich Euch, Georg Selkowl"

Dieser schaute dem alten Manne einen Augenblicksprachlos in's Gesicht, dann aber tönte ein lustiges Lachenvon seinem Mund.Wahrhaftig, Schloßvogt," sagte er,ich habe nicht gewußt, daß Ihr ein solcher Spaßvogelseid! Bleibt mir nur mit derartigen Flausen vomLeibei"

Dem alten Manne, der Georg immer gern gehabthatte, that die Ausübung seiner Pflicht wehe.Ichscherze nicht'" entgegnete er traurig, aber entschieden;noch ein Mal: Ihr seid verhaftet, gebt sofort EuernDegen ab!"

Nun stutzte Georg.Ich bin mir keines Vergehensbewußt," vertheidigte er sich,und gebe Euch die Ver-sicherung, daß die Sache auf einem Mißverständnißoder einer Verwechselung beruht." Gleichzeitig wandteer sich ab und schaute wieder zum Fenster hinaus.

Da verlor der Vogt die Geduld.Schließer," ge-bot er,nehmet dem Gefangenen die Waffen ab undlegt ihn in Ketten I"

Der Kerkermeister trat vor. Ehe es ihm jedoch ge-lang, Hand an Georg zu legen, drehte dieser sich um.Er riß den Degen aus der Scheide und hielt ihn drohendgegen den Angreifer gezückt.

Wagt es," donnerte er;vom Herzog kommt dieserBefehl nicht!"

Die. Häscher standen unschlüssig.Georg," mahnteder Vogt,Du weißt, daß ich es allezeit gut mit Dirmeinte; dies ist auch heute der Fall. Gleichwohl mußich Dich auf des Herrn ausdrückliches Gebot gefesseltin's Gefängniß abführen. Das ist mir wahrhaftig un-lieb genug; weil jedoch den Schloßhauptmann das gleicheLoos getroffen, wie Dich, und weil ich, wie Du weißt,dessen Stellvertreter bin, konnte ich mich der traurigenPflicht nicht entziehen!"

Auch Leßlie verhaftet?" fragte Georg.So sagtmir doch um Gottes willen, was geht denn vor?

Ich sollte es Dir zwar nicht sagen," erwidertemitleidig der Vogt;allein Du dauerst mich, und ichwill Dich über Deine Lage nicht länger im Unklarenlassen. Du glaubtest vor einigen Tagen in übermüthigerLaune dem Schloßhauptmann einen Schlag zu versetzen Unglücklicher! Du hast Dich schrecklich geirrt; derMann, welchen Du trafst, war nicht Leßlie, sondern derHerzog!"

Der Herzog!" stöhnte Georg erbleichend.Ichbeschwöre Euch, Burgvogt, sprecht Ihr die Wahrheit?

Es ist leider so," sagte dieser;Du hast Dich ander geheiligten Person des Herzogs von Friedland ver-griffen, ein Verbrechen, das Du vielleicht mit dem Todebüßen mußt. Deine That hat den Herrn in die furcht-barste Aufregung versetzt und dadurch an den Rand desGrabes gebracht das war die Krankheit, die so plötz-lich kam und alles in Staunen und Angst versetzt hat.Auch auf Leßlie, den er für die Sicherheit seiner Personverantwortlich machte, ist der Herzog maßlos erbittert.Fast fürchte ich, daß das gleiche Loos für euch Beidebestimmt ist."

Georg sagte nichts mehr. Das Bewußtsein seinerunseligen That hatte ihn der Sprache beraubt. Der Zu-stand des Herzogs war ihm nur zu gut bekannt, und ertrug die Schuld. Nun wurde es ihm auf ein Mal klar,warum Pater Vincenz bei der Erzählung seines muth-