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willigen Streiches in so furchtbaren Schrecken versetztworden war. Mechanisch schnallte er seinen Degen abund ließ sich fesseln. Schon stand er im Begriffe, denHäschern zu folgen, als die Thüre aufging und Magda-lene mit verstörtem Antlitz hereinstürzte.
„Barmherziger Gott," jammerte sie und rang dieHände, „ist es denn wahr, Georg, daß Du zum Todegeführt wirst?"
„So weit ist es noch nicht," tröstete sie der Burg-vogt. Georg, dessen Antlitz trotz seinem Unglück vonhoher Freude über die Theilnahme des Mädchens verklärtwar, reichte ihr die gefesselte Hand.
„Ich habe mich schwer gegen den Herzog versündigt,"sagte er, „und ich ist mit Ergebung tragen, was mirbestimmt ist, wär's > , ^dcr Tod l Nur um^Eines bitteich Dich, Magdalene: sorge dafür, daß der Herzog meinenIrrthum erfährt. Sage ihm, daß ich wissentlich es nie-mals gewagt hätte, gegen seine hohe Person mich in einerWeise zu vergehen, wie es geschah."
Das Mädchen vermochte sich nicht so ruhig in dasFurchtbare zu finden. Vor dem drohenden Verlustebrachen die schlummernden Gefühle mit Macht hervor.Sie umschlang den jungen Mann mit den Armen undrief in leidenschaftlichem Schmerz: „Nein, nein, Dudarfst nicht fort, Du darfst nicht sterben; es wäre meinTodl"
Georg's Augen wurden feucht. Er preßte die Ge-liebte mit wehmüthiger Freude an's Herz und machte sichdann sanft von ihr los.
„Sei wüthig," flüsterte er; „es muß sein! Viel-leicht wird es auch nicht so schlimm, wie wir fürchten;hoffe und bete!"
Er warf noch einen Blick voll Liebe auf sie, dannführten die Häscher ihn fort.
Weinend unr rathlos blieb Magdalene im Zimmer.Der Schlag war zu schnell gekommen. Allmählig aberkehrte die Fassung ihr zurück. Sie trocknete das thränen-gebadete Antlitz und eilte den Gemächern der Herzoginzu. Ihr Herz schlug leichter, als sie diese allein fand.Sie warf sich der hohen Frau zu Füßen und flehte umGnade und Erbarmen für Georg.
Die Herzogin schien von den letzten Vorgängennoch gar nichts zu wissen. Ueberrascht blickte sie aufdas weinende Mädchen. „Was ist geschehen?" fragtesie endlich.
„Er liegt in Ketten," schluchzte Lene, „und mansagt, er werde zum Tode verurtheilt werden!"
Jsabella erschrak, doch faßte sie sich sofort wieder.Sie hob die Knieende auf und suchte dieselbe liebreichzu trösten.
„Beruhige Dich," sprach sie, „so weit kann, so weitdarf es nicht kommen. Mein Gemahl hat sicher auchnicht die Absicht, den jungen Mann für seine Unbesonnen-heit so hart zu strafen. Die Maßregel soll gewiß nureine wohlgemeinte Lehre und eine Warnung sein, umihn für die Zulunft von seinem Leichtsinn zu heilen.Für alle Fälle zähle auf mich."
Magdalene athmete auf. Voll Hoffnung kehrte siezu der Base zurück.
Einige Minuten nach der Entfernung des Mädchenserschien Wallenstein . Seine Gestalt, welche in den letztenTagen gebeugt gewesen, war wieder emporgerichtet, unddie Augen glühten im alten Feuer.
Die Herzogin ging ihm mit freundlicher Miene ent-
gegen und ergriff seine Hand. „Du ließest Georg Sel-kow verhaften," begann sie, „und wie ich höre, hast Dueine schwere Strafe für ihn bestimmt. Wäre es denndenkbar, daß Du den jungen Menschen, der Dir schonso viele Dienste geleistet, der Dir mit seltener Treueanhängt, einer jugendlichen Unbesonnenheit wegen zumTode verurtheilen könntest? Muß ich wirklich das Un-' erhörte befürchten?"
„Unerhört, sagst Du," rief Wallenstein ; „es sindAndere um geringerer Dinge willen bestraft worden, und derFrevel dieses Knaben sollte ungesühnt bleiben? Siesollen Beide so behaudelt werden, wie es ihr Verbrechenerheischt: Georg sowohl als Leßlie, welcher in Folgeseiner unverzeihlichen Nachlässigkeit als Mitschuldiger dergleichen Strafe wie der Thäter verfällt!"
Der hohen Frau lag das Schicksal Georg's so sehram Herzen, daß ihr des Herzogs Aeußerung bezüglichdes Hauptmanns entging. Schmerzlich bewegt schautesie auf ihren Gemahl, dessen unbeugsamen Starrsinn siekannte. Da ging die Thüre auf, und Pater Vincenztrat langsam und traurig herein.
Mit düsterer Miene schritt Wallenstein auf ihn zu:Habts Ihr die Beichte des Jüngern gehört und auchLeßlie zum Tode vorbereitet, wie ich befohlen?" fragte er.
„Ja," entgegnete fast tonlos der Greis. Wie umeine Mildere Regung zu suchen, forschte er in den Zügendes gewaltigen Mannes, aber enttäuscht senkte er denBlick. Plötzlich jedoch ermannte er sich und rief: „Ver-zeihen Euer Herzogliche Gnaden, wenn ich, der schwacheGreis, der arme, mit keiner hohen kirchlichen Würde be-kleidete Priester, in diesem Augenblick Worte an Euchrichte, welche ich mir unter andern Verhältnissen niemalserlaubt hätte. Ich rede als der verordnete Diener einesHähern Herrn, vor dessen Angesicht der Fürst und derBettler, der Gewaltige und der Schwache gleich sind.Herzog von Friedland ! Ihr steht im Begriff, eine furcht-bare Schuld auf Euch zu laden, die dereinst in derSterbstunde Euer Gewissen schwer drücken wird: Ihrhabt ein ungerechtes, ein grausames Urtheil über denSchloßhauptmann und Georg Selkow gesprochen; ihreHinrichtung wäre ein Mord!"
„Ha, was wagt Ihr?" brauste Wallenstein auf.
„Es ist so, und bei Gott, vor dessen Thron ichvielleicht bald stehen werde, will ich diese Behauptungvertreten," beharrte der Greis mit Würde. „Was habendie Beiden gethan? Der Eine verfehlte sich, ohne es zu^ wissen, gegen Eure Person, und der Andere hat ihndaran nicht gehindert, weil er ihn nicht hindern konnte;denn Georg hatte ja stets freien Zutritt zu Euch. Sinddas Verbrechen, die man mit dem Tode bestraft? DieErbitterung, nicht Euer Herz hat dieses Urtheil gefällt!Nehmt es zurück! Denkt an jenen großen Meister derLiebe, der Gnade und des Erbarmens, zu dem Ihr täg-lich betet: Vergib mir meine Schuld, wie auch ich ver-gebe! Uebt Gnade, damit er auch Euch gnädig sei!
! Er, von dem allein Eure Zukunft abhängt, auf dessen! Wink die Gestirne des Himmels sich bewegen, der Euch, Ruhm, Ehre und Erfolg schenken kann. Von ihm singti der Psalmist aber auch: Da wehte sein Hauch, es deckte! sie das Meer, und sie sanken wie Blei in den gewaltigen! Wassern. Ihr könnet sie hinrichten lassen, die Gewaltliegt in Eurer Hand; ein Wink von Euch verlöscht dasLeben der Beiden, und das Bewußtsein, Diejenigen ver-nichtet zu haben, welche Veranlassung gaben, daß Ihr