Ausgabe 
(4.2.1896) 10
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hielt sein Aerger nicht Stand. Mit großer Befriedigungmachte er dabei gleichzeitig eine Entdeckung, deren klugesAusnutzen ihn für die durch den Wachtmeister erlitteneNiederlage zu entschädigen versprach. Die begehrlichenBlicke, mit welchen jener Marion verfolgte, entgingenihm eben so wenig, als dessen eifersüchtiger Grimm, wenndas Mädchen ihn zu bevorzugen schien. Georg fandden Zusammenhang sofort heraus und leitete seinen An-griff gegen den Wachtmeister auf dieser Grundlage ein.Er wußte dem Gespräch, auf welches das Mädchen mitunverkennbarer Freude einging, unter geschickter Benutzungder flüchtigen Bekanntschaft in Großmeseritsch eine soanzügliche Wendung zu geben, daß ein hoffnungsvollerFreier die Fassung verlieren mußte.

In der That kamDonald durch das bos-hafteManöver auSRandund Band. Er wurdebald roth, bald blaßund schien nur auf eineGelegenheit zum Los-brechen zu warten.

Marion nahm vondieser Stimmung ihresangehenden Bräutigamsanfangs gar keine Notiz,und Georg hatte seinehelle Freude daran. Erwar wiederganz in seinerübermülhigenLaune unddachte nicht mehr anjene furchtbare Lehre, dieihm vor dem Block desScharfrichters ertheiltworden war. Da don-nerte ein Kanonenschuß,das Zeichen für die Of-fiziere, welche die Nacht-wache antreten mußten.

Georg verabschiedete sichvon Marion, rief demWachtmeister lachendeinen kurzen Gruß zuund verließ das Gemach.

Donald schaute ihmmit drohendem Blickenach. Dann forderte erLeferrier auf, an seinerSeite Platz zu nehmen,und sprach längere Zeit leise, aber aufgeregt und eindring-lich mit ihm. Nach einer Weile trank er seine Flascheleer und schritt, ohne von Marion Abschied zu nehmen,ebenfalls in's Freie hinaus.

Es war indessen vollständig dunkel geworden. Inweitem Umkreise beleuchteten zahllose Wachtfeuer dieLandschaft, über welche wie eine schimmernde Kuppeldas sternenbesäete Firmament gespannt war. Ein trocken-kalter Wind blies von Norden her und trieb die Rauch-wolken, welche riesigen Gespenstern gleich durch die Luftschwebten, gegen die Stadt.

Donald schritt langsam über den Plan. Rachsüch-tige Gedanken kreuzten sich in seinem Gehirn.Habeich darum", grollte er,mich selbst, meine Ruhe, meineZukunft und vielleicht noch mehr geopfert, damit mir

ein Lasse den Preis streitig macht? Es ist ein gewagtesSpiel, zu dem ich die Hand bot, und bis zu dieserStunde hatte ich davon nur Aerger und Zorn. Aberes soll und muß ein Ende nehmen; die, fortwährendeAufregung ertrage ich nicht länger. Zum zweiten Maletritt dieser Selkow mir nun in den Weg. Der jungeHerr kennt mich noch nicht! Er glaubt meiner spottenzu dürfen; denn daß keine ernstliche Absicht hinter demSchönthun mit Marion steckt, begriff ich sofort. Aberärgern lasse ich mich von einem solchen Gelbschnabelnicht. Er mag sich in Acht nehmen, denn Donald-Devereux ist nicht der Mann, den man ungestraft reizt!"

Er hatte das Absteigquartier des Herzogs von Fried-land in Lützen erreicht und begab sich in das Zimmer,

welches für dieStaffet-tenreiter bestimmt war.Dort traf er einen Ka-meraden, der in derschlechtesten Stimmungauf und ab ging.

Ist das eine Heiden-wirthschaft I "tobte jener,als er Donald erkannte;reite ich heute mitetnerDepesche vonMerse-burg her meinen Gaulfast zu Schanden, undwie ich in Schweiß ge-badet ankomme, läßtman mich zwei svolleStundeiHnicht vor. Ichsolle aufLescheid warten,hieß es dann, und jadasHausnicht verlassen;nun warte ich wiederseit mehr als drei Stun-den umsonst. OhneZweifel steckt wieder derSchwarzkünstler Senidahinter, der uns mitseinen Teufeleien sichernoch einen schlimmenStreich spielt. Es gehtetwas vor; inMerseburghörte ich, der Schwedesei uns auf den Fersen.Das wäre eine schöneBescheerung, nachdemPappenheim und dieBayern fort sindl Geheuer ist es nicht; ich glaube so-gar, daß meine Depesche mit diesem Gerüchte in Zu-sammenhang steht. Und hier schaut man, statt zu handeln,zu Mond und Sternen hinauf." <

In diesem Augenblicke kam ein größerer Reiter-trupp vor das Haus angesprengt. Sporen klirrten undschwere Tritte dröhnten die Treppe herauf. WenigeMinuten später erschien ein Page, der sämmtliche ver-fügbare Staffettenreiter und Leibjäger, zu dem Herzogbefahl.

8 .

Die Vermuthung des Staffettenreiters, daß derAstrologe Seni und dessen Kunst die^, Schuld ^'ander Vernachlässigung seiner Depesche trügen, trafwirklich 'zu. In dem Observatorium Wallenstein's

Professor Itr. W> Röntgen.