Ausgabe 
(4.2.1896) 10
Seite
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herrschte seit der verwichenen Nacht eine Aufregung undSpannung, wie man sie dort schon lange nicht mehrgekannt hatte. Sent legte sich erst bet Tagesanbruchfür einige Stunden zur Ruhe. Wallenstein dachte ankeinen Schliff; seine fieberhafte Aufregung lieh eS nichtzu. Ein Ereigntß, das mit allen seitherigen Prognosen,Constellationen und Systemen in Widerspruch stand,hatte die beiden Astrologen am vergangenen Abend in tiefeBestürzung versetzt: das plötzliche Auftauchen eines ganzneuen, bis jetzt noch nicht beobachteten^SterneZEim Bildedes Mars . Sowohlder Herzog selbst alsauch Seni hattendas Phänomen ganzdeutlich erkannt,welches bis nach elfUhr zuerst in starkröthlicher Färbungund von da an mitabnehmenderStärkeam Himmel strahlte,wo es plötzlich ver-schwand. Seni hatteim Laufe des TageSdie Aufzeichnungenund Werke des Pto-lemäus,Copernicus,

Cardanus, Tycho deBrahe, Galilei undKepler nach allenRichtungen durch-stöbert, um über denunbegreiflichen Falleine Auskunft zufinden. Seine Mühewar lange vergeb-lich gewesen, bis erendlich beiCardanusdie Notiz fand, daßmanchmal planeten-artige Himmels-körper plötzlich er-scheinen, kürzere oderlängere Zeit sicht-bar bleiben undwieder verschwin-den, ohne daß trotzder umfassendstenForschungen dasRäthsel ihrer Exi-stenz und ihresWesens durch dieGe-lehrten gelöst wor-den sei. Diese Auskunft genügte Seni um so mehr,als er durch die unbestimmte und allgemeine Haltungdes Verdicts, seinen eigenen Wünschen und Interessenentsprechend, zu den weitestgehenden Hypothesen und Fol-gerungen freien Spielraum bekam.

Wallenstein war in die wichtige Sache so sehr ver-liest, daß alles Andere bei ihm in den Hintergrund trat.Der Abend brach herein, und immer noch war er mitSeni in dem Observatorium beschäftigt. Er hatte sichden Tag über kaum etwas Speise nnd Trank vergönnt.Es wurden großartige Vorrichtungen für eine genaue

Beobachtung des wieder erwarteten Sternes getroffen,dessen Bedeutung zu ergründen der Astrologe sich denscharfsinnigsten Voraussetzungen hingab.

Die Depesche, welche der Staffettenreiter gebracht,hatte in der That von dem Herannahen der Schweden gehandelt; da sie aber nur eine Vermuthung und keinebestimmte Nachricht enthielt, war sie auf die Seite ge-legt worden.

Endlich^,schien Seni zu einem Resultat grkommenzu sein. Mit feierlicher Miene trat er zu seinem Herrn.

Hoheit", beganner,preist dasSchick-sal, welches Euch zuseinem Liebling er-kor. Dieser Sternist das Symbol einerWendung, die mitgroßartigem Erfolgebeginnt. Sein röth-licher Schimmer be-deutet, daß dieszwardurch StrömeBlutesgeschieht, sein herr-licher Glanz aberweist auf den un-sterblichen Ruhmhin, der als Lohnfür das Geopfertewinkt."

Mit leuchtendenAugen nahm derHerzog diese Ver-heißung entgegen.Seine anfänglicheBestürzung war all-mältg geschwunden,und ähnliche Ge-danken hatten be-reits seine Phantasieaufgeregt.

MögetJhrRechthaben, Meister",sagte er und drückteden Astrologen mitüberwallenden Ge-fühlen anseineBrustmöge dieser Sternein Glückszeichen,sein; dann werdetIhr erfahren, wasdcrHerzogvonFried-land der Welt zubieten vermag!"

Er nahm das Papier mit den Aufzeichnungen Sent'san sich und las sie aufmerksam durch, da wurde er durchein ungewöhnliches Geräusch in dem Vorzimmer gestört.Der Page, welcher beauftragt war, nur ganz dringendeAngelegenheiten zu melden, trat ein und berichtete, daßmehrere Reisige den Feldherrn augenblicklich zu sprechenverlangten.

Warten", gab Wallenstein kurz zur Antwort undfuhr in seiner Beschäftigung fort.

(Fortsetzung folgt.)

gZ Damenhand, mit Hilfe USnIgenscher Strahlen photographtrt.