Oberelchingen und sein ehemaliges Kloster.
"Mit Illustrationen.
(Schluß.)
Fortan litt das Kloster unter fortwährenden Ein-quartierungen und Brandschatzungcn, daß großer Mangeleintrat. Den Unterthanen gings noch viel schlimmer.Bei Tag und Nacht kündeten Feuersäulen die schwedischeMordbrennerei. Schon im Frühling des Jahres 1633war fast alles Vieh in den Dörfern weggeraubt, daßdie Bauersleute bei ver Habersaat den Pflug selbst ziehenmußten. Die Geistlichen konnten sich vor dem Haß derSchweden nur als „Handwerksleute verkleidet" halten.Im Juli kam zum Kriegselend noch eine Viehseuche,welche dem Kloster 150 Stück Klostervieh hinraffte. ImJahre 1634 blieb das Kloster fast keine Woche ohneschwedische Einquartierung, welche den Konvent vollstän-dig ausfraß.
Und da auchden Unter-thanen im's'
Dorf und inder Umgeb-ung alles ge-raubt öderesruinirt war,dieselbenweder säennoch erntenkonnten, be-lagerten sietäglich dieKlosterpforte,um Mmosenflehend. DerJammer wargrenzenlos.
EinGlückwares, bei allerUeberlast dertäglichenQuartiere,daß im März,
April, Maiund Juni ds.
Jahres derschwedische
OberstWrangel (der nachmal.Feldherr) ab und zu inElchingenwohnte. Er war dem Kloster und seinem Abte ziemlichfreundlich gesinnt, wenn er nicht gerade besoffen war,was freilich sehr häufig vorkam.
Das Kriegselend erreichte in Ellingen und Um-gebung den höchsten Grad, als im August 1634 dieHeere Gustav Horn's und Bernhard's von Weimar inder Gegend von Elchingen sich vereinigten und ihre wil-den Horden das arme Volk nicht nur vollends aus-plünderten, sondern es auszumorden begannen.Der entsetzliche „Schwedenirunk" war jetzt an der Tages-ordnung. Selbst eine „Ulmer Chronik" gesteht, daß dieschwedischen Soldaten die Leute dermaßen mit demSchwedenirunk plagten, daß manchem der Tod liebergewesen wäre. Die meisten starben daran. „Man hat,"so schreibt jene Chronik, „die armen Leut in Hölzernund Wäldern nackend an die Bäum' gebunden und teuf-
lischen Muthwillen an ihnen verübt und andere Un-thaten mehr gethan, welches vor keuschen Ohren nicht zuschreiben ist."
Am 18. August Abends, als man eben die Winter-frucht gut eingeheimst hatte, überfielen die WeinmarischenMordbrenner das Kloster. Sie schlugen die Thore einund begannen die allgemeine Plünderung. Alle Pferdeund alles Vieh wurde weggenommen. „Die ganzeNacht," so erzählt^. Botzenhard, „war ein erschrecklichesHämmern, Heulen und Jammern. Abt und Conventversammelten sich in der Abtei und machten einen Fuß-fall vor den Plünderern, um Gnade zu erlangen, aberje mehr sie baten, desto grimmiger wurden die Horden.
„Dem Prälaten schnitten sie das rechte Ohr ab undversetzten ihm mehrere Stiche und 5 wuchtige Streichemit Beil, Wehr und Prügel, bis er endlich den k. Botzen-hard ersuchte, den Soldaten ein Gewölbe zu zeigen, und
dann er-schöpft vonBlutverlustohnmächtighinsank. ?.Botzenhardzeigte nun denSoldaten inder,Custerestein Gewölbe,wo sie sofortzu graben undzu suchen be-gannen. Alssie nichts fan-den, schlugensie den ?.Botzenhard,wie er selbsterzählt, halbtodt, undwollten ihnendlich in diegemachteGrube werfenund lebendigbegraben.Zwei Sol-daten dachtenmenschlicher
und verhinderten das Vorhaben."
Alle Truhen, Kisten und Kasten in der Kirche undin der Abtei waren zerschlagen und ausgeraubt, dasCiborium war sammt den hl. Hostien abhanden gekommen,7 Kelche, silberne Löffel und Messer, alles was Silbernur ähnlich sah, war weggenommen, so daß man amMorgen nicht mehr um 3 Kreuzer Silberwerthim Klosterfin-den konnte. Alle Bühnen- und Fruchtkammern waren ge-leert, in der Küche alles verdorben, im Keller aller Wein„ausgelassen," dermaßen, daß man im Keller „im Weinbis über die Knoten gewaten."
Am 10. August früh 9 Uhr kam ein Wachtmeisterund blies Alarm. Nun brachen die Soldaten auf undverließen das Kloster. Kaum waren sie fort, „ist wiederalles schwarz hereinkommen" und haben mit sich ge-nommen, was ihnen beliebte. Als auch dieser Truppfort war, kamen bei 1000 Marodeurs haufenweis
S
Kirche in Vber-Elchingcn.
-MW