Ausgabe 
(4.2.1896) 10
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herein und nahmen Quaiiicr im Convent und in derKirche.

Am^6. September hörte man in Elchingen einer-schreckliches Schießen," (Schlacht bei Nördlingen !) Nachtskamgehling das Geschrei": es solle alles fliehen, daeine große Zahl der aus der Schlacht entronnenen Sol-daten im Anzug sei. Der Konvent floh über die Donau-brücke nach Leibt in das Haus des Martin Spegelin,Bruders des Prälaten und dann nach Ulm . Hier ver-weigerte der protestantische Rath den Mönchen Einlaßund Aufnahme, was sie wenig verdroß, weil die Stadtmit Flüchtlingen überfüllt war. Sie kehrten hungrtg-nach Leibi in ihr altes Quartier zurück und stillten aufdem Wege mit Erbsen und Wicken auf dem Felde denHunger. Am 10. September kehrten alle wieder in'sKloster zurück. Aber schon nach zwei Tagen kam vonGünzburg die Aufforderung, der ganze Convent mögenach Günzburg kommen, da die ganze Macht des römi-schen Königs Ferdinand die Donau herauf gegen Elchingen ziehe. Am 13. September packten die Mönche ihrenkleinen Plunder auf ein Schiffte" und fuhren nachGünzburg , wo auchdasSchiffte" nochausgeplündert wurde.

Während des Vorbei-marsches der kaiser-lichen Haupt-Armeeblieben sie in Günz-burg . Am 16. Scpt.kehrten vier wiedernach Elchingen zurück.

Der Abt und die üb-rigen kamen 8 Tagespäter.

^Schweden ».Kaiser-liche waren in's Würt-tembergische gezogen,dafür chicanirte undbrandschatzte aber nundie schwedische Besatz-ung in Ulm unterOberst V.Schlammers-dorf das Kloster mo-natelang. Im Oktober kamen auch noch kaiserlicheTruppen undschlugen sich mit der Ulmer Besatzung herum, um Ulm zurUebergabe zu zwingen, so daß das Kloster bald von denUlmern, bald von den Kaiserlichen bedrängt und ge-brandschatzt wurde.

Als sei es des Jammers noch nicht genug, brachim November auch noch die Pest aus.Ein erschreck-licher Hunger und Sterbend grassirt in dieser Gegendherum," jammert Botzenhard.

Der Hunger wüthete entsetzlich in der Gegend.Ein Mann kaufte um 5 Batzen eine Roßhaut, hängtesie wochenlang auf und schnittpartikelweis" Streifenab, kochte sie und sie wieKuttlen."

Am Pfingstfest den 27. Mai gab es im Klosternichts mehr zu essen, als Sauerkraut, dürre Hutzeln undarmes Haberbier." Fleisch war nicht zu bekommen,und auch kein Gemüse, da fast den ganzen Mai mehrWinter- als Sommerwetter herrschte. Schädliche Reifenzerstörten die Obstblüthen, und bis zum 9. Juni mußtentäglich alle Oefen geheizt werden. Am 3. Juni kamder Propst von Wettenhausen abermals in's Kloster und

bettelte um Sauerkraut und dürre Hutzeln, was ihmnach Vermögen gereicht wurde. Den 17. Juni über-fielen kaiserliche Reiter das Kloster und plünderten esvollständig aus. In einer halben Stunde war alles,auch was andere Leute in's Kloster geflüchtet und wasmit Mühe und Gefahr durch den Winter gebracht wurde Roß, Kühe, Hühner, Schweine rc. rc. verschwunden.Die Mönche versteckten sich in allen Winkeln, der Abtaber wurde von den Soldaten hinter dem Apostelaltarergriffen und rein ausgeplündert.

In den Tagen vom 7. bis 23. Juli raffte diePest im Kloster 3 Conventualen dahin, so daß nur mehr7 Mönche im Kloster waren. Aller Gottesdienst wareingestellt, nur die hl. Messe las man noch. Endlichkapitulirte Ulm Anfang August, und das Kriegsvolkminderte sich und damit auch das Elend.

Der Herbst war erträglich; man konnte wieder etwasaufaihmen und das wenige Getreide, soweit es die Sol-daten nicht im Sommer abgemäht oder verdorben hatten,einbringen, was freilich im November von durchziehendenkaiserlichen Truppen wieder theilweise geraubt wurde.

Das Jahr 1636brachte eine Brand-schatzung um die an-dere. Dazu kam imMai noch große Dürreund Ende des Mo-nats verderblicherNeif es hatte 8 Wochenlang nicht mehr ge-regnet, somit blühtenoch ein vollständigesMißjahr. Die Hun-gersnoth wuchs. Alsim Juni den Sol-daten ein Pferd cre-pirte, fielen die weni-gen Leute im Dorfüber das Aas her,zerschnitten und koch-ten es und aßen esmit großem Heiß-hunger.

Da der Abt den Kaiser in Donauwörth persönlichangefleht hatte, wurde das Kloster in der zweiten Hälftedes Jahres 1636 erheblich erleichtert. Auch das Jahr1637 war für Elchingen offenbar leidlich, da Botzenhardnur wenig aufzeichnete. Im Februar 1638 kamen Jso-lani's Croaten und hausten gewohnheitsmäßig so übel,daß Botzenhard schreibt,wenn sie nicht bald abziehen,so müssen wir und die Bauern stamppen," d. h. laufen.

Am 19. bis 22. März 1639 huldigten die Unter-thanen des Neichsstifts dem neuen Abt Johann. Eswaren in der ganzen Herrschaft noch 400,für dieseZeit noch viel." Vor dem Krieg waren es 5000.Wie schrecklich haben Pest , Hunger und Krieg aufgeräumt l

Das Jahr 1640 verlief ziemlich ruhig. Man hieltim Kloster am 30. Septemberziemlich stattliche Kirch-weih" und konnte sogar Gäste von Ulm und Günzburg einladen.

In den folgenden Jahren 1641 bis 1643 gab eswieder viel Quartier. Im Jahre 1643 allein mußtedas Kloster 8830 fl. Contribution zahlen. In denletzten Jahren des Krieges 1644 bis 1648 litt das

pfarrhof in Gder-Elchtngen

--MUHE'

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