76
Kloster unter fortwährenden Durchmärschen und war amEnde des Krieges vollständig erschöpft und verschuldet,daß es Waldstetten mit Häufelsburg und Oxenbrunn,Balmertshofen und Rammingen , also fast ein Drittheilseines Herrschaftsgebietes verkaufen mußte, um die drängend-sten Gläubiger zu befriedigen. In der nun folgendenFriedenszeit erholte sich das Kloster allmählich, brachtees aber nie^mehr zum Wohlstände mancher anderen Reichs-stifte, so daß die Zahl der Conventualen die Zahl 25niemals überstieg. Schwere Drangsale brachten diefranzösischen Kriege am Ende des 18. und Anfang des19. Jahrhunderts über Kloster und Flecken, namentlichder 14. Okt. 1805 —die Schlacht von Elchingen ,in welcher Napoleon I. hier die österreichische Armee desGenerals Mack vollständig schlug und 3 Tage später zurKapitulation zwang. Napoleon uahm sein Hauptquartierim Kloster bis zum 21. Oktober, an welchem Tage eraufbrach.
Zwei Jahre zuvor hatte die letzte Stunde des Reichs-sttftes Elchingen geschlagen. Es wurde 1803 aufgehoben,Abt Robert II. und seine Conventualen pensionirt undElchingen und sein Gebiet dem neugebildeten bayerischen Landgerichte Elchingen einverleibt. Nach? Jahren wurde je-doch das Landgericht Elchingen aufgehoben und die DörferElchingen , Thalfingen, Fahlheim, Straß und Nerstngendem Landgerichte Günzburg zugetheilt und die Orte aufder Alb an Württemberg abgetreten.
Noch lange krönte das herrliche Klostergebäude denschönen Berg und verkündete weithin des Reichsstifts alteHerrlichkeit.
Am 25. Juli 1840 stürzte ein Theil der ehemaligenKlostergebäude zusammen und da auch die als Pfarr-Wohnung benützten Prälaturgebäude sich als baufälligerwiesen, so wurde das Kloster zum Abbruch verkauftund über die Ruinen im Jahre 1845 ein neuer Pfarr-hof erbaut, welcher durch seine Bauart, sowie durch seineherrliche Lage einen Vergleich mit den schönsten Pfarr-höfen der Diöccse aushält. Die Kirche, welche nach demletzten Klosterbrande 1774 erbaut wurde, blieb erhaltenals ein Denkmal früherer Zeit und gibt Zeugniß vondem frommen Eifer der Mönche für Gottes Ehre. Gegen-wärtig wird sie auf Staatskosten restaurierend versprichtnach ihrer Vollendung ein herrliches Gotteshaus zuwerden, welches die frommen Wallfahrer, die zur schmerz-haften Muttergottes herangezogen kommen, in die weihe-vollste Stimmung zu versetzen vermag.
Außer der Kirche haben sich von den Klosterbau-lichkeiten nur mehr erhalten dasBräuhaus, ein beliebterAusflugspunkt der Ulmer, und das Wohnhaus desLehrers mit einem zierlichen Thürmchen. Dasselbe bil-dete die ehemalige Thorkapelle zu Ehren des hl. Martinus.Alle anderen Gebäude auf dem Klosterberge stammen ausspäterer Zeit.
-—-
Zu unseren Bildern
Der seit einer langen Reihe von Jahren an der Spitze dersüdafrikanischen Republik Transvaal stehende Präsident Krügerist, wie seine sofortige Niederwerfung der von den Uitlandersunter Anführung des Engländers Dr. Jameson versuchten, auf-rührerischen Bewegung gezeigt hat, ein Mann von großer, staats-männischer Umsicht und thatkräftiger Entschlossenheit. In seinempersönlichen Auftreten trägt „Onkel Paul", wie er von denBoeren allgemein genannt wird, eine an Nachlässigkeit grenzendeEinfachheit und eine gewinnende Freundlichkeit zur Schau, und
erfreut sich darum auch im ganzen Lande einer überaus großenPopularität, die jetzt, nachdem er solch rascher Hand den eng-lischen Eroberungsplan vereitelt, wenn möglich noch höher ge-stiegen ist. Dank der verständigen Regierung des autokratischen,aber patriotischen und Land und Leute genau kennenden Prä-sidenten Krüger hat sich die südafrikanische Republik innerhalbder letzten 10 Jahre von einem friedlich dahinlebenden Acker-baustaat zu einem in raschestem Aufblühen begriffenen Cultur-staat emporgeschwungen. Aus allen Theilen der bewohnten Erdeströmt es heute nacv Transvaal, Menschen und Güter allerNationen im Wettbewerb um die Segnungen des Goldstromes,den die ergiebige Erde nun schon seit 10 Jahren unersctöpflichausgießt über ganz Südafrika und alle anderen Welttheile. Inkurzer Zeit hat sich das Land mit Eisenbahnen von Ost nachWest, von Süd nach Nord durchzogen, Telegraphenlinien durch-kreuzen es in allen Richtungen. Täglich entladen an allenStationen endlose Züge die rasch Herbeieilenden, die noch vondem Segen, ehe es zu spät ist, etwas erhäschen wollen; dieGüterzüge aus drei Hauptrichtungen, von Westen, Süden undOsten, können den Bedarf an Materialien, Maschinen, Bau-stoffen, Lebensbedürfnissen nicht heranschleppen. Wie kräftig ge-sund der Kern der alten Bevölkerung, wie urstaatsmännisch dieBegabung des ungelehrten, aber genialen Präsidenten PaulKrüger ist , ergibt schon die einfache Thatsache, daß diese großematerielle Umwälzung sich ohne Störung in den politischen Ein-richtungen vollziehen konnte, bis vor etwa zwei Jahren eineplanmäßig angelegte Beunrubigung von außen in das Landgetragen wurde, die jetzt durch das erfolgreiche Eingreifen desPräsidenten voraussichtlich auf längere Zeit unterdrückt ist.
Professor I»r. W. Königen.
Wir bringen heute das Porträt des berühmten Mannes,dessen aufsehenerregende Entdeckung wir in einem vorhergehen-den Artikel (vgl. Nr. 9 des Unterhaltungsblattes 1896) bereits ein-gehend besprochen haben. Professor Röntgen ist von GeburtHolländer. Seine wissenschaftliche Ausbildung aber erhielt eran Hochschulen des deutschen Sprachgebietes. 1870 veröffent-lichte er noch vor seiner Promotion von dem physikalischen La-boratorium der Universität Zürich aus eine Untersuchung „überdie Bestimmung des Verhältnisses der spezifischen Wärmen derLuft". Die Arheit entstand auf die Anregung Aug. Kundts, dervornehmlich Röntgens physikalische Studien geleitet hat. AlsKundt 1870 vpn Zürich nach Würzburg ging, folgte ihm Röntgendorthin, und später, als Kundt den Lchrstuhl der Physik ander neu gegründeten Universität Straßburg übernahm, wurdeauch dort Röntgen, der zuvor zum Doctor promovirt hatte,sein Assistent. In Straßburg begann Röntgen als Privatdozentsür Experimentalphysik und physikalische Chemie 1873 seineLehrthäiigkeit. Zwei Jahre später wurde er als ordentlicherProfessor für Mathematik und Physik an die landwirthschaft-liche Akademie zu Hoheuheim in Württemberg berufen. Aberschon 1876 kehrte er nach L-traßburg zurück, wo er eine außer-ordentliche Professur übernahm. 1879 wurde er ordentlicherProfessor und Director des physikalischen Instituts in Gießen.Seit 1888 wirkt er in gleicher Eigenschaft als Nachfolger Fr.Kohlrauschs, des jetzigen Directors der physikalisch-technischenReichsanstalt, an der Universität Würzburg. — Unser zweitesBild zeigt eine Damenhand, die nach dem bereits ausführlichbeschriebenen Verfahren mit Hilfe der Röntgen'schen X-Strahlenphotograpbirt wurde. Die für die X-Strahlen undurchdring-lichen Knochen und der Ring erscheinen auf der Photographieals dunkle Schattenbilder, während die Fleischtheile durch hellereSchatten angedeutet sind. Das Bild gibt bereits einen Begriffdavon, von welch weittragender Bedeutung für die ärztlicheWissenschaft die noch in ihrem Anfangsstadium stehende Ent-deckung dereinst werden kann.
Krgänzimgsrälsisel.
. . r g . . ck . .. ch . . t, d . . . . t . . ch g . .,D.. .e.g. ..f j..e. Sch . . t . . . ch;
. e . n . . r . . f E . . e . B. s . . . h . .,
T . . g s . . n . S . . a . e . . t s . ch.
(B . . e . s . . d .)
Auflösung des Scherzräthscls in Nr. 9:
Erdreich.
-EZS--