Herr Hofphotograph Höfle von hier, der bekanntlichkeine Mühe und keine Opfer scheute, die bedeutendstenKunstschätze der Augsburger Gemäldegallerie, sowie desGermanischen Museums in Nürnberg durch prächtig ge-lungene Photographieen dem kunstliebenden Publikum zu-gänglich zu machen, hat auch dieses Bild in ganz vor-züglicher Weise wiedergegeben.
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Vor fünfundzwanzig Zähren.
Von Friedrich Koch-Breuberg.
(Fortsetzung statt Schluß.)
Es ist nur zu natürlich, daß die beiderseitigen Pa-trouillen zusammenstießen, sich herumschössen, daß resultat-lose Alarmirungen und dergleichen vorkamen. Die meistenkleinen Zusammenstöße gab es anfangs in dem wetnkeller-reichen Clamart, das zuerst unbesetzt geblieben war. Daswar ein Krieg für sich um Weinflaschen. Später war derOrt in den Kreis der Vorposten bezogen worden, undals am 7. Januar 1871 Oberst v. Treuberg sein Quartierm der Mairie nahm, fand er noch die ganze Bibliothek,wie auch in der Kirche die Paramente vor. Um dergleichenhatte sich Niemand gestritten, aber sämmtliche Weinkellerund Speisekammern waren leer und verwüstet.
Schon am 30. September 1870 machten die Parisereinen Ausfall in der Richtung Chevilly. Es ist erwähnt,daß das preußische VI. Corps rechts von den Bayern stand, also hatten diese Truppen die Vordringenden auf-zuhalten. Bei l'Hay stand aber unter Oberlieutenantv. Baur-Breitenfeld vom 5. Regiment ein Piket, in dessenSchußbereich der französische rechte Flügel gerieth. VorAllem ließ der umsichtige Offizier zwei feindliche Feld-Geschütze beschießen und zwang sie zum Abfahren, wo-durch den Preußen ein guter Dienst geleistet wurde.
Der erste wirkliche Ausfall gegen die Bayern fandam 13. Oktober statt und hatte den Zweck, die Geheim-nisse des Plateaus von CHLtillon zu erforschen. Der„Ganlois" schrieb: »Ostis stautsur ävvait: norm äirssou ssorab." Die am 19. September verlorene Höhereizte die Neugierde der Pariser sehr und trotz Luft-ballons, trotz elektrischer Beleuchtung vermochten sie esnicht, Einsicht zu gewinnen. Also versuchte man es mitGewalt.
Auf Vorposten stand das 15. Regiment mit seinen3 Bataillons, und zwei Compagnien des 14. Regimentshatten die Bayernschanze besetzt. Bei der Division Bothmer befanden sich das 3. Bataillon des Regiments „König"in CHLlillon, das 5. Jäger-Bataillon in Bagneux, das3. Bataillon des 5. Regiments auf Neplis in Fontenayund das 9. Regiment in Bourg la Reine.
Gegen 8 Uhr meldeten die Vorposten der DivisionBothmer, daß sich am rechten Biövre-Ufer hinter den Ver-schanzungen Truppen ansammelten. Die hierauf entsendetenPatrouillen brachten auch Nachricht über stärkere Abtheil-ungen bei Maison Ptchon. Schon nach einer Stunde be-gann der Tanz, indem die gegenüberliegenden Forts unsereDeckungen mit Granaten überschütteten und auch theil-weise zerstörten. Gegen Bagneux und Chatillon traten aberzwei Feld-Batterien auf. Am Bahndamm an der Straßenach Orlsans hatten sich französische Infanteristen einge-nistet, führten mit unseren Vortruppen ein Feuergefechtund wurden darin von den Geschützen der Judenschanzeunterstützt. Gegen Bagneux gingen aber drei Bataillone
direct vor, während ein viertes den Ort von Südostenher anzugreifen suchte. Rückwärts bei La Grange Oryentwickelte sich zugleich das 35. Regiment der BrigadeMariouse.
Als die Franzosen vorzurücken begannen, warennatürlich die Unterstützungstruppen der Division in dieVertheidigungslinie geeilt. Unterdessen war auch der linkeFlügel der Division von Abtheilungen der Brigade Sus-bielle angegriffen worden. Zwei Marsch-Bataillone miteiner Jäger-Compagnie in der Mitte hatten sich Chütillongenähert und Besitz von den nördlich vor dem Dorfeliegenden Häusern genommen. Das 3. Bataillon des Re-giments „König", welches den Nordrand des Dorfes be-setzt hielt, wurde sohin in ein lebhaftes Vertheidtgnngs-gefecht verwickelt. Eine Compagnie Fünfer eilte herbeiund unterstützte das Bataillon. Das war der Beginn desAusfalls am rechten Flügel.
Drüben vor der Division Walther waren zwei Ba-taillone des 13. Marsch-Regiments nach Clamart gerücktund suchten von hier aus den nördlichen Hang desPlateau's zu gewinnen. Obwohl die Forts Jssy, Vanvesund Montrouge den Angriff durch einen Hagel von Gra-naten unterstützten, gelang es nur, sich vor der Stellungder Fünfzehner einzunisten. Zwei Bataillone dieses Re-giments hielten die Höhe besetzt, und hatte HauptmannSigl mit seiner Compagnie, welche einen Jägergraben ander Nordostecke zu vertheidigen hatte, drei Angriffe desFeindes zurückgewiesen. Das 3. Bataillon hatte Oberstv. Treuberg an den Verhau in das Bois de Meudonentsendet. Später verstärkten weitere Bataillone des 7.Regiments die wichtige Stellung am Plateau, auf welchemsich dann auch das Gros der 6. Brigade und die Ulaneneinfanden. Gleich beim Anrücken der Franzosen war dieBatterie Weigand durch den Major Celsus Girl vomGeneralstab in der Weise an den Höhenrand dirigirt wor-den, daß ihre getrennt auftretenden Züge hauptsächlichgegen die anstürmende Infanterie wirken konnte. Der 1.Zug veranlaßte auch eine feindliche Batterie zum Ab-fahren und ein Bataillon zur Umkehr.
In Bagneux waren die Franzosen unterdessen bisin's Innere des Ortes vorgedrungen. Nur mühsam konntensich hier die Bayern behaupten, und als um 11 Uhr das35. Regiment ebenfalls in den Kampf eingriff, mußtensie das Dorf verlassen. Es hatte jedoch ein Bataillonunseres 14. Regiments eine Aufnahmestellung zu beidenSeiten der Straße nach Fontenay genommen, nach welchersich die Zurückgehenden wendeten. Mit weiters einge-troffener Hilfe vom 10. Jäger-Bataillon gelang es hier,dem Feinde Halt zu gebieten, der sich jedoch gleich inBagneux, hinter welchem noch die Brigaden Dumoulinund Charriere auftauchten, zur Vertheidigung einrichtete.
Auch in CHLttllon waren die Bayern zurückgeworfenworden. Bei der Kirche hatte Oberst v. Mühlbaur diezersprengten Abtheilungen gesammelt und behauptete sich,bis Unterstützungen eintrafen. Dann entbrannte der Kampfvon Neuem, und mit großer Bravour eroberten die Bayern das Verlorene zurück.
Man hatte unterdessen auch Anstalten zur Wieder-bssetzung von Bagneux getroffen. So hatte Generalv. Bothmer um l'/z Uhr ein Bataillon des 5. Regimentsan den Bahnhof von Sceaux entsendet, das im Vereinmit dem 2. Bataillon von Südosten her den Ort an-greifen sollte. Während einige Compagnien sich längs desBahndammes vorarbeiteten und die Brigade Charriöre