Ausgabe 
(7.2.1896) 11
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kommen des Goldes im Transvaal selbst weiter als vierJahrzehnte zurückreicht. Die Regierung der Boers er-ließ sogar in den Fünfziger-Jahren ein Verbot derEoldschürfung, aus Furcht, die übergroße Einwanderungkönne die Unabhängigkeit gefährden. Obwohl die Furchtvor dem Fluch des Goldes heute, allerdings in andererGestalt, sich als begründet zu zeigen erscheint, waren diespäteren Regierungen anderer Ansicht, und als derOesterreicher Karl Manch 1867 am Limpopo - und amTatiflusse im Matabcleland reiche Goldlager entdeckte,bildete sich in London die erste Minenkompagnie fürSüdafrika. Die Unternehmung scheiterte, aber nun schlugPräsident Pretorius eine andere Politik ein, setzte Be-lohnungen für die Entdeckung von Goldlagern aus undjetzt mehrten sich die Funde und damit begann auch dasschon so oft beobachtete Zusammenströmen von Ein-wanderern. Aber Bergrath Schmeisser hebt das her-vor der typische, einfache, rohe Goldgräber fandkeinen geeigneten Boden. Gesellschaften mit größeremBetriebskapital mußten gebildet werden, um das verhält-nißmäßig arme, fleißigste und kunstvollste Bearbeitungerfordernde Erz nutzbringend zu machen. Nur mit Hilfetüchtiger Techniker konnte Ersprießliches geleistet werdenund erst als diese Einsicht errungen war, begann jenerAufschwung, dank welchem Bocren im Witwatersrand ,deren Farmen früher 7000 bis 15,000 Mark werthwaren, ihren Besitz um 140,000 bis zu 1,400,000 Markverkaufen konnten. Aber die ächten Goldgrübergeschichtenvon Leuten, die den großenNugget" finden, kommenim Transvaal nicht vor. Ein Maschineningenieur hateinmal die Sache demoustrirt.

Er legte zwei Steine auf den Tisch, einen weißenQuarz mit goldfahlem Geflimmer, durchzogen von einemförmlichen Golbbalken mit einem haselnnßgroßcnNugget",einem Klümpchen reinen Goldes daran; daneben einenzweiten, schmutzigen, unansehnlichen Stein, den dieBoerendankst", Kuchen, die Gelehrten Conglomerat nennen.

Der bescheideneKuchen" das ist der wahreReichthum des Landes. Der Goldquarz hat zwar größerenGehalt, aber er ist launenhaft, seine Schichten verschwin-den plötzlich, und die Mine ist erschöpft, man wird anGoldquarzminen entweder Millionär oder geht daran zuGrunde, wenn nicht ein Zufall die verloren gegangeneGoldader bald wieder finden läßt. Die Minen desRand" niit ihren geologisch genau konstatirten Schicht-ungen schließen so unangenehme Ueberraschungen aus;freilich niuß das Erz erst auf alle mögliche Art behan-delt werden, aber dafür ist die Gewißheit eines rentablenFortbestandes des Bergbaues durch Jahrzehnte vorhanden.Bor fünf Jahren, zur Zeit des großenOoorrr", glaubtemau, Transvaal werde die Eoldproduktion der Erdeverdoppeln; die Enttäuschung ist nicht ausgeblieben, aberder südafrikanische Goldbergbau, der heute ganz wissen-schaftlich, mit allen Behelfen der Technik und der Chemiebetrieben wird, hat den Minenkrach, den falsche Vor-stellungen über die Ergiebigkeit der Goldfelder ver-schuldeten, überdauert.

Dank dem steten Bestreben der Minenkompagniennach wirklich wissenschaftlichem Bergbaubetriebe nimmtder Ertrag der Transvaal -Minen von Jahr zu Jahrzu. Es herrscht harte Arbeit auf dem Witwatersrand ,eine Arbeit, welcher physisch nur die Eingeborenen ge-wachsen sind, und thatsächlich beschäftigen die Gesell-schaften ausschließlich Neger zur Förderung des Erzes.

Die Arbeitskraft ist billig und die Ingenieure sind be-strebt, immer neue Verbesserungen einzuführen; vonca. 19 Gulden per Tonne im Jahre 1882 sind dieGewinnungskosten auf ca. 12 Gulden im Jahre 1895gesunken, die Gesammtproduktion hat sich von 230,000Unzen im Jahre 1888 auf 2,024,163 Unzen im Jahre1894 gehoben. Aber der Gewinn ist infolge der stetigabnehmenden Betriebskosten und der technischen Ver-besserungen proceutucll noch stärker gehoben, als dieAusbeute an Gold. Bergrath Schmeisser hat eingehendeBerechnungen über den voraussichtlichen Ertrag der süd-afrikanischen Minen angestellt und gefunden, daßsoweit die jetzigen Kenntnisse vom Vorkommen des Goldesim Transvaal reichen die Erschöpfung der Lager-stätten in Witwatersrand etwa nach Ablauf von 25Jahren stattfinden dürfte; wird aber eine Tiefe von1200 statt 800 Metern erreicht, dann ist goldführendesErz für eine Förderung von 40 Jahren vorhanden.Das Hauptergebnis; aber bleibt, daß die Bergwerke vonzwei Lagerstätten in 10 Jahren bei Erreichung von800 Metern Tiefe für mindestens 4289 Mill. Mark,bei Erreichung von 1200 Meiern für 7187 Mill.Mark Gold liefern werden. Nach Eintritt günstigererProdnktionsbedi'ngungen werben auch die übrigen Gold-felder Transvaals aus längere Zeit hinaus zur Er-höhung der Produktionszifsern beitragen, doch ist nachdieser Richtung hin vorläufig eine Berechnung noch nichtmöglich.

In diesen Ziffern liegt die Bürgschaft der Pro-sperität für Johannesburg , ob es nun unter englischeHerrschaft kommt oder nicht, und es ist begreiflich, daßeine solche Stadt mit allen ihren Lcbeusäußeruugenvornehmlich einem Ziele zustrebt, das für alle Schichtender Bevölkerung das gleiche ist: Gold. Das ist derSaft, dem die Stadt rasches Wachsthum und raschesAltern verdankt.

Schkchttufgade.

Schwarz.

Weiß zieht an und setzt mit dem 2. Zuge matt.

Auflösung des Ergänznngsräthsels in Nr. 10:

Wer glücklich ist, der ist auch gut,

Das zeigt auf jedem Schritt sich;

Denn wer auf Erden Böses thut,

Trägt seine Strafe mit sich. (Bodensiedt.)

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