87
^rL'-. .. ^ ^ - -/ ^ - 7 . '
sich aus der Abweisung nicht viel, und auch ich habemich indessen mit der nicht mehr zu ändernden Thatsache versöhnt. Möget Ihr glücklich sein! Ich gönne Euchdie liebliche Braut!"
Georg hatte mit halb abgewandtem Gesicht zuge-hört. Sein Mtenensptel drückte unverkennbare Verlegen-heit aus. Die boshafte Bemerkung von vorhin that ihmaufrichtig leid. „Nehmt mir meine Unart nicht übel",wandte er sich an Leßlie und bot diesem die Hand; „ichmeinte es nicht so böse, und ..."
„Ich zürne Euch nicht", fiel ihm der Hauptmannin's Wort. „Ihr seid eben ein Schalk! Doch nehmtEuch in Acht! Ihr wißt wohl, Eure Scherze laufennicht immer gut ab I Und noch einmal: seid Eueres Ge-löbnisses eingedenk und saget von dem, was ich Euchanvertraute, zu keinem Menschen, auch nicht zu Magda-lenen, ein Wort!"
Damit wandte er sich ab und verließ das Gemach.Georg blieb in einer seltsamen Stimmung zurück. Erzweifelte an der Richtigkeit des Ver-nommenen nicht, und doch kam ihmalles vor wie ein Traum. Welch'schweres Unrecht hatte er dem ehe-maligen Schloßhauptmann, der nurdem gegebenen Worte gemäß und imguten Glauben an das Recht seinerverstorbenen Herrin gehandelt, mitseiner Verfolgungssucht und seinemArgwohn gethan! Wie hatte er sichin dem Charakter dieses Mannes ge-irrt! Die Erklärung des Hauptmannesbezüglich des Heiraths-Projectes da-gegen war für ihn keine Ueberraschunggewesen; er hatte längst die Ueber-zeugung gewonnen, daß er durch seineeigene Combinationsgabe auf die rich-tige Fährte gelenkt worden war. Beidem Gedanken an die innige Zu-neigung und Opferwilligkeit, welchesich in den Worten Leßlie's gegenseinen Neffen aussprach, wollte fastein Gefühl des Mitleids ihn be-schleichen. Der Wachtmeister Donaldsah nicht danach aus, als ob er tmStande wäre, viel Freude und Glückauf den Weg Derer zu streuen, die ihn liebten undvon denen er Gutes empfing. Noch eine andere pein-liche Empfindung drängte sich, trotz aller Bemühungen,sie zu verscheuchen, stets wieder in Georg's Seele her-vor. Nach der Darstellung Leßlie's mußte der Herzogin der Documentenkiste das Codicill entdeckt haben, durchwelches das erste Testament ungültig gemacht wordenwar. Und doch hatte er, wie allbekannt, gleich sämmt-liche Güter seiner verstorbenen Gemahlin, die bis zudiesem Zeitpunkt unter gerichtlicher Verwaltung gestan-den, in vollen Besitz genommen. Georg konnte unmög-lich glauben, daß Leßlie's Mittheilung auch in dieserHinsicht der Wahrheit entsprach; denn dann hätte Wallen-stein eine große Ungerechtigkeit, ja geradezu ein Ver-brechen begangen, und die Fähigkeit zur Verübung einessolchen traute der junge Mann dem Herzog von Fried-land nicht zu.
Während er noch diesen Gedanken nachhing, ertönteein Signal vom Hofraum herauf, und er eilte hinab.
Heinrich Hansjakod
Auf dem freien, ringsum von hohen Gebäulichkeiten ein-geschlossenen Platz gewahrte er den größten Theil derOffiziere des Terzky'schen Regiments, welches man indem Capucinerkloster einquartiert hatte. Auch Haupt-mann Leßlie befand sich unter denselben und kam aufihn zu. „Gut, daß Ihr kommt", sagte er mit hämi-schem Lachen, „die Komödie beginnt! Heute seht Ihrseine fürstliche Hoheit Ehren und Gnaden austheilen,und morgen wird geköpft und gehängt. Der Herzogweiß in der That, wie man in die Langeweile des Le-bens eine hübsche Abwechselung bringt. Folgt mir anjene Mauer hinüber, wo Ihr die großen Plakate er-blickt; dort könnt Ihr die Namen der Opfer des fürst-lichen Zornes selbst lesen, sie wurden soeben durch öffent-lichen Anschlag zur allgemeinen Kenntniß gebracht." Da-mit wandte er sich nach der bezeichneten Seite, und auchGeorg lenkte seine Schritte dahin.
Leßlie blieb vor dem improvisirten Pranger stehenund las anfangs ohne besonderes Interesse. War ihmdoch, was er durch die entehrendeMaßregel erfuhr, in der Hauptsacheschon vorher bekannt. Auf einmalaber wich alles Blut aus seinem Ge-sicht, die Kniee wankten, und er mußtesich auf den Degen stützen, damit erden Halt nicht verlor. Diese Schwäcke-Anwandlung ging jedoch fast ebenso schnell vorüber, wie sie sich einge-stellt hatte. In jähem Wechsel er-schien das Antlitz des Hauptmannsvon einer unnatürlichen Nöthe ge-färbt. Die Augen sprühten Flammen,die Zähne knirschten, und drohend hielter die geballte Faust gegen die Mauerempor. Dann verließ er, mit einemgräßlichen Fluche sich abwendend, denPlatz.
Georg hatte die ungeheuere Auf-regung Leßlie's, ohne sich dieselbe er-klären zu können, bemerkt. Er tratebenfalls vor das Placat. Da fander das Räthsel nach einem kurzenBlick auf das Schriftstück gelöst: alsLetzter in der Reihe derjenigen, welcheman zum Brandmarken am Galgenbestimmt hatte, war — Fritz Donald genannt.
Bei dieser Entdeckung füblte der junge Mann seinGemüth durch eine Fluth der verschiedenartigsten Ge-danken und Empfindungen in Aufruhr versetzt. ZumAnstellen von wettern Betrachtungen über diesen trauri-gen Zwffchenfall blieb ihm jedoch keine Zeit, da im glei-chen Augenblick ein Trupp Reiter mit dem Herzog vonFriedland an der Spitze im Hofe erschien. Der ge-waltige Mann, dessen Angesicht deutlich die Spuren hef-tiger Aufregung trug, stieg vom Pferde und schritt dieReihen der Offiziere entlang, welche sich in einem weitenHalbkreis aufgestellt halten. Nach einer Weile blieb erstehen und begann mit volltönender Stimme: „DemVerdienste den Lohn! Dem Verrath und der Feigheitdie Strafe! Das ist der Grundsatz, durch welchen ichvon jeher als Feldherr zu meinem Thun und Lassenbestimmt worden bin! Auch heute handele ich wiedernacb ihm. Die letzte Schlacht wurde zwar nickt ver-loren, aber trotzdem wurde in Folge der Pflichtvergessen-