Ausgabe 
(14.2.1896) 13
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mit glänzender Bravour empfangen. Während sich einhartnäckiger Kampf entwickelt hatte, führte Oberst vonTrenberg die Reserven persönlich in die Feuerltnie, undnach einstündtgem Gefecht ließ der Commandant denHaupimann Meindl mit seiner Compagnie die Offensiveergreifen. Mit eingelegtem Bajonnet brachen unsere Fünf-zehner vor und warfen die Franzosen so energisch zurück,daß die ihnen nachgesendeten Patrouillen außer den Todtenauch keinen Mann mehr vorfanden. Dieser letzte Ausfallgegen die Bayern hatte nicht einmal Verluste gebracht,es waren trotz des tollen Schnellfeuers nur 7 Mannleicht verwundet worden.

Und während die deutschen Feuerschlünde Verderbennach Paris sandten, vollzog sich in Versailles in denPrunkgemächern des roi soloil die Proclamation deSKönigs von Preußen zum Deutschen Kaiser. Am 18.Januar hatten sich, nachdem vorher der denkwürdige Briefunseres Königs übergeben worden war, die deutschenFürsten versammelt und hatten den krimus inter xares,unter dessen glorreicher Führung von Sieg zu Sieg ge-schritten worden war, unter unglaublichem Jubel zur An-nahme des Kaisertitels bewogen. So hatten sich die ge-sammten deutschen Stämme geeinigt, um mit vereinterKraft äußere Feinde für alle Zukunft fernzuhalten. Derbrausende Zuruf hallte von den goldstrotzenden Wändenwieder, und die in heißen Schlachten zerfetzten deutschenFahnen senkten sich vor dem pflichtgetreuen königlichenGreis Wilhelm dem Siegreichen!

TagS darauf entspann sich bei Buzenval nochmalsein blutiger Kampf; aber das Bemühen der Pariser , deneisernen Ring zu durchbrechen, scheiterte wieder, und mitungeheuren Verlusten wurden sie zurückgeschleudert. Unsere6. Brigade war zur allensallsigen Verwendung im Ge-fechte nach Versailles beordert worden, von wo sie am21. zurückkehrte.

Jetzt wirkten auch die deutschen Granaten. Im FortJssy waren die Kasernen in Brand geschossen, in denanderen Forts waren Gebäude demolirt worden, und inder Stadt selbst verbreitete sich die Panik. Zu ihr ge-sellten sich aber die Qualen des Hungers und mehr undmehr wuchs bei uns die Hoffnung auf Sieg über diestolze Riesenstadt. Die feindlichen Vorposten benahmensich schon seit einigen Tagen auffallend friedlich. Inunseren Reihen verbreitete sich die Kunde, die Belagerungs-Batterien, welche im Rayon der Württemberger lagen,hätten Befehl erhalten, das Feuer einzustellen. Dannwurde wieder strengste Aufmerksamkeit im Vorpostendienstbefohlen, und unsere Hoffnungen verringerten sich.

So war der 29. Januar angebrochen und am Morgenwar die Weisung eingetroffen, mit der 2. Division beiMont Mcsly, mit der 1. bei Limeil aufzumarschiren. Daskonnte nur Gutes bedeuten, wenn auch die Vorpostenstehen zu bleiben hatten, wenn auch unsere Artillerie mit5 Batterien verstärkt worden war. Endlich nach langemWarten erschien der französische Offizier, der die Räum-ung des Forts Charenton anzuzeigen hatte, und nunrückte Oberstlieutenant v.Maffenbach mit dem 1. Bataillonder Zwölfer zur Besetzung des Bollwerks vor. Ah, daflatterte die deutsche Fahne auf französischem Walle, undin allen Gemüthern jauchzte es auf!

Noch rangen entfernt von Paris andere deutscheTruppen um die volle Siegespalwe, für uns aber warendie Strapazen des großen Krieges zu Ende. Von jetztab gab es nur mehr Interessantes und sogar Amüsantes,

denn an der Demarkationslinie um Paris entwickelte sichein Leben, das selbst den Diensthabenden die Zeit ver-kürzte. Am 26. Februar waren endlich die Friedens-präliminarien unterzeichnet worden, und nun durfte wederrequirirt noch eine Contribution eingeleitet werden. DerFriedensengcl schwebte über den Gefilden, und der rauheKrieger wurde wieder zahm. Die Stadt Paris zahlte jedemLieutenant täglich 15 neugeprägte Francs aus, michärgerte aber das Gesicht der Republik derart, daß ich siealle verspielte.

Große Truppenmassen rückten am 7. März auf demPlateau von Villiers zusammen. Kaiser Wilhelm hielt aufden im November blutgetränkten Gefilden Heerschau überSachsen, Württemberger und Bayern . Der FeldherrKronprinz Albert von Sachsen kommandirte die Parade,und der Kronprinz von Preußen führte das I. Corpsv. d. Tann vor.

Aber noch einmal, als der Frühling über die Landekam, vernahmen wir das Donnern der Geschütze. DieBrüder eines bethörten Volkes zerfleischten sich nun selbst.Die im 19. Jahrhundert so aufgeklärte Menge hatte neueMärtyrer geschaffen, an deren Spitze der arme Erzbischofvon Paris stand. Nun bekriegte Versailles die Pariser ,und das Plateau von Chütillon kam noch einmal zuEhren, nur richteten sich jetzt französische Kanonen gegendie Stadt, in der die entfesselten Elemente der berühmtenFreiheit ihre Orgien feierten. Noch sehe ich die schwarzeRauchsäule, die der moderne Herostratus gegen den Him-mel steigen ließ eine vieltausendköpfige Hydra baraller Ehrfurcht vor Gott und vor der Obrigkeit. So be-nimmt sich die Masse, wenn ihr das Gefühl für Auto-rität abhanden gekommen ist aberzogen wurde!

Wir aber von der Augsburger Division sollten dleHeimath noch lange nicht sehen, da wir, als Alles nachDeutschland zu festlichem Empfange zog, den Occupations-truppen zugetheilt wurden. Nachdem wir dann genauvolle drei Jahre auf französischem Boden verblieben waren,kehrten auch wir in die liebe Heimath zurück. 25 Jahresind seitdem verflossen und mit freudigem, stolzem Gefühlhat man der glorreichen, der strapazenreichen Tage ge-dacht. Heil dir, mein Bayern! Heil dir, Deutschland ! somöchte ich schließen, aber ich kann es nicht, ohne der9842 Gefallenen gleichviel ob Offizier ob Mannin allzeit wacher Erinnerung gedacht zu haben.

--LAS--

Schillers Landesherr im Kloster Oberelchingen.

Von Loren; Werner.

-- ^Nachdruck vrrbs!!».;

Wenn es von dein Unterhaltuugsblatt einer Zeitungüberhaupt ein löbliches Beginnen ist, das Interesse derLeser in Wort und Bild auf heimische Stätten zu lenken,so darf es nicht weniger mit Freude begrüßt werden,wenn allerdings in gedrängter Uebersicht die ganzeVergangenheit einer solchen Stätte uns vor Augen ge-führt wird. In einer der letzten Nummern desUnterhaltungsblattes" nun ist uns eine solche Ausschauin die Geschichte eines denkwürdigen Ortes aus derHeimath verstattet worden. Es ist dies die reichsun-mittelbare Abtei Oberelchingen, welche sich einst stattlichaus einem Donauhügel bei Ulm erhob. Wohl kein Leser,der von der Schilderung Kenntniß nahm, ist glcichgilliggeblieben, als er über die oft grauenvollen Heimsuchungen