Ausgabe 
(14.2.1896) 13
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so gut weg wie dieser; doch besteht die ungünstigeQuälisicatiou mehr in dem, was nicht gesagt wird, alsin positivem Tadel. Nur über Meinrad läßt sichder Tagebnchschrcibcr etwas bestimmter uns:Ist 55Jahr alt, zu Cring gebürtig, ein Schulmeisters Sohn,hat die iutsrioro, zu Miudelheim gestudiert, in welchener ein sehr trefflichen krog'ress gemacht: Stand inAemtern eines Moderators und Professors bei denKnaben, krüsieiis bei der Bruderschaft, Kuchelmeistcrsund Großkellerers .... Hat einige Büchlein von derAufklärung" in Trnck gegeben .... so eines: Frei-mütige Anmerkung zu der FrageWas sind Aufklärer?Von einem steifen Wahrheitsfrcund". Dessen erstesWerk hat viel Beifall gefunden, ist von Bihlen andernaber auch gescholten worden; überhaupts hat Hr. Aulhoreine bissige Schreibart: wie dies werk angesehen werde,wird die Zeit lehren. Hr. Author hat sehr Vihl Erudi-tion, aber nit Bihl D-Doch fügt der Archivarins

und Prior mit wohlthuender Milde bei:ssounäumlneuLU iuäioium, guock et ipsum kallilnlo est."

Das Muster eines Benediktiners aber scheint demVerfasser des Tagebuchs 1'. Jnlianus Edelmann gewesenzu sein.Gebühren 1758 zu unter Elching als Sohneines wohlbemittclteu, gar frommen Bauers, hat k. Julianseine Studien hier und zu Dillingen mit Vihlein Lobabsolviert; ist dermahlen Pfarrer zu Thalfingcn, einMann ohne alle Passion und Leidenschaft zu unser größtenVerwunderung. Ganz allein in Gott und das Geistlichevertieft, sucht er Alle zum Himmel anzutreiben; er gibtganz sonderliche Beispihle der Frömmigkeith und Abtödtnng,die ihm nit so bald einer nachmachen wird. Beym Gebetimmer der Erste. Er beleidigt kein Thürleiu; ich glaubeschwehrlich, daß er einen floh todten könnte. Er liebtAlle und wird auch von allen geliebt; er mischet sich ingar nichts Zeitlichs, ist ihm Alles recht. So kene ichihn von Jugend auf, noch als Kuab von 10 Jahr

immer sich gleich fromm und heilig. Wahrlich,wenn Elching dismahl keinen Heiligen bekommt, sowird es spät werden, etwas Dergleichen mehr zu er-halten."

Außer den geistlichen Herren bestand derStaat" Elchingen in seinen Herrschern und Bemmen aus 1 Ober-Amtmann, einem Nechtsconsulenten, 2 Pflegern, 1 Oootormeclioiuas und für das Kontingent zur Ncichsarmee

aus 1 Lieutenant, einem Herrn Philipp von Stotzaus Augsburg. Von Letzterem merkt der Chronist u. A.an:Er weiß einen Diskurs fortzuführen; doch hat erals Soldat noch nit Vihl Pulver geschmeckt." Ueber diewissenschaftlichen Vorzüge des Hausarztes, des bereitsoben erwähnten Dr. Heunenhofer, schweigt er sich aus;dessen ganze Charakteristik lautet:Herkules Henncn-hofer, ein Lutheraner von Ulm, ist unser oräiuariuoArzt und Doktor; er ist auch Hofrat zu Baden-Baden. Ein guter Mann, etwa 60 Jahre alt, der die Krankenfleißig besucht :c. rc." Weiter nichts. Nchnlich heißt esvom Herrn Oöcramtmann:Michael Hummel, 70 Jahrealt, ist ein sehr guter Mann, nur gar zu gut und rechtfromm und christlich; ist zuvor lange Zeit Pfleger inStoffeuricd gewest und wegen seinem aufrichtigen Lebens-wandel (sio!) zur Oberamtmann-Stelle promoviert wor-den." Demgemäß berichtet der Prior a. a. O., wo esvon Polizei und Justiz handelt:Unser Obcramtmannist zu gut, und sonst nimmt sich niemand um die Sachan. Im Kloster freilich wird kein Exceß ungestraft ge-lassen." Uebrigcns fügt er bei dieser Gelegenheit die

lobende Bemerkung über den Gesammtzustand desOberelchingcuschen Gemeinwesens au:Wegen der Trak-ticrnng der Gastfreundschaft, so gewiß kostbar ist, itwmwegen litterarischer Kultur, auch wegen der Musik undroxularum ollsorvautia ist unser Kloster in gutem Rufund macht sich Ehre."

Pünktlich und gewissenhaft, wie der Verfasser desTagebuches ist, unterläßt er es nicht, auch von sichselbst zu sprechen, aber bloß der Vollständigkeit halber.Von seinen Verdiensten und Kenntnissen schweigt er, under beschränkt sich auf die Angabe der nothwendigen Per-sonalien. Die Charakteristik, welche wir wohl wieder-geben müssen, und die den Schluß der Qualifikationenbilden soll, hat den Wortlaut:1?. Veuediktus Baader,Prior, ein Mann von (damals) 36 Jahren, gebührenzu Nottenburg am Neckar bei Tübingen, ein Lebzeltners-sohn, studierte theils in Nottenburg, theils in Elching,versähe das Amt eines Katecheten, Pfarrers in Icwo,Präsidis bei der 7 Schmcrzen-Brnderschast, ki-okosoorisiukorioruiu (an der Lat inschule) und i?rot6L8oris tlroo-loFiao, dermahlen eines Priors. Ist auch Musikantund schlagt die Orgel; auch besorgt pro ckioeiplinasoouL6rva.kiou6, immer occupiert, ist dermahlen auch^.riollivariuo u. s. w." Gerade die bescheidene Form,in welcher diese Angaben erscheinen, ist charakteristischfür die Person des Schreibenden, den wir in seinemganzen Werke als einen schlichten und verständigen Mannkennen lernen-

(Schluß folgt.)

--S-LWL?«-"-

B§uezml6 mrLer der Familie Wrlsrr?)

Von Professor Dr. Arthur Kleiuschmidt (Heidelberg).

Die weit ausgreifenden Ansprüche Großbritanniens hinsichtlich seiner Grenze mit Venezuela lenken gegenwärtigwieder die öffentliche Aufmerksamkeit auf dies goldreichsungeheure Land. Keine Episode seiner bewegten Geschichtehat aber das dauernde Interesse wie die, von der ich er-zählen will.

ColumbuS hatte 1498 das Festland von Südamerika entdeckt, Alonzo de Hojeda, Juan de la Cosa und AmerigoVespucci entdeckten im folgenden Jahre die Küste Vene-zuelas vom Efsequibo-Fluß bis zum Vorgebirge de laVela, und sofort machte sich die spanische Krone daran,dies neue Gebiet in ihrer Weise zu kolonisiren, die Ein-geborenen gegen die Sklavenräuber zu schützen und finan-zielle Erfolge zu erbeuten, während durch die Welt Ge-rüchte liefen, man habe ein Wunderland, ein Arsenaldes Goldes und der Juwelen, ein zweites Colchis, L1Ooraäo gefunden. Auch die Weiser in Augsburg hörten davon.

Venedig hatte aufgehört, der Hauptmarkt für der,indischen Handel zu sein; mit der Entdeckung Amerikas und des Seewegs nach Indien war Lissabon an seineStelle eingerückt, und die findigen deutschen Kaufherren,zumal die Augsburger, Nürnberger und Ulmer, nahmenseitdem den Weg über Lissabon und bctheiligten sich beiden indischen Ladungen portugiesischer Schiffe. Die Weiserhatten Faktoreien in Lyon, Genf, Bern, Freiburg, Ant-werpen, Venedig, Mailand, Genua und Nom, wie inLissabon, Sevilla, auf Madeira usw., Plantagen auf den

V Wir entnehmen diesen interessanten Aufsatz demFeuilleton derFranks. Zeitung". D. Ned.