Ausgabe 
(14.2.1896) 13
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kanarischen Inseln, sie beherrschten Mit den Jmhof denganzen Safranhandel und von Bari in Apnlien aus denLevantehandel. Anton Weiser gründete mit feinem Schwageraus Memmingen, Konrad Voehlin, das WeltgeschäftAnton Weiser, Konrad Voehlin und Gesell-schaft"; sie und andere Handelsgesellschafter erwirktenbei König Manuel dem Glücklichen, unter dem Portugal sein goldenes Zeitalter durchlebte, vortheilhafte Handels-bedingungen, direkten Bezug von Spezereien, Brasilien-holz usw. Mit Voehlin, Fugger, Gossembrot,Hvchstetter und Im Hof aus Augsburg und Hirsch-vogel aus Nürnberg rüstete Weiser drei große Schiffefür 66,000 Dukaten, um den ersten portugiesischen Vice-könig, Don Francisco D'Almeida, im März 1605 nachIndien zu begleiten; die Schiffe kehrten mit reicher Lad-ung an Spezereien, Perlen und Baumwolle nach Lissa-bon zurück, doch machte nun Manuel den Deutschen dieWaaren streitig; Lukas Rem , der thatkräftige Agent derWeiser, mußte lange für disHandelsgesellschaftProzeß führen,indeß verglich man sich schließlich und als die Waarenin Antwerpen verkauft wurden, ergab sich für die Gesell-schafter ein Reingewinn, der zwischen 150 und 175 pCt.variirtc. Nein bctheiligte sich 1506 an der Expedition desTristan da Cunha nach Indien, brachte große Vorräthenach Portugal zurück, und Manuel fixirte den Preis, zudem die Waaren verkauft werden mußten. Alle Nörgeleiund Prellerei der portugiesischen Regierung verleidete denDeutschen den Handel nicht, zugleich aber wendeten sieihre Blicke auf das spanische Indien. Die Weiser ver-schafften sich in Madrid die Berechtigung,auf eigeneKosten und Abenteuer, wann und so oft sie wollten, alswären sie Spanier, aus Spanien nach dem neuen Indienfahren zu dürfen", und Gleichstellung mit den SpaniernimJndtcnhause" zu Sevilla ; sie warendie erstenDeutschen, die Jndia suchten". Kaiser Karl V. stand ebenzu oft im Schuldbuche der Weiser, um ihnen etwas ab-schlagen zu können, ihr Guthaben betrug Millionen. Sokam 1526 ihr Faktor Ambrosius Ehinger nach SanioDomingo auf der Insel Espanola (Sän Domingo), demHauptorte von Spanisch-Jndien. verbreitete hier alleKultur-und Lebensbedürfnisse, d'e er aus Europa bezog, undschickte reichen Gewinn a.: seine Auftraggeber in Augs-burg. Er richtete ihr Auge auf die Caraiben -Küste undaufKleiu-Venedig" oder Venezuela ; wie tausendAndere glaubte er, einen zweiten Ozean, der mit demalten irgendwo in Verbindung stehen würde, und dortReichthümer in Unzahl finden zu müssen. Es war einSchritt weiter auf der Bahn der Weiser, wenn sie nun,wie bereits mancher Spanier, Land und Leute in derunermeßlichen spanischen Wildniß als eigene Kolonie zuNutz und Lehen erlangten; die Krone trug natürlichkeinerlei Antheil an dem Risiko, das sie auf sich nahmen,sie allein hatten alle Mittel zu bestreiken. Die neuenForschungen von Konrad Hübler haben ergeben, daßvor der Erwerbung Venezuela's durch die Weiser dieFamilie Ehiuger in Besitz desselben getreten ist; viel-leicht hatte sich auch zu diesem Behufe eine Handelsge-sellschaftBartholomäus Weiser, Ulrich Ehinger und Mit-verwandte" gebildet. Die Konkurrenz eines reichen Zucker-rohr-Pflanzers von Espanola , Juan de Ampies, wurdedurch kluges Vorgehen in Sevilla und Madrid aus demFelde geschlagen, mit dem Gouverneur von Santa Marta,Earcia de Lerma, ein beiden Theilen günstiger Vertragabgeschlossen, und nun übertrug Karl V. am 27. März

1528 Lurch Vertrag die zu begründende StatthalterschaftVenezuela Hieronymus Sailcr und Heinr. Ehinger,Welser'schen Agenten, für Zeit ihres Lebens; das Gebieterstreckte sich von dem Cabo de la Dela bis zum Cabode Maracapana und von Nord nach Süd von einemOzean zum andern.

Neben Heinrich Ehinger aus Konstanz , der Zweifel-los längere Zeit in Welser 'schen Diensten gestanden unddie Welser'schen Geschäfte in Spanien besorgt hatte, undSailer wurden Ehingers Brüder Ambrosius und Georgmitbelehnt, der Name Weiser wird gar nicht genannt.Lehensherr war der Kaiser, nicht der König von Spanien (Kastilien), wie Hermann Schumacher in seiner aus-gezeichneten Arbeit über die Welser-Episode hervorhebt;hingegen sollten Rang und Titel deS Statthalters dieeines kastilischen ^.äolantaäo sein, und die kastilischeKrone hatte ihm ein Gehalt von 200,000 MaravediZ zubezahlen. Die Belehnten hatten selbst den Eeneralkapitänund den obersten Gerichtsvogt, zu deren Gehalt diekastilische Krone je 100,000 MaravediZ beisteuerte, unddie Kommandanten der drei Festungen zu ernennen,welche sie nebst zwei Ortschaften binnen zwei Jahren nachder Ankunft anlegen mußten. Die Belehnten sollten mitvier mit Proviant auf 1 Jahr versehenen Schiffen undmit 400 Mann die Fahrt nach Venezuela unternehmen,50 deutsche Bergknappen anwerben und für Ab-senkung derselben nach den verschiedenen spanischen Ge-bieten über der See sorgen (zwei andere Ehinger, HanSund Ulrich, warben alsbald eine große Zahl Bergleuteim Erzgebirge au, schafften sie nach Sevilla , und Welser-sche Agenten beförderten sie in die neue Welt, wobei dieHandelsgesellschaftBartholomäus Weiser, Ulrich Ehingersammt anderen Milverwandten" betheiligi war; viele vondiesen Bergleuten fanden drüben nur Enttäuschung, kehrtenerbittert heim und prozessirten nun gegen die Werber;die Akten dieses Prozesses liegen in Dresden , wo Häblersie benutzte).

Die bürgerliche und militärische Leitung der Pro-vinz, die Ausübung aller Hoheitsrechte, stand nur Hch.Ehinger und Sailer zu; konnten sie nicht selbst nach Ve-nezuela gehen, so sollten Ambrosius und Georg Ehingerdiese Gewalt ausüben; der Regent der Provinz mußteaus der Reihe der Vier gewählt werden, und wiederumhatten die Werfer weder Vorschlags- noch Bestätigungs-recht. Ehinger und Sailer legten hierauf ganz besonderenWerth, ließen sich ihre ausschließlichen Rechte vom Kaiseram 4. April 1528 und am 8. October 1529 bestätigenund betonten sie in verschiedenen Aktenstücken; von Weisererwähnen sie nichts. Im Vertrage vom März 1528wurde Ehinger und Sailer die zollfreie Ein- und AnS-fuhr von Lebensrnitteln zugestanden, vorausgesetzt daß siekeinen Handel damit trieben; sie erhielten in den Maga-zinen des Jndienhauses zu Sevilla Raum für ihre Ein-fuhrartikel und am Reinerträge, den die Krone habenwürde, 4 pCt.; von den östlichen Antillen durften siePferde, Rinder usw. holen; vom eroberten Lande durftensie sich 12 Qnadratmeilcn zu freiem Eigenthum aussuchen.Von ihren Leuten sollte jeder vier Jahre nach der An-kunft zwei große Bauplätze zu privatem Eigenthum em-pfangen, in den drei ersten Jahren nur den Goldzehnten,erst im neunten den Goldfünften zahlen, acht Jahre langvon der Abgabe auf Lebensrnittel und auf immer vonder auf Salz befreit sein; die königlichen Beamten durftenaber nach verheimlichten Schützen bei ihnen suchen und