Ausgabe 
(18.2.1896) 14
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all dieser Offiziere kein Zweifel besteht. Es sind lauter ^Scheinmanöver, mit denen der Herzog nicht nur denWiener Hof, sondern, wie ich fast fürchte, auch noch andere /Leute zu täuschen versucht."

Damit brach das laute Gespräch ab. Georg ver- ^nahm nur noch unverständliche Laute und dann ver-hallende Schritte.

Georg war im höchsten Grade bestürzt. Nun lagja der Schlüssel zu all den Räthseln in seiner Hand:der Herzog von Friedland ein Verräther an seinem Kai-ser und Herrn!

Aus den Bemerkungen des zuletzt Sprechenden hatteder Hauptmann den französischen Sendling erkannt. Daß ^Richelieu unablässig darauf hinarbeitete. Zank und Haderzu schüren, um nach Erschöpfung der Streiter ohne großeMühe die Beute einzusacken, hatte Deutschland oft genug

Dann aber trug sein Vertrauen zu dem Pflichtbewußt-sein des geliebten Wohlthäters den Sieg über alle Be-denken und Zweifel davon.Nein", rief sein treuesHerz,nimmermehr! Der Herzog ist kein Verräther!Als ob man nicht wüßte, was es heißt, wenn der Königvon Frankreich Deutschland den Frieden, der Christen-heit die Einheit und der Welt die Freiheit verspricht!Für seine ränkevollen Anschläge möchte er das Glückund die Macht des großen Feldherrn benützen; aberdazu gibt sich der Herzog von Friedland nicht her. Erbraucht vielleicht ungewöhnliche Mittel für seinen Zweck:aber die Bahn zu großen Zielen führt ja oft über Ab-gründe weg. Mögen Wallenstein's Bestrebungen Uebel-wollendcn oder Verzagten verdächtig erscheinen ichbleibe fest!"

Er stand auf und begab sich in der Erwartung,

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Thtnestsche Mädchenschule. Nach einer Photographie.

zu seinem Schaden erfahren. Und Wallenstein , den erals den Schutzgeist des Kaisers betrachtet, sollte zurUnterstützung eines solch' ruchlosen Spiels fähig sein?Der Franzose hatte den andern Graf und dieser denHerzog Vetter genannt. Es war ohne Zweifel GrafKinsky, der Schwager Terzky's, des Gemahls der Schwe-ster der zweiten Frau Wallenstein's. Mit Kinsky hattejedoch der Herzog anscheinend niemals auf dem bestenFuße gelebt. Woher sollte dieser Mann Geheimnissekennen, die jener, wenn sie je bestanden, ganz gewißvor jedem unzuverlässigen Ohr auf's strengste verbarg?Aber der unerwartete Waffenstillstand, der freundschaft-liche Verkehr friedländischer Offiziere im feindlichen Lager,seine eigene geheimnißvolle Sendung? schien nicht alleseine Bestätigung dessen zu sein, was er soeben gehörthatte?

Quälende Gedanken durchwagten Georg's Gemüth.

die Herren zu treffen, in die Wirthschafisräume hinab.Er täuschte sich nicht. Graf Kinsky war ihm persönlichbekannt, und den Namen des Franzosen erfuhr er durchden Wirth. Es war der französische Gesandte Marquisvon Feuquieres. Die Beiden unterhielten sich lebhaftmit einem Dritten in dem Zimmer, das an die Gast-stube stieß. Georg beobachtete sie. Was sie sprachen,hörte er nicht. Da wandte der Letztere, welcher ihmden Rücken zukehrte, den Kopf. Vor Ueberraschung fuhrder Hauptmann von seinem Stuhle empor: der Mann,welcher mit den hohen Herren so zwanglos verkehrte, warLeferrter, der Akrobat.

(Fortsetzung folgt.)