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und auch die Urkunden lassen uns nicht tief in diej Ver-gangenheit des Ortes blicken. Der Umstand, daß derPfarrer des nahen Pfarrdorfes Bähungen von den Pfarr-Aeckern von Jllerberg den Zehnt bezog und dieses nie-mals ein Widdumgut hatte, möchte uns fast glaubenlassen, daß Jllerberg in alter Zeit eine Filiale vonVöhringen war, das schon im Jahre 1239 ein bedeu-tender Ort gewesen zu sein scheint. (Baumann, Geschichtedes Allgäu, S. 595.)
Jllerberg war seit dem frühesten Mittelalter eineZugehörde der Grafschaft Wullenstetten, die auch dasPatronatrecht besaß.
Der erste Pfarrer von Jllerberg, der uns urkund-lich begegnet, ist Heinrich Töpfer. Wie das noch vor-handene Saalbuch von Jllerberg besagt, hat PfarrerTöpfer i. I. 1463 in einem alten Meßbuchs alles Ein-kommen der Kirche an liegenden Gütern, Ewigzinsen,Gilten rc. rc. aufgezeichnet und beschrieben. Da aberdurch den Namenwechsel der Inhaber dieser Güter dieseBeschreibung unklar und mangelhaft geworden war, ließam 26. Juli 1550 der Pfarrer Joh. Gering von Jller-berg den kais.
Notar Balth.
Honold kom-men, der nunauf Grund derGüterbeschreib-ung jenes altenMeßbuches mitdem PfarrerGering und denHeiltgenpfle-gern MattheusSchmidt ^undHansWennklineine neue Be-schreibung alles„Heiltgen-Ein-kommens" auf-zeichnete. Soentstand dasJllerbergerSaalbuch vomJahre 1550.
Unter demselben Pfarrer Töpfer, welcher die Kirchen-Einkünfte im Jahre 1463 beschrieben hatte, wurde auch17 Jahre später das Saalbuch der Grafschaft Kirchbergim Jahre 1480 angefertigt, von dem ein Auszug vor-handen ist. Es ist angefertigt von dem Vogt des Her-zogs Georg von Bayern in Kirchberg, Georg Wester-na cher, wie er sich selbst in der Einleitung bezeichnet.Es ist darin bereits das Fcühmeßbenefizium von Jller-berg mit seinen Giltbezügen von 9 guten Höfen undSölden in Grafertshofen erwähnt. Es erhellt daraus,daß die Grafschaft Kirchberg-Wullenstetten schon im Jahre1480 in bayerischen Händen war, nicht erst uvno 1503,wie mehrere Chronisten glauben.
Jllerberg war somit schon im Jahre 1480 bayerisch;da aber die Grafschaften Kirchberg und Weißenhorn nachHerzog Georgs Tod an den Kaiser zurückfielen, ver-pfändete dieser im Jahre 1507 die Grafschaften an dieFugger. So kam Jllerberg an die nachmaligen Grafenv. Fugger, die heute noch das Patronatrecht besitzen.
Zur Zeit des Bauernkrieges im Jahre 1525 war
Michael Hold „Vicarius" in Jllerberg. Als Ulm pro-testantisch wurde, ging er dorthin, wurde lutherisch undnahm ein Weib, wie der Chronist Thomann von Weißen-horn erzählt. Derselbe berichtet, daß im Jahre 1530den 25. März eine große Feuersbrunst 17 Häuser inJllerberg in Asche legte.
Hold's Nachfolger, Pfarrer Johann Gering, welcherdas Saalbuch anfertigen ließ, lebte noch im Jahre 1558.Die ununterbrochene Reihe der ihm folgenden Pfarrerläßt sich erst vom Jahre 1589 feststellen, in welcherOktavian Fugger den Johann Frei präscntirte. Er warDechant und versah die Pfarrei bis zum Jahre 1632.Nach seiner Beschreibung der Einkünfte vom Jahre 1623bezog der Pfarrer den ganzen Groß- und Kleinzehntvon Jllerberg und der Filiale Emershofen, von allenGärten Heugilt, auch einigen Zehnt zu Hirbishofen betPfaffenhofen. Die Lasten waren aber auch nicht gering.Er mußte der Herrschaft jährlich 130 st., dem Ordinariat20 st. 20 kr. Canon und außer der Kirchweih noch 4Mahlzeiten für 10 Personen veranstalten und an derFastnacht allen Pfarrweibern Kücheln, „was das Haus
vermag", gebenund den Pfarr-hof baulichunterhalten.
Als DecanFrei3.nno1632rcsignirte, prä-sentste GrafHans ErnstFugger seinenNamensvetterI. Frei, dergleichfalls alsPfarrer undDecan durchden ganzenSchwedenkriegbis zum Jahre1649 der Pfar-reivorstand u.noch Vöhringen pastorirte. Erstarb am 15.November 1648. Ihm folgten Georg Würz (1649bis 1660), Lor. Bader (1660—1680), .Andr. Winkler(1680—1711). Pfarrer Winkler begann im Jahre 1690den Neubau der dem hl. Martin geweihten Pfarrkirche,welche im Jahre 1692 vollendet wurde. Er ließ in derneuen Kirche, die nicht mehr auf dem alten Grunde er-baut wurde, für sich und seine Nachfolger eine Grab-stätte errichten.
Winkler's Nachfolger, Carl Böller, war von 1711bis 1762, also 51 Jahre lang, Pfarrer von Jllerberg,konnte daher hier sein 60jähriges Pfarrjubtläum feiern.Als er am 21. Dezember 1762 starb, präsentirte GrafJoh. Nep. Fugger den Frhrn. Casimir v. Hornstein(1763—1773) und nach dessen Tod am 4. August1773 den Pfarrer von Buch Frz. Jgn. v. Ktrcher aufdie Pfarrei. Die fette Zehntpfründe fand sogar nochvornehmere adelige Liebhaber. Graf Johann NepomukFugger präsentirte nach dem Tode des Pfarrers Frhrn.von Hornstein den 14. Dez. 1773 seinen Sohn PhilippNerius auf die erledigte Pfarrei Jllerberg. Die Sache
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Jllerberg.
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