Ausgabe 
(18.2.1896) 14
Seite
108
 
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scheint aber beim Ordinariateinen Haken gehabt zuhaben". Der Graf präsentirte darum 3 Wochen später,am 5. Januar 1774, auch den Pfarrer Franz Jgnazv. Kircher, aber nur als Vikar seines Sohnes. Er be-merkte in der Präsentationsurkunde ausdrücklich, daß ernur aus besonderer Devotion gegen Se. ChurfürstlicheDurchlaucht" (Clem. Wenceslaus) gestatte, daß Herr vonKircher alle Einkünfte der Pfarrei beziehe; daß er aberalle Rechte seines Sohnes auf die Pfarrei vorbehaltenmüsse.

Pfarrer v. Kircher starb schon nach zwei Jahren,und der Graf Joh. N. Fugger präsentirte am 28. Aug.1776 den Pfarrer von Buch, Christoph von und zuZwergern, auf die Pfarrei. Pfarrer v. Zwergern bauteim Jahre 1782 den dermaligen Pfarrhof, der 4573 fl.26 kr. und 4 Hl. kostete.

Nachdem geistl. Rath und Decan v. Zwergern 47Jahre die Pfarrei Jllerberg verwaltet hatte, starb er den26. Juli 1830. Ihm folgten im Pfarramt GregorGeiger (18301838), Gabriel Barthlme, bischöfl. geistl.Rath und Decan (18381872), Matthäus Raffler(1872), Georg Wanger (1891).

Bei der Pfarrei besteht ein wahrscheinlich schon vonden Graifen v. Ktrchberg-Wullenstetten gestiftetes Früh-meßbenefiztum, dessen Haus im Jahre 1763 um 1566 fl.neu erbaut wurde. Wie wir oben bemerkt haben, er-wähnte schon das Saalbuch des Herzogs Georg vonBayern vom Jahre 1460 dieses Frühmeßbenefizium, dasim vorigen Jahrhundert mit der Pfarrei Jllerzell unirtwurde.

Zur Pfarrei Jllerberg gehören die Filialen Thal(eigentlich der untere Theil des Pfarrdorfes Jllerberg)und das Dorf Emershofen, wo seit neuerer Zeit einKurat- und Schulbenefizium errichtet wurde. Emers-hofen gehörte im Mittelalter dem Ritter Burkhart vonEllerbach, welcher im Jahre 1366 dem Hans Ehingervon Ulm 1 Hof und 4 Sölden in Emershofen verkaufte.Mit den Güten dieser 5 Güter stifteten Hans undWilhelm Ehinger im Jahre 1410 ein Meßbenefizium imPrediger-Kloster zu Ulm . Der Inhaber dieses Bene-fiziums hatte alle ziemlich starken Güten jener 5 Hof-güter zu beziehen, mußte aber jedes Jahr am Weih-nachtstag jedem Armen im Ulmer Spitalein neuesKübelin kaufen" und zu Ehren der hl. 3 Könige in jedesKübelin eine halbe MaßNeggerwein" thunnichtvom Besten, aber auch nicht vom Oergisten, sondernalso, daß er bei der mitlen weyß bleiben soll", wie esin der Stiftungsurkunde heißt.

Als die Ehinger protestantisch wurden und ihreeigene Meßstiftung eingezogen wurde, wurden im Jahre1617 die 5 Güthöfe und Sölden in Emershofen an dieHerren v. Vöhlin in Jllertifsen verkauft.

Die Pfarrei Jllerberg zählt heute ohne Emers-hofen circa 800 Seelen und ist dem Bezirksamt Neu-Ulm zugetheilt.

-SÄMLS---

Zu unseren BildernChinesische Mädchenschule.

Es gibt kaum ein anderes Land, wo besser als in Chinafür den ersten Unterricht der Kinder, selbst der aus den ärmstenund niedrigsten Familien, gesorgt wäre. Daher kommt es auch,daß die Prozentzahl derer, die etwas lesen, schreiben und rech-nen können, daselbst sehr groß ist; doch ist die gewaltige An-zahl der Schriftzeichen für jeden Begriff ist ein besonderes

Zeichen vorhanden ein Hinderniß, und es giebt schwerlicheinen, der sie alle innehat. Das Ünterrichtswesen ist in derWeise ausgebildet, daß jede Provinz einen von dem Gouverneurderselben unabhängigen Generalstudienrektor besitzt, unter dessenRessort alle Lehranstalten der betreffenden Provinz mit ihremLehrer- und Sclmlerpersonal gehören. Dieser Lehranstalten hatjede- Bezirks- oder Kreisstadt mindestens eine. Außer denStaatsschulen befinden sich allenthalben, selbst in kleinstenFlecken und Dörfern, entweder von den Gemeinden unter-haltene Volksschulen, oder es wird durch Privatlehrer Elemen-tarunterricht ertheilt. Ueber das Altherkömmliche freilich er-streckt sick der Unterricht kaum. Nach dem Elementarunterrichtgehen diejenigen, welche nach einer höheren Geistesbildung undspäteren Anstellung im Staatsdienste streben, in die Jeder-mann ohne Unterschied des Ranges und Reichthums zugäng-lichen öffentlichen Lehranstalten über. Anspruch auf Staatsdiensterlangt man durch das Bestehen zweier Prüfungen, die in derProvinz am Orte der Lehranstalt abgehalten werden. Einerdritten Hauptprüfung, die alle 3 Jahre einmal in Peking ab-gehalten wird, unterziehen sich jene Studirenden, welche dieWürde eines Tsinschi odervorgerückten Gelehrten", in derBedeutung etwa dem Doktortitel der abendländischen Universi-täten entsprechend, erwerben wollen. Enthalten die Prüfungs-höfe in den Provinzen mehrere tausend schmale Hütten, indenen die Prüflinge mehrere Tage und Nächte eingesperrt lebenmüssen, so ist das mit der höchsten Stufe des Uan-lin oderPinselwald" anders, da die betreffende Prüfung in der kaiser-lichen Hofburg stattfindet. Obwohl die Inhaber dieser Würdetheilweise im Uan-Iin-jüon (der Akademie) Verwendung finden,so sind sie doch auch anderwärts in hohen Aemtern anzutreffen.Den höheren und mittleren Schulen widmet sich in China nurdie männliche Jugend; für Mädchen läßt man den Besuch derElementarschule genügen, in welcher übrigens die Trennungder Geschlechter streng durchgeführt ist. Für Mädchen der vor-nehmeren Stände hat man besondere Privatschulen, wie wireine solche auf unserem Bilde vor uns sehen. Die Kinder,deren Füßchen in hölzernen, das Wachsthum verhinderndenFutteralen stecken ein unnatürlich kleiner Fuß gilt als dieschönste Zierde der chinesischen Frau sitzen an getrenntenPulten auf hohen Rohrstühlen ohne Lehne, den Rücken derbeaufsichtigenden Lehrerin zugewandt. Zum Schreiben bedientman sich, wie im Leben, so auch in der Schule, des Tusch-pinsels, mit-welchem die Schriftzüge nicht in Wagerechten, son-dern in senkrechten Reihen auf das Papier gemalt werden.

Gänjeltelel als Modell.

Ein fremder Herr kam durch das Turf gegangen, und alser der Gänseliesel begegnete, die mit ihren schnatternden Schütz-lingen gerade auf die große Gemeindewiese hinausziehen wollte,da nahm er die Kleine mit dem sonnverbrannten, entschlossenenGesichtchen, den schwarzen Ringellocken und den schelmischenGluthaugen bei der Hand und fragte gar freundlich, ob sienicht ein halbes Stündlein für ihn übrig habe, damit er sie insein Skizzenbuch einzeichnen könne. Die Gänseliesel verstandnicht recht, was der Herr damit meinte, auch wollte sie ihreSchützlinge, die bereits gackernd die Hälse reckten und die Köpfeverdrehten, auch mit den gelben Schnäbeln an der Hose desFremden herumzupften, nicht gerne allein lassen. Als aber derfreundliche Herr eine große Dute voll Zuckerbonbons in Aus-sicht stellte, da überwog der zu erwartende Genuß alle anderenBedenken, sie vertraute ihre stattliche Gänseheerde prcvisorischder Obhut ihres Schulkameraden, des kleinen Michel, an, dermit dem Finger im Munde neugierig in der Nähe stand, undführte den Herrn Maler nach dem Hause ihrer Großeltern,denn Eltern hatte die Gänseliesel nicht mehr. Dort mußte siesich an die Bank stellen und ganz still stehen bleiben, währendder fremde Herr mit Bleistift und Pinsel in dem großen Buchherumarbeitete, das er auf den Knieen hielt, und nur ab undzu scharf nach ihr herüber schaute. Der gute Großvater uuddie liebe Großmutter hatten ihre helle Freude an dem hübschenBildchen, das unter der geschickten Hand des Malers entstandund dessen vortreffliche Nachbildung wir heute unseren Lesernvorzuführen in der Lage find. Die Liefet aber bekam ihre ver-sprochene große Düte voll Zuckerkram, und sie war großmüthiggenug, auch ihre Kameraden davon kosten zu lassen, obwohldieselben während derSitzung" außen am Fenster gestandenund sie ausgelacht hatten.