Ausgabe 
(21.2.1896) 15
Seite
109
 
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Arger

M 15.

Areitag» den 21. Februar

1896.

Kür die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg .

Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas Ä Grabherr in Augsburg (Vorbesitzcr vr. Max Huttler ).

FastettzeLt.

Sh. v. E. m, so.

Kennst Du den höchsten Schmuck im Christenleben?Er glänzet in der Seele tiefem Grund,

Nicht jedem Erdenkind ward er gegebenUnd auf dem Markte wird er selten kund;Entsagung heißt das herrlichste GeschmeideAn unserm schwer erkauften Tugendkleide,

Ritzt auch sein Dorn die Seele todeswund.

Wo ein Gemüt mit stillem Leid entsagetUnd aufwärts das bcthränte Auge hebt.

In seinem Grame nur den Nächten klaget.

Beim hellen Lichte froh mit Frohen lebt.

Da steigt ein Seraph oft vom Himmel niederUnd bringet den verlor'nen Frieden wieder.

Daß es in heiligen Schauern weint und bebt.

Auf solchem Pfade siehst Du Jesus wallen,

Er war der Königsweg in's obere LandFür alle, die jetzt in den ewigen HallenDie Krone nehmen aus des Heilands Hand.

Als unser Herr gen Golgatha geschritten,

Und tausendfaches Wehe ihn durchschnitten,

Dem Reich des Vaters er am nächsten stand.

Der Weltling mag verzweifelnd in sich wütenUnd hadern mit des Schicksals strenger Macht,

Als Deine Sonnen leise Dir verglühten.

Starbst Du entsagend und bist neu erwacht;

Die Frucht entkeimt nur dem durchfurchten Boden,Wirft erst die Welt uns hin zu ihren Todten,Grünt uns der Himmelspalmen schön're Pracht.

Adolph Müller .

--ss^cs---

Die Astrologen.

Historischer Neman aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges.Von Max Bcnno.

(Fortsetzung.)

10 .

Am folgenden Morgen ritt Georg mit Sonnenauf-gang von Reichenberg weg. Der Himmel hatte sich überNacht vollständig geklärt und ein frischer Ostwind den

aufsteigenden Nebel verscheucht. Der junge Mann fühltesich, sobald er das Lager und die Stadt hinter sich hattewie von einem drückenden Banne befreit.

Der Weisung Arnim's entsprechend beschleunigte erseinen Ritt. Am zweiten Tage schon hatte er Lissa er-reicht. Stadt und Umgebung wimmelten von friedlän-dischen Truppen, meist Reitern Piccolomini's. Der ein-brechenden Dunkelheit ungeachtet beschloß Georg, nichtin dem Durcheinander des Lagers zu bleiben, sondernnach einem der zwischen Lissa und Prag liegenden Dör-fer zu reiten, auf die Gefahr hin, daß er dort einemehr als bescheidene Herberge fand. Eine halbe stündevor Lissa war er auf eine Gruppe piccolominischer Reitergestoßen, unter denen sich auch der Lieutenant MartinKametsch befand. Georg wunderte sich, daß dieser ihmso schnell vorausgeeilt war, dachte aber nicht mehr weiterdaran. Als der ehemalige Freund aber in Lissa selbstzuerst auf der Straße und dann in seinem Absteigquar-tier in Begleitung mehrerer anderer Offiziere abermalsvor ihm auftauchte, schöpfte er Verdacht. Sollte Ma-rion's Warnung doch nicht ohne Grund sein? Da FritzDonald und mit diesem Martin ohne Zweifel in Le-ferrier's Bude verkehrten, so erschien es gar nicht unmög-lich, daß irgend ein schlimmer Anschlag der Beiden vondem Mädchen entdeckt worden war. So schnell als mög-lich verließ er deshalb die Stadt.

Das Pferd schien die Ungeduld des Reiters zutheilen. Wie ein Vogel flog es dahin, laut klang derdumpfe Hufschlag durch die stille Nacht. Nach einerWeile kam es Georg vor, als treffe ein Echo desselbenaus der Ferne sein Ohr. Er hielt sein Pferd an, umzu lauschen, und hörte jetzt deutlich den Galopp heran-sprengender Pferde. In seinem Geiste wurde es miteinem Schlag licht: Marion hatte es nur zu gut ge-meint; sein Geheimniß war verrathen, er wurde verfolgt.Noch verzagte er nicht, denn sein Brauner war einRenner, mit dem es nicht leicht ein anderer aufnahm.Ich habe mich mit meiner Ehre verbürgt", murmelteer;ich halte mein Wort und hinge mein Leben daran."Er spornte das Pferd, und eS flog weiter wie eineWindsbraut.

Eine halbe Stunde lang dauerte die tolle Jagd.Georg hatte anfangs einen bedeutenden Vorsprung ge-wonnen, so daß er von seinen Verfolgern nichts mehrvernahm. Allein sein braves Thier begann allmälig zuermatten. Die Verfolger kamen näher und näher, schon