Ausgabe 
(21.2.1896) 15
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ein Stürm im Wasserglase, der nach den ersten glück-lichen Schlägen verrauscht. Das Glück ist der Zauber-stab, unter dessen wunderthätiger Berührung das Urtheilder Menschen sich bewegt! Sie werden bald bekehrtsein. Sie werden, wie immer, das stolze Gebäude an-staunen, den Ruhm des kühnen Baumeisters preisen,und über der Größe des Erfolges vergessen, mit welchenMitteln er erreicht worden ist."

Durch den Eintritt Seni's wurde Wallenstein inseinen Betrachtungen gestört. Der Astrolog theilte mit,daß soeben eine Anzahl neuer, nach der Anweisung desHerzogs gefertigter astronomischer Instrumente von dembeauftragten Techniker überbracht worden sei. DieserNachricht gegenüber trat in dem.Gemüthe des Feldherrnalles andere in den Hintergrund. Er verließ sofort dasZimmer und eilte dem Meister voraus nach dem wieüberall so auch hier eingerichteten Observatorium.

Wochen und Monate gingen vorüber. Die Waffenruhten allenthalben, und die Truppen hatten ihre Win-terquartiere bezogen. Georg Selkow war von Wallen-stein noch zweimal mit Depeschen in das Lager Arnim'sgeschickt worden. Die Bude Leferrier's fand er beiseinen späteren Besuchen nicht mehr. Die vom Herzogganz im Geheimen wegen der Vorfälle bei Lissa ange-stellte Untersuchung verlief vollständig ohne Ergebniß.Niemand wollte etwas davon wissen, und ein LieutenantDonald existirte in der Armeeliste gar nicht. Dagegengewannen die Gerüchte über Wallenstein's hochverräte-rische Umtriebe eine immer bedrohlichere Färbung. DerWiener Hof war in ernstlicher Besorgniß, obgleich derHerzog einen Bericht dahin gesandt hatte des Inhalts:demnächst werde die so sehnlich gewünschte Eintracht mitdem Kurfürsten von Sachsen wiederhergestellt und da-durch der Weg zum Frieden für ganz Deutschland , sowiezur Vertreibung der Schweden gebahnt sein. Die be-züglichen Unterhandlungen hätten bereits so guten Fort-gang genommen, daß man an dem glücklichen Abschlüssegar nicht mehr zweifeln dürfe.

Angeblich um hierbei mitzuwirken, schickte der Kaiserzwei seiner Räthe in's Wallenstein'sche Lager. Der Herzognahm die Herren auf's zuvorkommendste auf und be-wirthete sie fürstlich, gestattete ihnen aber keinen Einblickin die Unterhandlungen, so daß sie unverrichteter Dingewieder abziehen mußten. Eines aber hatten sie erreicht:sie sahen und hörten Vieles, was dem Argwohn gegenWallenstein neue Nahrung verlieh. Der Herzog, welcherdurch seine gut bezahlten Agenten über die in Wien gegen ihn herrschende Stimmung immer auf dem Lau-fenden war, erfuhr es bald. Er begriff, daß etwas ge-schehen müsse, wenn er nicht Gefahr laufen wollte, daßman ihn vor der geeigneten Zeit zum offenen Hervor-treten mit seinen Plänen zwang. Sobald die Witterunges erlaubte, verließ er fein Winterquartier und drangsurch die Lausitz gegen Sachsen vor, so daß Arnim trotzder immer noch schwebenden Verhandlungen glaubte, derHerzog wolle durch Waffengewalt erzwingen, was der-selbe bis jetzt auf dem Wege der Vereinbarung vergeb-lich angestrebt hatte. Er trennte sich von den Schweden und eilte nach Sachsen, um die Heimath zu schützen.Wallenstein aber hatte nicht ihm, sondern den Schweden eine Lection zugedacht. Ehe man sich'S versah, kehrteer nach Schlesien zurück, überfiel die Schweden beiSteinau und nahm das ganze Corps nebst dem Führergefangen. Statt jedoch letztem, den alten Grafen Thnrn,

der durch den Sturz der böhmischen Statthalter Martinktzund Slowata aus dem Fenster des Präger Schlossesden ersten Anstoß zu dem unselige» Kriege gegeben, nachWien zu schicken, gab er ihm nach wenigen Tagen schondie Freiheit und brachte den ernstlichen Vorstellungendes Kaisers gegenüber als Entschuldigung vor, daß die-ser sinnlose Mann an der Spitze schwedischer Truppendem Kaiser einen viel besseren Dienst leiste als imKerker.

Das vollständige Unterlassen jeder Entschuldigunghätte ihm ohne Zweifel weniger geschadet, als diese Aus-flucht.Den Schweden ", argumentirte man,sindWallenstein's verrätherische Pläne bekannt. Der Fried-länder fürchtet, der Gefangene könnte in Wien Geständ-nisse machen, und um dies zu verhindern, ließ er ihnfrei."

Ueberhaupt lieferte Wallenstein nachgerade nicht nurseinen Widersachern zu ihren Anklagen reichlichen Stoff,sondern ließ sich Handlungen zu Schulden kommen, inFolge deren er allmälig auch anderswo den Nimbuseines kaiserlichen Paladins wie den Ruf eines Beschützersder katholischen Sache verlor. Die Stadt Negensburgschwebte in Folge des Herannahens Bernhard's vonWeimar tn großer Gefahr. Kurfürst Maximilian be-schwor den Friedländer, ihm schleunigst Hilfe zu schicken;dieser aber gab die wie Hohn klingende Aeußerung ab:es sei dem Herzog mit seinen Angriffen nicht ernst, undnahm, ohne im Geringsten um den Kurfürsten sich zukümmern, sein Hauptquartier in Pilsen . Selbst die be-stimmtesten Befehle des Kaisers, die verlangte Unter-stützung zu gewähren, beachtete er nicht. So kam es,daß nicht nur Regensburg siel, sondern Bernhard vonWeimar an der Donau festen Fuß fassen konnte undmit seinen Schaaren über ganz Bayern sich ergoß.

Ueber diese unerhörte Rücksichtslosigkeit war Maxi-milian im höchsten Grade aufgebracht. Er ließ demKaiser eine Zusammenstellung aller Beschwerden gegenden Ober-Feldherrn überreichen. Ferdinand nahm dieAnklageschrift entgegen, kam aber zu keinem Entschluß.Da wurde er von Wallenstein's Unterhandlungen mitFrankreich und Schweden durch den Herzog vou Savoyenoffiziell in Kenntniß gesetzt. Das war die Entscheidung.

(Fortsetzung folgt.)

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Venezuela unter der Familie Welser .

Von Professor Dr. Arthur Kleinfchmidt (Heidelberg ).

(Schluß.)

Karl V. verfügte 6.Aug. 1534 dieAnszahlung aller vonder Staatskasse an Ambrostns noch schuldigen Emo-lumente an seinen Nachfolger Jedermann. Da abertrafen im Herbst 1534 zwei Abgeordnete aus Venezuela ,Luis Gonzalez de Leiva, einst des Ambrostns treuerFreund, und Alonso de la Llana in Madrid ein undbrachten zahllose Beschwerden gegen die Amtsführung desAmbrosius und seiner Stellvertreter, auch Federmanns,mit; sie forderten geradezu, die Welser sollten die Herr-schaft in Venezuela verlieren oder wenigstens nur nochSpanier dort ins Amt setzen. Mit Federmann's Regent-schaft wurde es nichts, die Welser riefen ihn schleunigstvon Sevilla zurück. Der Indien-Rath und die Vene-zolaner Depntirten suchten Karl V. dahin zu bestimmen.