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daß er den Weisem befehle, nur Spanier an die Spitzeder Verwaltung der Kolonie zu stellen; dem aber hättensich die auf des Kaisers Gunst und auf ihr Geldpochenden Augsburger Kaufherren niemals gefügt.Karl V. brauchte wieder Geld, und so kam es zu einemneuen Vertrage. Die im November 1532 mit ihrenNachkommen geadelten Brüder Bartholmä und Antonerhielten am 1. März 1535 mit Rücksicht auf die fürdie Colonisation gebrachten Opfer auf Lebenszeit alleeinst Ehinger und Sailer zuertheilten Rechte; hiergegengab die Krone die Schifffahrt nach Venezuela jetzt frei,der Gouverneur sollte sich streng an seine Instruktionenhalten und sich der Kontrole der königlichen Beamtenfügen u. f. w. Dem Georg Ehinger, der so frech inVenezuela aufgetreten war, wurde verboten, je dorthinzu kommen, hingegen wiederum ein Deutscher, GeorgHohermuth auZ Memmingen, der längere Zeit in Speyer gelebt (Jörge de Spira), am 28. Januar 1535 vomKönige als Gouverneur bestätigt; er erhielt alle Be-fugnisse, die Ambrosius gehabt.
Georg landete mit 600 Mann, darunter Feder-mann, der mit Welser verwandte Hans Vöhlin, derEdelknabe Philipp von Hütten und sein Ulmer FreundHans Lebzelter, bereits am 6. Februar vor Coro undließ sich huldigen. Dem allgemeinen Rufe nach BeuteRechnung tragend, trat er im Mai eine Expedition inSInnere an, verlor aber unter Strapazen ohne Gleicheneinen großen Theil seiner Leute, ohne El Dorado zufinden, und sah sich, als er in die Nähe des Warane n-Stroms gelangt war, im April 1537 zur Heimkehr ge-nöthigt. Mittlerweile war der unruhige Jedermannausgezogen, um am Cabo de la Vela eine Kolonie zugründen, fand aber die Gegend nicht lohnend genug,handelte nun ganz auf eigene Faust, zog nach Neu-Granada, bereicherte sich nach Kräften und reiste dann1539 nach Antwerpen ab; die Welser strengten einenProzeß gegen ihn wegen Unterschlagung an, er antwor-tete mit der Beschuldigung, sie Hütten fortgesetzt denStaatsschatz betrogen, und starb bald darauf in Genf .
Am 27. Mai 1538 traf Hohermuth mit denResten seiner Expedition in Coro ein, seine Beute wargering, er mußte Unterstützung aus Sau Domingo er-bitten, und dort wollte man ihm nicht wohl. DieAudiencia hatte der Verwirrung in Venezuela halberNavarro zur Untersuchung abgeschickt und Hohermuthfuspendirt; doch hielt die Bevölkerung unbeirrt zu ihm,er war auch bei den Soldaten beliebt und Navarro,mußte unverrichteter Dinge im August 1538 wieder ab-ziehen. Die Audiencia hob die Untersuchung gegenHohermnth auf und ernannte den Bischof Bastidas zuseinem Stellvertreter, falls er noch nicht wieder in Corosei. Bastidas verständigte sich rasch mit ihm, und vonNeuem gingen verheißungsvolle Berichte an den Kaiserund die Welser ab. Philipp von Hütten ging machBariquicianto, um eine dauernde Ansiedelung zu gründenund Coro zu entlasten, verließ aber jenen Ort, sobalder von dem im November 1540 in Coro erfolgten TodsHohermuihs hörte, der allgemeine Trauer hervorrief, undwurde vom Bischofs im Dezember zum Generalkapitänernannt und vom Kaiser 1541 bestätigt; zum Landes-hauptmann, Gouverneur machten ihn die Welser abernicht. Sie waren höchst unzufrieden mit ihren Statt-haltern, das amerikanische Unternehmen warf nicht ab,was sie erwarteten, die Faktorei in Sän Domingo
kränkelte, das Comptoir in Coro kam nicht in die Höhe,kein Bergbau und keine Perlenfischerei gedieh, kein Gold-land fand sich, aber ihr Gold ging auf Nimmerwieder-sehen bei den Expeditionen darauf, die Krone erkaltetein ihrer Freundlichkeit. Um fortan ihre Interessenbesser gewahrt zu sehen als bisher, sandten sie Barthol-mäs ältesten Sohn und einstigen Erben ihres Welt-hauses, Bartholmä Welser, nach Coro, wo er imMärz 1541 landete und sich dem biederen Hniten warmanschloß. Hütten unternahm gleich darauf „im Namenkaiserlicher Majestät und der Herren Welser" einenBeutezug, der El Dorado suchte, aber völlig scheiterte.Unterdessen jammerten die Welser bei der Audiencia inSän Domingo, Venezuela trage ihnen bis jetzt gar keineFrüchte, und Hütten suchte sich unter tausend Entbehr-angen den Heimweg.
Die Audiencia in Sän Domingo griff nun aber-mals in die ungeordneten Verhältnisse der Kolonie einund schickte Juan de Carvajal als provisorischen Statt-halter dahin, ohne auf Hütten und die Weiser Rücksichtzu nehmen. Carvajal gab Coro ganz preis, gründeteim Tokuyo-Thale eine Stadt und lockte Hütten undWelser hinterlistig 1546 hierhin; es kam zum Kampfemit ihnen, da Hütten seine Bestallung nicht aufgebenwollte, zu einem erlogenen Frieden in Quibor ; in einerSchlucht des Carora-Gebirgs jedoch überfiel CarvajalBeide, nahm sie gefangen und brachte sie in Ketten nachTokuyo, wo in der Charwoche (April 1546) ein Negersie mit seinem Messer enthauptete; ihre Leute entrannen.Der neue Untersuchungsrichter Juan Pärez de Tolosagönnte aber dem tyrannischen Carvajal seinen Triumphnicht, ernannte seinen eigenen Bruder Nlonso zumGeneralkapitän, überfiel Carvajal in Quibor und ließihn an derselben Stelle enthaupten, wo er Hütten undWelser hingerichtet hatte.
Mir des jungen Welser tragischem Ende verlor seinHaus die Lust an weiterer Kolonialpolitik, es blieb zwarnoch rechtlich im Besitze von Venezuela und ernannte1550 einen neuen Statthalter, aber 1655 führten neueStreitigkeiten zu^lnem Prozesse mit der spanischen Krone,und diese nahm den Welser das Land weg; ihre undder Deutschen Rolle in Amerika war ausgespielt.
SMers Landesherr im Kloster Oberelchüigcn.
Von Loren; Werner.
(Schluß.)
Es ist zu unsern Zwecken unerläßlich gewesen, diesePersonalschilderungen zu geben; sie sind der Nahmen,in welchem das kleine Knlturbild, das wir zeichnen wollen,erst zu seiner Geltung kommt. Bloß wenn wir Charakter,Denk- und Eefühlsweise der mithaudelnden Personenkennen, erhallen wir das richtige „Milieu" für unsereEpisode, zu deren Schilderung wir zurückkehren.
Dr. Herkules hatte also pflichtschuldigst das Er-eignis; signalisiert, welches dem Kloster bevorstand undfür den Nnf desselben von unabsehbarer Tragweite werdenkonnte. Lassen wir nun unserm Tagebuchschreiber oderbesser Chronisten das Wort:
„In welche Bovegung bei uns Alles versetzt wurde,läßt sich leichter denken als schreiben. Man säubertealle Ocrter, man ranmbte überall auf, die Musikanten