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richteten sich zu schönen Stücken; es wurden PredigerBefielt und für viobualidus Boten ausgeschicket. Um6 Uhr kam ein Bote von der Wcsterstetier Post miteinem Brief, und da wäre nun förmlich angezeigt, daßder Herzog kommen werde. Er verlange etwelche ganzmoralische Reden und, wenn man ihn mit etwasAngenehmen überraschen will (sicrt), so solle man ihmetwelche — Soldaten schenken. Also schrieb Hr. Mylius,Obristleutnant in Stuttgart und Marschkommissarius anunsern gnädigen Herren (den Abt). Jetzt war der Lärmnoch ärger, man schrieb abermals nach Ulm, um nochetwas Näheres von dieser Reis' zu erfahren, man machtealle Anstalten zu dem Empfang."
Der Verfasser des Tagebuches selbst war es, derals Prior mit der Aufgabe betraut wurde, der herzog-lichen Durchlaucht auf eine Strecke entgegenzukommenund Hochdieselbe im Namen „des Herrn Neichsprälaten"zu begrüßen. Früh 6 Uhr fuhr U. Beneditt mit demHerrn Consulenten vom Stifte in einer Kutsche ab, be-gleitet von sechs Reitern, deren Pferde dem Herzog ausWunsch zur Verfügung gestellt werden sollten. Um 10Uhr traf er auf einen Kavalier des Herzogs, dann aufeinen Kurier, welcher Kammerdiener desselben war, beidezu Pferde. Eine Viertelstunde daraus erschien Serenis-simus selbst mit Gemahlin, in einer Lspänuigen Eqni-page gefahren. — Die „Gemahlin" war die liebenswürdigeFranziska von Hohenheim, geb. von Vernardin,die wir aus der Jugendgeschichte Schillers bereits kennen,und mit welcher der Herzog seit 1776 morganatisch ver-mählt war. Die Hoheiten stiegen nicht aus dem Magen,nahmen aber die 6 Pferde an („das etwas Ungewöhn-liches sein soll, indem er sonst von Niemandt Pferdannimmbt") und ließen sie einspannen. In der Be-grüßungsrede empfahl der Prior seinen gnädigen Herrn„Jhro Durchlaucht unterthäuigst zu höchsten Gnaden".Er, der Prior, sei geschickt worden, die höchste FreudeOberclchiugens über den Besuch auszudrücken und zuDero höchst beglückten Ankunft zu gratulieren. Auchwolle er im Namen des Hauses vorläufig unterthäuigstabgcbeten haben, daß dasselbe die höchste Person nichtnach Würdigkeit empfangen könne, wiewohl alles ge-schehen werde, um zeigen zu können, „daß wir seyenJhro herzogliche Durchlaucht unterthänigste Diener undKnecht."
Lassen wir den Berichterstatter selbst weiter er-zählen : „Mit welchem Schrecken ich diese Worte gesagt,kaun ich nicht genugsam austrücken; das weiß ich noch,daß ich die erste Konstruktion ganz zitternd vorgebracht,das klebrige aber ganz keck solle gesagt haben und zwarso, daß ich niehmahl angestoßen habe. Der Herzog dankteentgegen, fragte verschiedene Sachen und, nachdem ermich 3 mahl hatte (den Hut) aufsetzen heißen, setzte ichaus und diskurierte mit ihm einige Minuten, bis erweiter fuhr. Zu Dornstadt in dem Schosee (Chaussee-)Hans stieg er aus und trank Chokolade. Indessen wur-den die Weg von den Bauern zurccht gemacht, nud HerrMylius kam in Clching um 10 Uhr an, aus welchemman Alles erfragte, was dem Herzog Beliebiges erwiesenwerden könne. Um 1 Uhr kam derselbe an; manempfing ihn mit Böllerschüssen, und alleGlocken läuteten zusammen. Der ganze Kon-vent war bei der Porten in klocois und be-gleitete ihn und seine Gemahlin (mehr Lenih hatte ernit bei sich) in das obere Zimmer, wo unser L. R.das Complimcut in korma machte."
„Bald nach dem Empfang ging man zur Tafel,bei welcher Fleisch und Fastenspeisen aufgetragen wurden,wiewohl es Samstag war. Es wurde auch eine Musikaußerhalb des Tafelzimmers produziert, die aberschlechten Beifall fand. Man saß bei der Tafel2 Stund; Nevereudissimus saß dabei im Mantel, dener, so lauge die Hoheiten anwesend waren, nie ablegte.Aller Discurs, den sowohl der Herzog alsdie Herzogin (oio) führten, war gelehrt: Vonder Physik, von der Medizin, itorn ascetische Diskurse„von dem Gcöott der Liebe der Feinde," von klöster-lichen Uebungen n. s. w. Nach der Aufhebung derTafel ging der Zug in die Kirch, welche Beide höchstePersonen sehr belobt haben. Bon der Kirch gingman in die Bibliothec, darinnen sie eine außer-ordentliche Kenntniß der Bücher zeigten. Siehielten sich schier eine Stund in der Bibliothec aus,alsdann führte man die Hoheiten in das Refektorium,allwo k. Meinrad — (der Nämliche, dessen fragwürdigeschriftstellerische Thätigkeit schon oben Erwähnung fand)eine zierliche Anrede hielt. (Es war sein Lieblings-thema:) „Ueber die wahre und falsche Aufklärung."Besagter Pater übergab auch dem Herzog 2 Büchlein,eine iUiöos von der Aufklärung, die er selbst gemacht.Nach jener Red bestieg ?. Nomanus die Kanzel undhielt eine Rede von der „Liebe Gottes ." Die Kompo-sition war aus Lavater ; fand nit allen Beifall.(Herzog Karl Eugen war infolge Konversion seinesVaters Katholik.) Ungeachtet dessen hörten doch beideHoheiten diesen Neben zu, die etwa 1 Stund gedauert.Alsdann besahen sie sich unser nrmarium auf einigeAligenblicke, wo zwei Experimente der Elektrizität exhi-biert wurden. Alsdann setzten sich die Hoheiten iin-msciiabs in die Kutsch und fuhren um 5 Uhr nachUlm , mit unsern Pferden dahin geführt, dereutwcg derKutscher 3 Karoliu oder 33 Gulden zum Trinkgeldbekam. Für unsre Dienerschaft war mir ein Paquetverbelschierter 12 Karolin zum Trinkgeld gegeben, wahr-haft königlich. Man übergab auch dem Herzog zweiSoldaten von uns zu einem angenehmen Präsent, dieer mit Freuden auf- und annahm."
Herzog Karl hat aber in der Folge noch auf an-dere Weise bekundet, daß er mit seinem Besuche desBenediktinerstifles zufrieden war. Schon von Ulm auserließ er ein Schreiben, in welchem er seinen Dank füralle in Elchiugen empfangenen Ehren, sowie seine Zu-friedenheit mit der genossenen Aufwartung aussprach.Und uni zu zeigen, daß dies nicht eine bloße Formalitätwar, erfolgte kurz vor Jahresschluß aus der Residenz einzweiter Bries, in welchem der Ncisemarschall Myliusden Dank Seiner herzoglichen Durchlaucht wiederholteund dem Herrn Prälaten ein in Saffian gebundenesBuch übersandte, welches die für die katholische Hof-kapelle in Stuttgart bestimmten Gebete und Gesängeenthielt. Unzweifelhaft war dies eine Auszeichnung,nachdem man weiß, welch scharfblickender Beobachter undMenschenkenner der Fürst war. Aus ein drittes undviertes Schreiben hin machte Abt Robert im Oktober desnächsten Jahres eine Gegenvisite in Stuttgart , wobei ermit allen Ehren empfangen wurde.
Daß man in Elchingen diese Auszeichnung, ins-besondere aber die Ehre des herzoglichen Besuches wohlempfand, ist selbstverständlich. Der Prior bemerkt in seinemDiarium unterm 17. Dezember 1785: „Dieser Tagwird für Clching unvergeßlich sein, da es gewis etwas