Ausgabe 
(21.2.1896) 15
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Selleries ist, daß ein so großer Herr einem Prälateneine Visite macht, oder aber wunderlich ist, wie ebendieser Herr an einen Ort Hinreisen wag, wo so wenigRechtes zu sehen ist. Die ganze Affaire ist nach Augs-burg geschrieben und den Zeitungen einzuverleiben schonVorsorge getroffen worden."

So wenig sich die Elchinger Herren von 1785 er-klären konnten, was den Herzog Karl zu der Reise ver-anlassen mochte, so klar dürfte dies für die jetzigen Leserdes Diariums sein. Was ihn hiezu bewog, war, al ge-sehen von der Zerstreuung, welche eine jede Reise ansich schon mitbringt, wohl das außerordentliche Interesse,-welches der Herzog für alle Erscheinungen des Lebens,seien es auch die zwischen Klostermanern, stets bekundete.Wenn wir auch nicht nach dem urtheilen könnten, wasuns aus der Geschichte von ihm bekannt ist, so dürfenwir dies aus der Theilnahme schließen, die er bei feinemAufenthalte iu Elchingen an den rhetorischen Vortrügenund an den größeren und kleiner n Sehenswürdigkeitennahm, besonders aber aus der Art der Unter-haltung, die er und seine Gemahlin, nach den Be-richten des Priors selbst, mit seinen geistlichen Gast-freunden pflog.

Welche Gedanken dem Herzog doch wohl durch denKopf gegangen sein mögen, als er den Benediktiner imRefektorium über Aufklärung reden hörte? Karlwar zweifelsohne ein aufgeklärter Mann. Ob aber jeneAufklärung, die dort als die wahre bezeichnet wurde,genau die des Gründers der Karlschnle war, wer kannes sagen? Der Herzog hatte zwar dem Dichter derRäuber" verboten, etwas Anderes als Fachwissenschast-liches zu veröffentlichen, und dadurch sein Landeskind,das damals, im Jahre 1785, gleichsam als Flüchtlingin Dresden weilte, aus der Heimath vertrieben. Alleinwir dürfen annehmen, daß er eS wenigstens mit Förder-ung der Wissenschaft ernst meinte und daher ein Freundder Aufklärung in des Wortes bester Bedeutung war;vermuthlich befand sich hiemit auch 1?. Meiurad im Ein-klang. Im Jahre 1793 konnte Friedrich Schiller eswagen, seine Lieben in der Heimath zu besuchen, undverweilte in der That unangefochten mehrere Monatedaselbst. Um die gleiche Zeit, während des Aufenthalts,starb sein Landesherr, Herzog Karl von Württemberg.Zehn Jahre darauf büßte auch das eigenartige Gemein-wesen, das dessen Interesse erregt hatte und uns Mo-dernen fast fremd geworden ist, in das wir aber durchdas Tagebuch des fleißigen und verständigen Chronisteneinen Einblick thun konnten, seine Existenz ein undtrat infolge der Säkularisation vom Schauplatz der Ge-schichte ab. Nur die Kirche thront noch stattlich auf derHöhe und beherrscht in ihrer freundlichen Gestalt weitund breit die Gegend.

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Unterrichlsüriefe zum Verständniß meteoro-logischer Berichte.

^ Nachdruck v-rboieu.

Gewiß erinnern Sie sich aus der Studienzeit desbekannten Experimentes mit der Luftpumpe. Verdünntman die Luft im Recipienten, so haftet derselbe durchden Druck der auslastenden Luft fest am Teller. Dasist zugleich der einfachste und klarste Beweis für dieSchwere der atmosphärischen Luft.

Gemessen wird nun der Druck der Luft durch

die Barometer, sei es das Quecksilber-Barometer oderdas Aneroid. Das erstere stellt uns eine communi-cierende Röhre dar, deren einer Schenkel geschlossen undluftleer ist, deren anderer Schenkel aber offen steht.Gleichgewicht herrscht in den Flüsstgkeitssäulen einerkommunicierenden Nähre erst dann, wenn beide Säulenunter demselben Drucke stehen. Die beiden Quecksilber-säulen im Barometer sind aber sehr ungleich hoch. Diein dem geschlossenen Schenkel ist viel höher als die indem offenen, und dennoch stehen sie im Gleichgewichte;iu dem offenen Schenkel muß somit ein weiterer Faktorwirksam sein, und das ist die Luft. Es entspricht alsoder Ueberschuß der Quecksilbersäule im geschlossene»Schenkel dem Gewichte nach genau der Luftsäule, welcheauf dem Niveau der Quecksilbersäule im offenen Schen-kel lastet. Unter Barometerstand versteht man alsoden Druck der Luft. Beim Aneroid ist dasselbe Agensthätig, nur ist es hier eine luftleere Blechkapsel mitelastischer Wand, wodurch der Druck gemessen wird.

Der Druck der Luft ist aber veränderlicherstens nach ihrer Dichte und zweitens nach der abso-luten Höhe des Standortes.

Die Dichte der Luft ändert sich hauptsächlich inFolge ungleicher Erwärmung und der auf- und abstei-genden Strömungen. Tritt an einem Orte eine nieder-steigende Luftströmung auf, so wird sich dort die Luftverdichten, sie wird schwerer werden, stärker auf dasQuecksilber in dem offenen Schenkel drücken, und daSBarometer wird steigen. Stellt sich hingegen einaufsteigender Lufistrom ein, so wird das Gegentheil ein-treten; die Luft wird verdünnt und leichter, der Druckaus das Quecksilber (resp. auf die Blechkapsel) geringer,und das Barometer wird fallen.

Der Barometerstand ändert sich aber auch nach derabsoluten Höhe des Standpunktes, denn je höherman steigt, desto kürzer wird die Luftsäule, welche aufdas Barometer drückt, je tiefer man aber kommt, destolänger wird die auslastende Luftsäule; daraus ergibt sichfolgerichtig, je höher der Standpunkt des Baro-meters, desto niedriger der Barometerstand undumgekehrt. Mit einem empfindlichen Aneroid kann mansich von diesem Gesetze durch daS Experiment überzeugen,schon wenn man im Hause aus ebener Erde sich in denersten oder zweiten Stock begibt. Die Höhe oder rich-tiger die Länge der von der Luft getragenen Queck-silbersäule wurde früher in Zoll angegeben, heute wirdsie in Millimeter angegeben. Die Skala am Aneroid istnur empirisch der Skala am Quecksilber nachgebildet.

Zeichnet man daS ganze. Jahr hindurch täglich denzu einer bestimmten Stunde beobachteten Barometerstandauf, addirt dann die erhaltenen Zahlen und theilt dieSumme durch die Zahl der Beobachtungen, also durch365, so erhält man das Jahresmittel des Baro-meterstandes für den Beobachtungsort. Es gibt auchein Tagesmittel, Wochenmittel u. s. w. DaSTagesmittel würde ich z. B. erhalten, wenn ich morgens,mittags und abends beobachte und die Summe der ab-gelesenen Stände durch 3 dividiere. Wenn jedoch vonMittel schlechtweg gesprochen wird, so versteht man immerdas Jahresmittel

Das Jahresmittel ist nun für das Meeres-niveau 760 mw. Natürlich ändert sich dieses Mittelfür verschiedene Höhenlagen. Aus dem eben angege-benen, durch viele Beobachtungen gewonnenen und viel-