— 116
fach controllierten Mittel für die Meeresoberfläche läßtsich durch eine einfache Rechnung das Mittel für andereHöhenlagen finden. Die Erfahrung hat nämlich gezeigt,daß bei ungefähr 10 ur Höhenunterschied der Barometer-stand um 1 mm differiert; liegt somit ein Ort 10 urüber dem Meere, so ist sein Barometermittel um 1 nunniedriger als am Meere, also 759; liegt ein Ort 100 naüber dem Meere, so ist sein Barometermittel 750. Salz-burg liegt 400 ur über dem Meere, sein Barometer-mittel ist somit 760—40— 720 nun; das Lechfeld liegtbeiläufig in 500 ur absoluter Höhe, das Barometermittelbeträgt somit 710 umr; das Todte Meer liegt circa400 na unter der Meeresoberfläche, sein Barometermittelmacht somit 800 mm.
Einen Barometerstand über dem Mittel nennt manHochdruck, einen solchen unter dem Mittel Depres-sion oder Luft Wirbel; der Mittelpunkt des Hoch-drucks ist das Barome termaximum und der Mittel-punkt des Lustwirbels das Barometerminimum.
II.
Nicht vom absoluten Barometerstand hängt dieWetterbeurtheilung ab, sondern vom Stande über oderunter dem Mittel. Soll nun die Angabe der Barometer-höhe für diese Beurtheilung nicht illusorisch sein, so müssendiese Angaben auf ein und dieselbe Höhenlagereduciert sein, d. h. es muß ihnen ein und derselbeHöhenstandpunkt zu Grunde liegen. Nach einem allge-meinen Uebereinkommen werden die für weitere Kreisebestimmten und für öffentlichen Gebrauch ausgegebenenBarometerdaten auf das Meer es niveau reduciert.Daraus erklärt sich die Differenz Ihres Aneroides mitden veröffentlichten dteßfallsigen Daten. Wollen Sie einebeiläufige Uebereinstimmung herstellen, so müssen Sie dasAneroid beim Mittelstände auf 760 stellen, oder Siemüssen sich das Aneroid nach einem guten Quecksilber-barometer nach Ihrer Ortslage einrichten und dannjedesmal so viel urui zuzählen als der zehnte Theil derin in ausgedrückten absoluten Höhe Ihres Ortes betrügt.Nehmen wir an, Sie befinden sich 600 w überdem Meere; das Barometermittel ist in diesem Falle760—60— 700 mrn. Nun findet sich im Wetter-berichte die Angabe: „über Bayern ein Hochdruck von770 nun«; ist Ihr Aneroid für die angegebene Meeres-höhe richtig eingestellt, so muß es in diesem Falle 710nun zeigen; lautet hingegen die Angabe für ihren Wohn-ort im Wetterberichte auf eine Depression von 750 will,so muß das Aneroid 690 wm zeigen.
Es bleibt noch die Frage zu beantworten, wiehängt das Wetter mit dem Barometerstandszusammen? Sehr einfach. Wie das Wasser von obennach unten fließt, so fließt die Luft vom Hochdruck zumWirbel, und so müssen von der dichteren Luft zur dün-neren Strömungen entstehen; denn in Folge der abso-luten Verschiebbarkeit der Theilchen sucht die Schwer-kraft nach jeder Störung die Gleichgewichtslage wiederherzustellen. Doch ziehen die Luftläufe nicht in derVerbindungslinie der beiden Mittelpunkte, also nicht inder Geraden vom Mittelpunkte des Hochdruckes zumMittelpunkte des Wirbels, sondern sie gehen vom Randedes Hochdruckes aus, und zwar von jenem Rande, welcher,wenn man sich gegen den Hochdruck wendet, rechts liegt.Dieses Gesetz hängt mit der Drehung der Erde und mitder Entstehung des Hochdruckes zusammen; eine Be-gründung desselben würde hier zu weit führen.
Seine Anwendung hingegen bereitet keine Schwie-rigkeiten. Gesetzt den Fall, es liegt über Skandinavien ein Hochdruck, über Italien ein Luftwirbel, so muß überDeutschland eine nördliche und nordöstliche Luftströmungherrschen. Im Winter wird eine solche Constellationstrenge Kälte mit wenigen Schneefällen, im Sommerwarme heitere Tage und kühle Nächte bringen. Unterdem Zeichen dieser Constellation stand zumeist die Kälte-periode im Winter 1894/95. Liegt der Hochdruck imOsten, die Depression im Westen, so werden dietrockenen Winde der gewaltigen asiatischen Lander-massen den Witterungscharakter bestimmen; dies war derFall des so überaus trockenen Sommers 1893; hat derSüden Hochdruck, der Norden Depression, dann tritt imWinter Thauwetter, im Sommer Schwüle mit starkerGewitterneigung ein; steht endlich der Hochdruck überdem atlantischen Ocean, die Depression über Ungarn oder Südrußland, dann gibt es bei uns starken Regenoder Schneefälle. Je größer die Differenz zwischen denbeiden Extremen, desto heftiger und stürmischer der Aus-gleich, wobei allerdings auch die Bodenbeschaffenheit undder lokale Abstand der Gegensätze in Betracht kommt.
Daß diese einfachsten Fälle durch Zwischenstellungenund Unterströmungen kompliciert und modificiert werden,versteht sich von selbst. Aber nicht hierin liegt dieHauptschwierigkeit der Wetterprophrzcinng, sondern indem Umstände, daß Hochdruck und Wirbel wandern unddaß man die Gesetze dieser Wanderschaft bis heute nochnicht zu formulieren im Stande war.
In den Wetterberichten kommt auch der Ausdruck„Lufteinsenkung" vor. Es ist das eine Luftauflockerungvon geringerem Umfange und untergeordneter, mehrlokaler Bedeutung meist in einem Hochdrucke, welchesich gewöhnlich in ziemlich raschem, aber nicht anhalten-dem Barometersturz bemerklich macht.
Wollen Sie eingehendere Belehrung über den gegen-wärtigen Stand der meteorologischen Kenntnisse, soempfehle ich Ihnen daS Studium deS sehr gediegenenWerkes: Abercromby , das Wetter, aus dem Englischenübersetzt von Professor Pernter in Innsbruck (Verlag:Herder, Freiburg im Breisgau. 7 Mark). Vgl.
Schachaufgabe.
Schwarz.
Weiß zieht an und setzt mit dem 2. Zuge matt.----S-WSS--