Ausgabe 
(25.2.1896) 16
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in deren Schatten nicht selten fröhliche Gäste bei einemTrunke des beliebten Malvasier (Wein von den Inselndes griechischen Archipelagos) sich labten.

So sättigte sich gleichsam das ganze Bürgerthum anden opulent gedeckten Tafeln der reichen und kunstlieben-den Handelsherren, und sie kargten mit ihrer Freigebigkeitnicht, wenngleich sie zuweilen sehen mußten, daß der ge-meine Mann ihre Thätigkeit und den daraus gezogenenGewinn argwöhnisch betrachtete. Diese feindselige Stim-mung machte sich nicht bloß durch boshafte Reden Luft,indem sie die Benützung der Handels-Monopolien spöttischFuggern " nannte, wie auch der Graf Walrod v. Wal-deck höhnte:die auf den Reichstagen durch Anleihenihren Schnitt wachen, heißt man Hörbrote", sondern sieartete auch nicht selten in bedrohliche Auftritte aus.Solches war gewöhnlich der Fall bei dem raschen Steigender Lebensmittelpreise. Ob die Ursache davon kriegerischeVorgänge oder die Verschlechterung der Münze oder einwidriges Natur-Ereigntß sein könnte, untersuchte das Volk

nicht, es schob ' rücksichtslos alle Schuld auf den Mgen-nutz der Kaufleute, und der darüber in den Herbergentobende Lärm verleitete hin und wieder die Zunft-meister auf-dem Rathhause zu Maßregeln, welche Oelin's Feuer gössen.

Von derartigen Angriffen blieb auch das Höchstetter'scheHaus nicht verschont, und den ersten Sturm entfesselteein Bediensteter des eigenen Kontors.

Nur in ein paar Generationen zählten zu der Zunftder Kaufleute die Höchstetter, und einer davon bestimmtegegen das Ende des 15. Jahrhunderts seinen Sohn Am-bras zum Nachfolger im Geschäft. Ueber dessen Aus-bildung ist nichts bekannt, doch wird er sich darin vonden übrigen Kaufmannssöhnen nicht unterschieden haben,welche in der Regel daheim sich bestrebten, einen gutenSchulsack sich anzueignen, und dann das Ausland be-reisten. Das Hauptaugenmerk richteten sie dabei auf diein den fremden Ländern zu befriedigenden Bedürfnisseund welche Producte aus ihnen mit Gewinn zu beziehenseien, was zur Anknüpfung werthvoller Verbindungen

führte. Nicht zu umgehen war ein kürzerer oder längererAufenthalt in Paris, oder in den Niederlanden , oder ganzbesonders in Venedig, dem Emporium des Marktes mitder zur Barchentweberei unentbehrlichen Baumwolle ausCypern, und mit Erfahrungen bereichert in das elterlicheHaus zurückgekehrt, gründeten die jungen Leute gewöhn-lich ihren eigenen Herd.

Dieser Lebensabschnitt fällt bei Ambras Höchstetterin das Jahr 1493. Nachdem er durch Thatkraft undAusdauer das väterliche Geschäft aus einem engbegrenztenKreis in breite Bahnen geleitet hatte, schloß er mit AnnaNehlinger, aus einer der ältesten Geschlechter-Familienstammend, den Ehebund, wodurch er nicht nur als.Mehrer der Gesellschaft" aus dergemeinen Kauf-^mannszunft" sich erhob, sondern auch die Gründung eine«eigenen Gesellschaft erzielte. Mit der 60,000 fl. betragen-fden Mitgift seiner Frau ließ sich der Handel im Großen^betreiben, an Bergwerksunternehmungen theilnehmen und'manchem in Verlegenheit gerathenen hohen Herrn, nicht

zum eigenen Schaden, eineGefälligkeit erweisen. Höch-stetter hatte sich als'vasroutorampliasiinus, wie ihn Gaffernennt, in die Reihe der reichenHandelsherren emporge-schwungen, denen er auch inseinem äußern Erscheinen nichtSo zeichnet ihnmit wenigen Strichen ClemensSender :ein feiner, herr-licher, langer, starker Mann,in ganz Europa berühmt obseines fürstlichen Ansehens,auch groß Trauens und Glau-bens, der mit dem Kaiser,mit hohen Herren und allenmänniglich handelt und dasvon ihnen und von den Bür-gern, Bauren, Knechten undMägden bei ihm gelegte Geldmit fünf Gulden vom Hundertverzinst." Neben diesem Son-nenschein des Lobes leiht je-doch der Chronist seine Federauch den Schatten der Vorurtheile und des Mißtrauens derZeitgenossen, indem er in der Schilderung fortfährt:aber mit seinem Schatz hat er oft den gemeinen Nutzund den armen Mann druckt, denn er kaufte Holz, Weinund Korn auf, trieb die Preiße in die Höh und gabschlechte und kleine Waar ab."

(Schluß folgt.)

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Im Etappenquartier.

Alle jene, die den großen Krieg gegen Frankreich m>:gemacht haben, dessen Wjähriges Jubiläum jetzt bald zu Endegeht, wissen genugsam zu erzählen von den furchtbaren Stra-pazen, welche die langen Märsche und das Campiren unterfreiem Himmel, oftmals unter strömendem Regen oder b.eibitterster Kälte, für unsere Truppen mit sich brachten. Dasarmseligste Quartier war noch immer goldig im Vergleiche mitdem Lagern und Uebernachten im Bivoak, und glücklich schätztesich jeder, der, nachdem er eine Reihe von Nächten hindurchmit dem aufgeweichten oder festgefrorenem Erdboden als Lager

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