Ausgabe 
(25.2.1896) 16
Seite
124
 
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vorlieb nehmen muhte, endlich einmal wieder unter Dach undFach, wenn auch auf dem lehmgestampstem Fußboden einerBauernhütte, die müden Glieder zur Ruhe strecken konnte.Groß war darum auch stets der Jubel, 'wenn dann und wanneiner kleineren Abtheilung zur Abwechslung ein besseres Quar-tier zu Theil wurde, etwa eines von den zahlreichen Schlössernund Landhäusern, deren Bewohner unter Zurücklassung dergesummten Wohnungseinricktung vor dem heranrückenden Feindegeflüchtet waren. Und wenn ein solches Quartier sich gar nochauf mehrere Tage ausdehnte, dann wußten unsere deutschenKrieger sich alsbald wohnlich einzurichten und es entwickeltesich ein sorglos fröhliches Treiben in den gar oftmals mit ver-schwenderischer Pracht ausgestatteten Räumen, welche dendeutschen Kriegern zu vorübergehendem Aufenthalte dienten.Ein derartiges Etappenquartier in einem französischen Schlossehat der berühmte Historienmaler Anton von Werner , dem wireine ganze Anzahl künstlerischer Erinnerungen an den deutsch-französischen Feldzug verdanken, auf den: köstlichen Gemäldeveranschaulicht, dessen wohlgelungene Nachbildung wir heuteunseren Lesern vorführen. Es sind preußische Kavalleristen,Offiziere und Unteroffiziere, die sich in dem vornehmen Salongemüthlich niedergelassen haben und neben der Annehmlichkeitbehaglicher Ruhe sich die Freuden eines musikalischen Genussesgönnen, auf den sie vielleicht lange schon verzichten mußten.Solch harmloser Art ist die Fröhlichkeit der deutschen Soldaten,daß selbst die im Hause Zurückgebliebenen, eine französische Magdund ein kleines Mädchen ihre anfängliche Scheu Vor den ge-fürchteten Prusfiens überwinden und unter der Thüre stehendneugierig dem heiteren Treiben zuschauen.

Sigmartngrn.

Mitten im schönen Schwaben liegen als eine preußischeEnclave die durch Vertrag vom 7. Dezember 1849 dem preuß.Staatsverbande einverleibten Fürstenthümer Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen , welche zusammen denjetzigen, unter dem Oberpräsidium der Rheinprovinz stehendenRegierungsbezirk Sigmaringen mit der gleichnamigen Haupt-stadt bilden. Die Stadt Sigmaringen ist noch heute Residenzdes Fürsten Leopold von Hohenzollern , dessen auf steilem Felsengelegenes Schloß mit reichen Sammlungen von Gemälden,Skulpturen, Waffen und Alterthümern der Stadt ein maler-isches Gepräge gibt. Leider ist ein Theil dieser Sammlungenvor einigen Jahren bei dem großen Brand des Schlosses zuGrunde gegangen. An anderweitigen Sehenswürdigkeiten besitztSigmaringen die Denkmäler der Fürsten Karl und Johann vonHohenzollern, eine schöne katholische und eine evangelische Kirche,das Regierungsgebäude, das fürstliche Hoftheater usw. In demdicht bei der Stadt gelegenen ehemaligen Nonnenkloster Hedingen befindet sich das 1818 vom Fürsten Anton Aloys gegründeteGymnasium, in der dazu gehörigen Kirche die Fürstengruft. Inder Nähe der Stadt liegt das große Kriegerdenkmal und dasJagdschloß Josephslust mit großem, an Edelwild reichem Thier-garten. Von den 4307 Einwohnern der Stadt sind ^ katholisch,Vr Protestantisch.

Hohenstaufen und Uechberg.

Zwei einst mächtige deutsche Adelsgeschlechter, die Fürstenvon Hohenstaufen und die Grafen von Rechberg sind es, welchevon den beiden Bergkegeln im Württembergischen Donaukreiseihre Namen ableiten. Friedrich der Erste von Schwaben , derSohn Friedrichs von Büren , erbaute gegen Ende des 11. Jahr-hunderts die Burg auf dem Hohenstaufen, nach der von nunan das Geschlecht genannt wurde, das von 1138 bis 1254 dendeutschen Kaiserthron innehatte und das 1268 mit dem unglück-lichen Konradin im Mannesstamme erlosch. Stammvater derGrafen von Rechberg und Rothenlöwen ist Graf Ulrich vonHohenrechbcrg, welcher 1194 die Stammburg auf dem Rechberg erbaute. Im 13. Jahrhundert theilte sich das Geschlecht in 2Hauptlinien: Rechberg und Rothenlöwen auf den Bergen (er-loschen 1413) und Rechberg und Rothenlöwen unter den Bergen.Letztere theilte sich wieder in Hohenrechbcrg (erloschen 1584),Staufeneck (erloschen 1599) und Jlleraichen (erloschen 1676).Schon 1607 war ein Nebenzweig der Jlleraichen:Kronburg ",in den Reichsgrafenstand erhoben worden, wie auch der andereNebenzweigDonzdorf " (erloschen 1732) den Grafentikel 1699reassumirte. Ein dritter Nehenzweig ist der noch bestehendeKronburg-Osterberg . Von den Stammschlössern der Hohen-staufen und der Rechberg auf den beiden benachbarten Bergenfind heute nur noch wenige Ueberreste vorhanden.

Hirsau .

Im Schwarzwald, im schönen Thale der Nagold liegtmalerisch das stattliche Dorf Hirsau , welches seine Entstehungdem ehemaligen Bcnediktinerkloster Hirsau verdankt. Diesesberühmte Kloster, vom Grafen Erlafried von Calw 830 erbautund durch den Abt von Fnlda, HrabanuS Manrus, im Sep-tember 838 eingeweiht, zeichnete sich durch hohe wissenschaftlicheBildung und eine im zehnten Jahrhundert berühmte Schuleaus. Durch den Grafen Adelbert II. von Calw 1059 hob sichdas Kloster noch mehr und nahm unter rein heil. Wilhelm(!069-1091) eine der ersten Stellen unter allen Benediktiner -Congregationen Deutschlands ein. 1534 säcularisirt, wurde es1556 in eine Klosterschule verwandelt. Herzog Wilhelm vonWürttemberg baute ein Schloß an das Kloster an, welches abergleich dem Kloster 1692 durch die Franzosen eingeäschert wurde.Die ausgebrannten Mauern dieses Schlosses üherwölbt dieriesige, ven Uhland u. A. besungene Ulme. Die gut erhaltenegothische Kapelle (1509), jetzt Pfarrkirche und 1892 vortrefflich' estaurirt, birgt in den oberen Räumen den interessanten Kloster-bibliothekfaal. Das heutige Hirsau ist ein beliebter Luftkurort.

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Kimmekssckiau im Monat März.

X. Merkur steht morgens sehr niedrig amöstlichen Himmel.

Venus § morgens im Steinbock und Wassermannnähert sich immer mehr der Sonne.

Mars geht gegen 5 U. 30 M. früh, zuletzt um4 Uhr auf und ist sehr lichtschwach.

Jupiter 2s ist sehr hell, die ganze Nacht sichtbarund geht zwischen 6 U. und 4 U. früh unter.

Saturn H in der Wage kommt nach 11 U., zu-letzt 10 U. nachts über den östlichen Horizont. SeinRing wird immer deutlicher, da die Längen seiner Achsenbeziehungsweise 41 2 und 15 4 Bogensekunden betragen.

In der Nähe des Mondes befinden sich Saturn am4. nachm. 4 U. und am 31. um Mitternacht; Mars am10. mgs. 8 U. und Jupiter am 24. südwestlich. VomMonde werden bedeckt Venus am 11. nachm. 3 U.;Merkur am 12. früh 2 U.; Regulus am 26. nchm. 2 U.

Vom 2. bis 14. März läßt sich das Zodiakallichtam westlichen Himmel zwischen 7 U. 30 M. und 9 U.30 M. beobachten.

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Nikd-r-FlStysek.

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Auflösung des Kombinationsräthscls in Nr. 13:Andacht (Wand, Brand, Rand, Sand, Land and; Pracht,Aacht, Schacht, Macht, Acht, acht acht).

Auflösung der Schach-Aufgabe in Nr. 15:

Weiß. Schwarz.

1. L. ^4-02 beliebig.

2. D. Matt.

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