Ausgabe 
(28.2.1896) 17
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125
 
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17.

Ireitag, den 28. Februar

1896.

Kür die Redaction verantwortlich: Vr. Theodor Müller in Augsburg .

Druck und Verlag des Literarischen Instituts von HaaS L Grabherr in Augsburg lVorbefitzer vr. Max Huttler ),

Ale Astrologen.

Historischer Roman aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges.

Von Max Beuno.

(Fortsetzung.)

Fritz Donald Sl" rief Georg.Dieser Menschsollte . .

Ich bin meiner Sache gewiß", fiel ihm das Mäd-chen in's Wort.Ich war ihm nahe genug, um seineAugen zu sehen. Uebrigens ist diese Schandthat nochlange nicht das Schlimmste, was man ihm zutrauen darf.O, nehmt Euch vor diesem Mann in Acht", fügte siemit leidenschaftlichem Eifer hinzu;vor diesem und nochvor vielen Andern, denen Ihr arglos vertraut. Nichtumsonst habe ich Euch damals gewarnt. Ich hörte, wieman im Geheim-Cabinet meines Onkels von Euch sprach,ich erkannte die Stimme Donald's, obgleich er sie zuverstellen suchte und sich seit längerer Zeit nicht mehr vormir gezeigt hatte. Ich verstand den Zusammenhangnicht; aber ich ahnte, daß es sich um einen Schurken-streich handelte. Deshalb erschrak ich auch so furchtbar,als ich Euch gleich nachher in die Höhle des Löweneintreten sah, und deshalb gab ich Euch einen Wink.Die Pflicht der Dankbarkeit zwingt mich, Euch nochvieles mitzutheilen, und ich werde es auch thnn, wennIhr mir vertraut. Doch hier ist dazu nicht der geeig-nete Platz. Kommt morgen oder im Verlauf der näch-sten Tage in die HerbergeZu dem armen Ritter."Wir bleiben voraussichtlich längere Zeit dort. MeinOnkel ist verreist, und wir werden mit meiner altenFreundin allein und ungestört sein. Doch kommt ganzbestimmt! Es wurde wir vergönnt, hinter einen Vorhangzu schauen, wo in einer Weise mit Falschheit, Heucheleiund Verrath gespielt wird, daß Jeder, der sich in diesesfürchterliche Netz ziehen läßt, seinem Schicksal verfällt.Der Kaiser, der Herzog, ja Ihr selbst spielt eine bedeut-same Rolle dabei. Mein Onkel ist nicht, was er scheint.Doch auch er ist nur ein Werkzeug, dessen ein Mäch-tigerer sich bedient, der die einzelnen Spieler aus derFerne wie Puppen am Drahtseil lenkt, der, ihre Leiden-schaften ausbeutend, den Einen durch den Andern be-trügt, und dem zuletzt über den Leichen der sich selbstzerfleischenden Bethörten ein reiches Erbe zufällt."

Marion hatte immer erregter gesprochen. Am Schlußergriff sie Georg's Hand und drückte sie innig an ihreBrust.Kommt", mahnte sie noch einmal;ich werdeEuch zeigen, an welchem Abgrund Ihr steht."

Sie wickelte sich wieder in ihre Pelze, stieg in denSchlitten, und auf ein von ihr gegebenes Zeichen flogdieser, nachdem sie dem Zurückbleibenden nochmals freund-lich zugewinkt hatte, davon.

Verblüfft schaute Georg dem Gefährte nach, bis esseinen Augen entschwand. Für den Augenblick abermangelte es ihm an Zeit, länger zu grübeln. Er mußtesein Pferd tüchtig ausgreifen lassen, um zur bestimmtenStunde bei dem Bankett zu sein. Nasch schwang er sichin den Sattel und erreichte, ehe die Nacht völlig herein-brach, die Stadt.

Eine große Anzahl von Offizieren hatte sich in demQuartier Jllo's versammelt. Da und dort bildeten sichGruppen, welche die Tages-Ereignisse in eifriger Unter-haltung besprachen. Noch vor Tisch setzte General Terzkyin einer längeren Rede auseinander, daß der Herzogihm gegenüber die Absicht geäußert habe, den Oberbefehlniederzulegen. Der Feldherr sei der ausgestreuten Ver-leumdungen sowie der rücksichtslosen Behandlung desHeereS von oben müde geworden und wolle nicht längermehr der Spielball höfischer Ränke sein. Man dürfeden Rücktritt des Herzogs unter keinen Umständen zu-geben; denn derselbe würde die sofortige Auflösung desHeeres herbeiführen. Insonderheit wären dann die nam-haften Vorschüsse, welche einzelne Obersten und Haupt-leute bei der Aufstellung des Heeres geleistet, verloren.Er habe deshalb ein Schreiben an den Feldherrn ver-faßt, worin er ihn der unwandelbaren Treue aller seinerOffiziere versichere und ihn zugleich dringend ersuche,seine Getreuen nicht zu verlassen. Hier überreichte erdem General Jllo einen zur Hälfte beschriebenen BogenPapier ; derselbe las den Text durch und reichte dasSchreiben seinem Nachbar. Als dasselbe bei sämmtlichenAnwesenden die Runde gemacht hatte und sich von kei-ner Seite her ein Widerspruch gegen seine Fassung er-hob, steckte Terzky es wieder zu sich.Die Kameradenkönnten ja später unterschreiben", meinte er mit leichtemScherz, sonst werde am Ende die Suppe kalt.

Das Gelage dauerte bis tief in die Nacht. Alsder reichlich genossene Wein bereits die Köpfe der mei-sten Gäste zu erhitzen anfing, benutzte Terzky die Ge-legenheit und trat mit der Mahnung, das Document zuunterzeichnen, hervor. Die mehr als angeheiterten Offi-ziere wollten anfangs in ihrer Weinlaune nichts davonwissen, und meinten, dazu sei am andern Morgen nochZeit; schließlich aber bequemten sie sich dennoch dazu,