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„Augsburger Postzeitung".
Vivstag, den 3. März
1896 .
Für die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg .
Druck und Verlag des Literarischen Instituts von HaaS >L Grabherr in Augsburg (Vorbesitzer vr. Max Huttler ).
Die Astrologen.
Historischer Noman aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges.
Von Max Benno.
(Fortsetzung.)
Albrecht von Wallenstein war indessen von Planaufgebrochen. Während des Marsches beschied er Butleran seine Sänfte.
„Herr Oberst", wandte er sich an diesen, „ichmuß mir den Vorwurf machen, daß ich Euch bishernicht so belohnt habe, wie Ihr es verdient. An dieserUngerechtigkeit trage jedoch nicht ich die Schuld, sondernder Kaiser, welcher bezüglich der Dotationen an verdienst-volle Offiziere seine Versprechungen nicht hielt. Es sollanders werden. Damit Ihr sehet, wie sehr ich Euchschätze, sollt Ihr zwei Regimenter erhalten, und zudemwerde ich Euch zu neuen Werbungen in England ,Schottland und Irland zweimalhunderttausend Thalerdurch meinen Gesandten in England anweisen lassen undeinen Musterungsplatz in Hamburg verschaffen."
„Hoheit", erwiderte Butler, „Dero Gunstbezeig-ungen erfüllen mich mit dem innigsten Dank. Ich binkein Unterthan des Kaisers und nur durch die freiwilligübernommene Militärpflicht für die Dauer meiner Dienst-zeit gebunden. Nach Emledigung von dieser Pflichtkann ich dienen, wo mtr's gefällt. Doch die Ehre, dashöchste Gut des Soldaten, verbietet mir, aus einer älternKapitulation in neue Dienste zu treten, ehe jene erfülltist. Ich will bei dem Kaiser um Entlassung aus demHeere nachsuchen. Ist dies geschehen, so bin ich zumEintritt in Euere Dienste bereit. Ich weiß ja, daß eskeinen größern Feldherrn gibt als Euere fürstlicheGnaden!"
Das Mienenspiel Wallenstein's bekundete, daß dieausweichende Antwort nicht seiner Erwartung entsprach.Er behielt jedoch seine Gedanken für sich. „Es ist gut",„darüber sprechen wir später noch mehr." Gleichzeitigreichte er dem Oberst mit einem freundlichen Nicken dieHand, und dieser ritt an die Spitze seiner Dragonerzurück. Gegen Abend wurde Eger erreicht. Wie aufdem ganzen Marsche, mußten die Butler'schen Reiter auchhier wieder auf freiem Felde campiren.
Beim Einzug durch das Festungsthor hatte Wallen-stein , düster und starr vor sich hinbrütend, in eine Eckeder Sänfte sich gedrückt. Plötzlich kam Leben in seinGesicht, das für einige Secunden noch bleicher wurde,als es schon war. Er sah ein Antlitz vor sich, das
Erinnerungen der unangenehmsten Art in seiner Seelewachrief: Leßlie, der ehemalige Schloßhauptmann aufGroßmeseritsch, stand vor dem Thor-Eingang und schautein Gesellschaft eines andern Offiziers auf den Prunk-losen Aufzug des ehemals so stolzen Feldherrn.
Gleichwohl faßte sich der Herzog sofort, ließ haltenund winkte den nunmehrigen Oberstwachtmeister zu sich.
„AHI" rief er und reichte Leßlie durch das Fensterdie Hand. „Ihr seid's, Oberstwachtmeister? Wie freutes mich, hier alte Bekannte zu treffen. Commandantder Besatzung, nicht wahr? Ich habe mit Euch zu spre-chen. Besuchet mich heute noch, sobald als möglich, inmeinem Quartier."
Leßlie versprach unterwürfig, den hohen Wunsch zuerfüllen, und der Zug bewegte sich fort.
Der Oberstwachtmeister blieb nach der Entfernungdes Herzogs noch eine Zeit lang auf seinem Platze. Diesonst so düstern Augen funkelten in wildem Triumph.„Ha, Herzog von Friedland", murmelte er, „nun bistDu in meiner Gewalt! Nun ist der Tag unserer Ab-rechnung, die Stunde der Vergeltung gekommen, nachwelcher meine Seele schon Jahre lang gelechzt."
Langsam kehrte er zu seinem Gefährten zurück,welcher, den Hut tief in's Antlitz gedrückt, der Unter-redung aus der Ferne zugeschaut hatte.
„Hast Du die Herrlichkeit des großen Friedländersgesehen, Fritz?" fragte er höhnisch. „Ich denke, jetzthelfen ihm Sonne, Mond und alle Gestirne am Himmelnichts mehr: jetzt kommt die Reihe an uns."
Donald stieß einen Fluch aus. „Er soll mir denSchimpf büßen", knirschte er; „ich will ..."
„Du?" fiel Leßlie dem Neffen mit finsterer Mienein's Wort; „Du wirst nichts thun, als Dich vorersthübsch verborgen halten, damit Wallenstein Dich nichterkennt. Später thust Du nur, was man Dich heißt.Sonst wehe Dir! Denn noch ist er der Herr, wenn auchnicht mehr . lange. Was Dir geschah, hast Du verdient.Ich habe mit ihm abzurechnen und brauche weder Dich,noch einen Andern dazu!"
Leßlie schritt zu der hochgelegenen Citadelle hinauf,Donald neben ihm her. Vor dem Eingang trenntensie sich. Donald verschwand durch das Thor, und Leßlienahm den Weg nach der Stadt. Die Dämmerung brachschon herein, als er vor der Wohnung des Bürger-meisters Pachhälbl ankam, bei welchem Wallenstein sicheinquartiert hatte. Um sein aufgeregtes Blut abzuküh-