Ausgabe 
(3.3.1896) 18
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len, betrat er das Haus nicht sofort, sondern ging,seinen Gedanken nachhängend, langsam im Hof aufund ab.

Zur gleichen Zeit befanden sich in einem nach derWestseite dieses Gebäudes gelegenen Zimmer der Herzogvan Frtedland und Seni. Letzterer saß anscheinend ineifrigen Berechnungen vertieft an dem Tische, währendWallenstein , nach seiner Gewohnheit die Hände auf demRücken kreuzend, das Zimmer durchmaß. Auf dem Tischelag ein beschriebener Bogen Papier , dem ein großesSiegel aufgedrückt war.

Nun, was sagt Ihr dazu, Meister?" fragte derHerzog nach einer Weile, mit der rechten Hand auf dasSchreiben deutend, mit finsterm Stirnrunzeln;glaubtIhr, daß dieses sinnlose Machwerk auch unter dem Zei-chen des Erzhauses entstand?"

Ein heiseres Hüsteln kam aus der Brust des Astro-logen hervor. Verzeiht, hoher Herr", begann er,wennich etwas vorzubringen wage, das Euch möglicherweisemißfällt. Ihr habt in letzter Zeit viel zu sehr auffremde Einflüsterungen gehört, statt auf meinen wohl-meinenden Rath, der sich immer auf bestimmte Zeichenund Berechnungen stützt. Auch Kepler's Andeutungenhaben, trotz meiner Warnung, in Eucrn Entschlüssen undHandlungen wieder eine sehr bedeutende Rolle gespielt.Habe ich Euch nicht schon früher gesagt, daß jener Mannuns niemals freundlich gesinnt war? Er hat mit seinerunbestimmten Drohung Euere klaren Begriffe verwirrt."

Demnach glaubt Ihr", unterbrach ihn der Herzog,daß der von mir eingeschlagene Weg nicht zum Lichtführen wird?"

Wer kann es sagen?" entgegnete Seni auswei-chend;der Himmel war in den letzten Tagen fort-während trübe. Ich habe die Gestirne noch nicht be-fragt. Auch Euer Stern war beharrlich durch Wolkenverdeckt."

Der Herzog trat dicht an den Alten heran. SeineAugen hefteten sich durchdringend auf ihn.Nicht denBescheid des Astrologen möchte ich hören", sagte er,sondern die Meinung des Mannes, der von mir biszu dieser Stunde unter die treuesten Freunde gezähltworden ist, dessen Wort ich immer hoch hielt, wenn erauch", fügte Wallenstein bitter hinzu,im vorliegendenFalle nicht, wie unsere Feinde behaupten, die Schuld anmeinem Eigensinn trägt!"

Seni erhob sich. Er kreuzte demüthig die Armeauf der Brust und schlug die Augen nieder, in welchennur für eine Secunde ein fast drohender Blick ent-flammt war.

Wenn der Herr befiehlt", flüsterte er,muß derDiener gehorchen. Ich will gestehen, daß es mich ge-schmerzt hat, als ich die Sonne mit Mars immer mehrin Opposition kommen und Euere Entschließungen meineBerechnung durchkreuzen sah; doch ich hoffe, daß auchdas gegenwärtige Beginnen, welches ja aus dem uner-schöpflichen Weisheitsborne Euerer Hoheit entsprang, wennauch auf Umwegen zu einem Ende geführt wird, dasEuerer Erwartung entspricht."

Wallenstein's Augen funkelten, Der wenig ver-deckte Rückzug des verwöhnten Rathgebers erbitterte ihn.

Ich weiß", grollte er,daß Ihr mein Thun miß-billigt, weil Ihr es im Gegensatze zu dem Wohle desErzhauscs glaubt. Ich selbst bin mir auch recht wohlbewußt, daß es ein gewagtes Spiel ist, ohne Rücksicht

auf das Urtheil der Welt nach einem Ziele zu streben,das den Einen als eine Thorheit, den Andern als einFrevel erscheint. Doch der Herzog von Friedland weiß,was er will; er weiß, daß Europa ihm zujauchzen wird,wenn er's erreicht. Deshalb wankt er auch nicht, undstünde er allein!"

Er wandte sich ab und trat an's Fenster.Wirbekommen eine mondhelle Nacht", bemerkte er nach einerPause.Setzt alles in Bereitschaft, Meister; ein freund-licher Wink der höhern Mächte war mir noch nie sonöthig, wie heute."

Der Astrologe verließ das Gemach, und Wallen-stein nahm seinen Gang wieder auf. Da wurde ihmder Oberstwachtmeister Leßlie gemeldet. Er befahl, die-sen sofort vor ihn zu bescheiden. Der Herzog empfingden ehemaligen Schloßhauptmann mit einer Freundlich-keit, wie dieser sie niemals an dem Herrn beobachtet hatte.

Ein unerwartetes Wiedersehen", sagte Wallenstein mit einem Tone, durch welchen eine bittere Ironie klang.Ihr habt wohl vorhin auch gefunden, daß das beschei-dene Gefolge den Gewohnheiten des Herzogs von Fried-land wenig entsprach. Aber wer war der Offizier, wel-cher sich während unseres Einzugs an Euerer Seite be-fand? Figur und Haltung erschienen mir bekannt, dochder Name fiel mir nicht ein."

Für einen Augenblick wich alle Farbe aus Leßlie'sGesicht. Schnell jedoch faßte er sich.Capitain-Lieu-tenant Devereux", erklärte er,ein protestantischer Schotte,ein zuverlässiger und tapferer Mann!"

Devereux?" wiederholte der Herzog,der Nameist mir nicht unbekannt! Wohl ein Verwandter des Ober-sten, der am weißen Berg fiel? Zum voraus schon eineEmpfehlung für ihn. Er scheint Euch nahe zu stehen.Das freut mich. Damit Ihr seht, wie ich brave Männerzu schätzen weiß, bringt ihm das Hauptmanns-Patem.Erinnert mich gelegentlich wieder an ihn. Es soll seinund Euer Schade nicht sein."

Wallenstein hatte in Folge seiner eigenen Aufreg-ung der Verwirrung Leßlie's gar keine Beachtung ge-schenkt.Seht, das ist der Lohn eines Kaisers", nahmer wieder das Wort, indem er nach dem auf dem Tischeliegenden Papier griff und es dem Oberstwachtmeisterdarreichte,eines Kaisers, der mir nun schon zum zwei-tenmal« seine Krone verdankt! Doch es ist zugleich dieGrube für die Herren in Wien , die mich bei Ferdinandangeschwärzt haben und nicht ruhten, bis es zum Aeu-ßersten kam. Ein Trompetenstoß, und der Klang meinesNamens ruft Tausende der tapfersten Streiter herbei ISie wissen, daß der Herzog von Friedland mit seinenGetreuen noch immer seinen Ruhm und die Früchteseiner Siege getheilt hat. Das soll fürder in noch aus-giebigerer Weise geschehen. Alle Diejenigen, welche beimeiner Fahne ausharren, will ich mit Ehren und Goldüberschütten. Sie sollen werden, was sie zu sein ver-dienen: die reichsten und glücklichsten Soldaten der Welt."

Er trat nahe an Leßlie heran.Ich habe Eucheinmal in einer bösen Stunde Unrecht gethan", sagte ermit treuherzigem Tone;denkt nicht mehr daran! Essoll hundertfach wieder gut gemacht werden. Ehe desMondes Rund sich füllt, marschirt Ihr als Generalgegen den Feind."

Ein Dlener erschien und übergab ein Schreiben,das soeben durch einen Courrier gebracht worden war.Hastig riß Wallenstein dasselbe auf. Diesen Augenblick