Ausgabe 
(6.3.1896) 19
Seite
146
 
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suchte dieser es, Hohn und Gelächter fortzusetzen.Voilü1g. masgnsruäs gui oomLusneo! Lst, lös arlsguins I"Dtesr Sprache aber verstummte ganz, je weiter die Trup-pen vordrangen. Bald machte sich auch das bessere Pu-blikum bemerkbar, das statt des Pöbels Spalier bildete.Unsere Musik wirkte wunderbar. So oft die Mustkkorpsvorbeikamen und ihre klangvollen Märsche spielten, theiltesich der Menge eine lebhafte Bewegung mit.

Ich wurde noch an demselben Tage zu meinemSchutze bis nach Sövres tranSportirt, kann also überden weiteren Verlauf der Besetzung nicht als Augenzeugeberichten. Einen besseren Platz, um unsere Truppen inParis einrücken zu sehen, hat wohl Niemand gehabt alsich. Denn ich blieb mitten in der Kompagnie stehen. Ichhabe auch den Grafen Bismarck bis dicht an den ^.roäs triomxsts herankommen sehen, wo er wieder Kehrt«achte.

Einige Tage später war ich in Berlin . Zwei Monatenachher erschien von mir ein Buch:Paris während derBelagerung", wozu ich mir den Stoff während der Be-lagerung in Versailles gesammelt hatte. Es waren nachder Veröffentlichung des BucheS vielleicht zwei oder dreiWochen verflossen, als ich aus Paris ein Schreiben er-hielt, schwarz gerändert eS herrschte ja Landestrauerin Frankreich . Ein Graf Filippi ersuchte mich darin,mein Buch in's Französische übersetzen zudürfen, wogegen ich natürlich nichts hatte, wiewohl ichmich darüber wunderte, denn mein Buch konnte alseine beißende Satire auf die Pariser, insbesondere aufdie Nationalgarde, kaum den Appetit eines Franzosenreizen. Die Uebersetzung erschien unter dem Titel: Ll.Rodolsl:^, kaiis xsnäant 1s sis§s, rasontö xur uukrussisn. Der Titel klang etwas denunziatorisch. DerAutor eines Buches, das Paris während der Belagerungbeschreibt, muß wohl in der belagerten Stadt selbst ge-weilt haben, und ist er ein Prussien, so muß er wohlein Spion gewesen sein so sagten sich die Pariser, als sie mein Buch lasen, wie ich bald erfahren sollte.

An das erinnere ich zum Verständniß eines mir einJahr später zugestoßenen Ereignisses. An einem Sommer-tag des Jahres 1872 fuhr gegen Abend eine Droschkeerster Klasse bet mir in der Potsdamer Straße vor. Esstiegen aus derselben zwei Herren, die bald bei mirklingelten und eintraten. Zwei junge Herren, Gentlemendurch und durch, der eine fast blond, der andere brünett.Gerade der Blonde war es, der nur französisch sprach,der Brünette, der mehr romanisch aussah, stotterte auchetwas deutsch.

Mein Herr", hub der Blonde an,Sie sind mirals Kunde empfohlen worden, und so wollte ich Ihnen meinen Bordeaux-Wein, insbesondere den Palus em-pfehlen ich reise für das Haus G. in Bordeaux." Erüberreichte mir bet diesen Worten eine Karte mit Preis-Courant, per Oxhoft und dergleichen.

Aber wo denken Sie hin, meine Herren, Sie irrensich wohl in meinem Namen."

Gewiß nicht, Nonsisur 1s äostsnr, ich habe spe-ziellen Auftrag, Sie zu besuchen... der Palus ..."

Llcwsisur, Sie machen mich lachen ... ich habeeine Zunge für Palus, aber meinen geringen Bedarf be-ziehe ich von hier oder konsumire ihn gleich an Ort undStelle, bet Steinert und Hansen, 1,50 Mark."

^Mein Herr, ich nehme auch kleine Bestellungen an,vielleicht 60 Flaschen..."

Bitte, mein Herr, lassen wir das ... bewilligenSie etwa auch 12 Monate Ziel, wie meine nachsichtigenFreunde Steinert und Hansen?"

Gewiß auch das, Llonsieur 1s äsotsur."

Ich lachte laut auf. Wir sprachen noch über diesesund jenes, aber nicht mehr von Geschäften. Meine Gästeverließen mich bald mit höflichen Komplimenten. Dermerkwürdige Besuch beschäftigte mich hinterher noch einigeStunden. Ich begriff den Zweck nicht. Wer konnte sichden Spaß gemacht haben, mich einem französischen Wein-reisenden als guten Kunden zu empfehlen?

Schon am nächsten Morgen erhielt ich Aufklärung.Der Briefträger brachte mir ein Billet, auf dem in fran-zösischer Sprache geschrieben stand:

Mein Herr!

Ich habe mir die Sache überlegt und will Ihnensogar 2 Jahre Ziel geben. Ich würde mir alsdannerlauben, den Betrag persönlich einzuziehen, nicht alssolllnus-vo^aAsur, sondern als Kapitän, ,mit demdreisitzigen Käppi', der ,in der geschnöikelten Vareuseder Nationalgarde' (Anspielungen auf Ausdrücke inmeinem Buche) bei Bougival die Feuertaufe erhalten.Im Uebrigen besten Gruß vom Grafen Filippi. Ihmverdanke ich Ihre Adresse und damit die Gelegenheit,zum ersten Male einem echten preußischen Spion in'SAngesicht geschaut zu haben. Ich hoffe, Sie wieder-zusehen, ebenso wie den Lieutenant Jacobs, der unseren^.rv äs triowpks beschimpfen wollte. Das französische Banner auf dem Brandenburger Thore wird sich bessermachen, und die Berliner Laternenpfühle sind geradeso gebaut wie die Pariser. Ziel: zwei Jahre (höchstens).Genehmigen Sie die Versicherung meiner Hochachtung.

(Undeutlicher Name und darunter:)

Kapitän im 77. Infanterie-Regiment."

Dieser Brief befindet sich noch im Auswärtigen Amte.Ich übergab ihn dem Geh.-Rath Hahn. Die Frist deSAnfhängens hat sich bis heute noch verzögert. Ich erfreuemtch einer ausgezeichneten Gesundheit.

-.--ss-r-es-»-

Das Vierherz.

Von vr. Zehn der, Passau .

Nachdem in den letzten Jahren die Aufmerksamkeitder Aerzte und Nichtärzte besonders in Deutschland aufdas von Professor Bollinger zuerst in seiner Bedeutungerkannte Vierherz gelenkt worden ist, dürfte es gerecht-fertigt erscheinen, ein skizziertes Bild von der Entstehungdesselben zu entwerfen. Vergegenwärtigen wir uns denBlutkreislauf des menschlichen Körpers, so finden wir,daß das Herz aus zwei Vorhäfen und Höfen (Ventrikeln)rechts und links besteht. In oem rechten Vorhof sammeltsich das aus sämmtlichen Körpergegenden rückfließende unddurch den Stoffwechsel mit den Körpergeweben mit Kohlen-säure beladene Blut an, tritt in den rechten Herzbauch,von da in die Lungen, um hier die aus den Gewebenaufgenommene Kohlensäure an die Lust abzugeben undSauerstoff aus letzterer aufzunehmen, strömt dann in denlinken Vorhof und linken Herzbauch zurück, wird von dain die Körpergcwebe Wettergetrieben, um den Sauerstoffdenselben mitzutheilen, Kohlensäure wieder aufzunehmenund die alte Bahn von Neuem zu durchkreisen. Um nundie Entstehung des Bier-, Ochsen- oder Säuferherzens,wie der volle Titel lautet, in seinen Etappen zu ver-