Ausgabe 
(6.3.1896) 19
Seite
148
 
Einzelbild herunterladen

Herr Honorö .. l. ° Den Zunamen des letztem konnteich nicht verstehen; denn der Dircltor sprach ihn mit leiserStimme aus und gerade in dem Augenblick, als derDiener die Zimmcrlhür mit Geräusch öffnete und meldete,daß das Frühstück angerichtet sei.

Man setzte sich zu Tische. Herr Honorö hörtewährend des Frühstücks nicht auf zu sprechen und vonsich selbst zu erzählen.

Ich habe bis jetzt noch nichts als schlechte Ro-mane geschrieben," sagte er.Die hundert Bünde, welchemeine verschiedenen Pseudonyme führen, sind ich ge-stehe es unförmliche Versuche. Die Berühmtheit, dieAkademie und vorzüglich der Reichthum erwarten michindessen und werden ihre Gunst von dem Tage an übermich ausschütten, wo ich mich stark genug fühlen werde,um meine Werke unter meinem wirklichen Namen er-scheinen zu lassen. Nun, dieser Tag steht nahe bevor."

Nachdem er diese-Thesis festgesetzt hatte, erging ersich in den glänzendsten und unmöglichsten Träumen,baute Luftschlösser von Gold und Diamanten und über-ließ sich ebenso belustigenden als abgeschmackten Utopien.

Herr de Sauniöres sprach im Gegentheil währenddes Mahls nur wenige Worte, that dies indessen .aberimmer mit so viel Zurückhaltung wie Geist.

Während man den Kaffee servierte, neigte sich Es-quirol zu mir und sagte mir ins Ohr:Mein Lieber,Sie haben eben mit einem Narren und einem Mannvon Genie gefrühstückt; welcher ist der Narr?"

Mein Gott, da bedarf es keines langen Nach-denkens, Herr Honorö ist es."

ESquirol biß seine Lippen spöttisch zusammen undunterdrückte ein Lächeln.

Und Herr de Sauniöres?"

Ich halte ihn für einen vollendeten Edelmannund, so viel ich nach dem wenigen, was er gesprochenhat, urtheilen kann, für einen sehr hellen, ernsten Geist."

Herr Honorö de Balzac ist ein junger Schrift-steller von einer sehr großen Zukunft. Was HerrnSauniöres betrifft, so bewohnt derselbe seit fünfzehnJahren das Irrenhaus zu Charenton als Pensionär,d. h. als Geisteskranker; er hält sich für Gott denVater."

ALLexLeS.

Was kein Verstand der Verständigensieht." Die Allg. Schweizer-Zeitung berichtet: Ein St.Gallcr Büblein schaute im verwichenen Sommer bei derKaserne in St. Gallen dem Exerzieren zu und hörte, wie derinstruierende Officier eine Fülle von sogenannten Kraft-worten über die Mannschaft ausschüttete; das vier- bisfünfjährige Knäblein ging zum Osficier hin, nahm ihn,demokratischen Gefühles voll, am Aermel und sagte:Sie, Herr Officier, Sie münd nüd e so fluche, sus(sonst) lerned's d'Soldate o (auch)." Der Angeredetemußte zweimal Achtung kommandieren, bis das Gelächtersich legte. In dieser Richtung ist auch eineAnekdote interessant, die Graf Leo Tolstoi in einerrussischen Zeitung erzählt: Im Jahre 1820 beschlossendie Officiere des Regiments Semenofsky, die Blüthe derdamaligen russischen Jugend, die körperlichen Züchtig-ungen in ihrem Regiment abzuschaffen, und bei allerStrenge des Dienstes zu jener Zeit blieb dasselbe nachwie vor ein Muster-Regiment. Einer seiner Chefs traf

eines Tages feinen Kollegen Sergins Jvanovitsch Mura-wieff einen der besten Männer seiner Zeit undbeklagte sich gegen ihn über einen seiner Soldaten, einenTrunkenbold und Dieb, indem er hinzusetzte, daß fürBurschen dieses Schlages es eben doch kein anderesMittel gebe, als Knutenhiebe. Sergius Jvanovitsch aberwollte dies nicht zugeben und erbot sich, den Soldatenin sein Bataillon zu übernehmen. Der Uebergang fandstatt, und schon am andern Tage stahl der fraglicheSoldat einem Kameraden ein Paar Stiefel, betrank sichund lärmte. Sergius ließ ihn vor die Front treten undredete ihn so an:Du weißt, daß man bet mir nichtprügelt, also werde ich auch Dich nicht prügeln lassen.Die Stiefel, die Du gestohlen hast, werde ich aus meinerTasche bezahlen; aber ich bitte Dich, in Deinem undnicht in meinem Interesse, ein wenig über DeineLebensweise nachzudenken und sie zu ändern." Nacheinigen Tagen betrank sich der Mann wieder und betrugsich lärmend. Und sein Chef strafte ihn wiederum nicht,sondern begnügte sich, ihm zu sagen:Du thust nurDir selbst Unrecht mit Deinem Betragen; aber wennDu versuchst, Dich besser zu führen, so wirst Du dieguten Wirkungen sehen. Ich bitte Dich also, in Zukunftkeine solchen Dummheiten mehr zu machen." Der Mannaber war so sehr von dieser Behandlungsweise betroffen,daß er in der That sein Betragen vollständig änderteund ein Mnstersoldat wurde.

*

Der Schlangentödter von Le Puy . InFrankreich lebt, wie man aus Le Puy meldet, ein weit-hin im Lande bekanntes Original, Namens Courtel, ge-meinhinder Viperntödter" genannt. Gelegentlich desJahrmarktes von Saint-Andrö hatte er auf dem Platzeeine Bude errichtet, wo er sich, mit einem vollständigen An-zug aus Schlangenhaut bekleidet, dem Volke zeigte.Rock, Gilet, Pantalon, Gesichtsmaske, Kravatte und dervon vier Natternschwänzen überragte Spitzhut waren ganzaus den Häuten dieser Kricchthiere angefertigt. Wieer erzählte, hat er für die Anfertigung dieses seltsamenKostüms 900 Bälge verwendet. Seit Beginn des Jahres1889 bis zum heutigen Tage hat er bei der Präfektur9175 Köpfe dieser giftigen Thiere hinterlegt. Im Jahre1883 hat er allein 2502 Ottern getödtet, wofür ihm diePräfektur 60 Centimes (40 Pf.) per Kopf auszahlte.Man scheint indeß gefunden zu haben, daß er zu vielverdiene, und setzte in der Folge den Preis auf die Hälfteherab.

*

Boshaft. ... O, ich kann auch sehr jähzornigsein; sieht man mir das nicht and"Ihnen nicht aber Ihrem Lehrbuben!"

-l-v-Ir-- 77

ßrgäitzrtttgsraMr.

or So r! vu xv ms ru an k§

Aus vorstehenden neun Buchstabenpaarcn sind 9 Wörterzu bilden durch Hiuzufügung eines Buchstabens vorn und hinten.Diese Wörter haben folgende Bedeutung: Pflauzcntheil, Begriff,griechische Göttin, griechischer Wecker, böhmische Stadt, Ortschaftin Tirol, Falschheit, Kirchcnstrafe, schweizer Berg. Die hinzuge-fügten Buchstaben ergeben im Zusammenhang ein Sprichwort.

Auflösung dcS Räthsels in Nr. 18:

Teich Teppich.