Ausgabe 
(10.3.1896) 20
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nicht vergönnt, Euch zu warnen. Doch Ihr versteht michwohl nicht. Ihr könnt nicht wissen, daß ein unbedeu-tendes Mädchen wie ich in Dinge eingeweiht ist, vordenen das Herz eines Mannes erbebt. Ich bin EuchRechenschaft schuldig über meine Worte sowohl wie übermein Handeln, und ich will sie Euch geben; wer weiß,ob dies nicht die letzte Frist ist, die mir hierzu dasSchicksal gewährt."

Mehrere Offiziere kamen des Weges. Um sich denneugierigen Blicken derselben zu entziehen, verließ Georgmit Marion die Straße und schlug an hohen Taxus-hecken entlang einen Seitenweg ein. Im Weiterschreitenerfuhr er, daß das Mädchen mit der alten Elsbeth,welche er durch das Abenteuer bei Pilsen kennen gelernthatte, sich schon seit acht Tagen in Eger befand. Leferrierhatte die Buden von Prag vorausgeschickt mit dem Ver-

sprechen, bald nachzukommen. Bis zur Stunde war ernoch nicht eingetroffen. Zu weiteren Mittheilungen reichtedie Zeit nicht, da Georg vom Festungs -CommandantenKordon zu einer Besprechung erwartet wurde. DieBeiden trennten sich, nachdem der junge Mann auf denAbend einen Besuch in der Herberge Marion's zuge-sagt hatte.

Kaum hatten sie sich entfernt, als hinter der Taxus-hecke der Kopf Donald-Devereux' erschien.Seine Augen funkeltenwie die eines Raub-thieres.So weit schonbist du, mein Täub-chen?" knirschte er.Nurgemach, bei dieserSchäfe.stunde will ichauch sein. Fast könnteman meinen", stieß erdann mit einem Fluchehervor,dieser Menschstehe mit dem Satanim Bunde. Wie oftschon hat er unserePlänegekreuzt, wievieleFallenlegten wir ihm, undimmer noch kam er mitheilen Knochen davon.Doch diesmal muß erdaran!"

Er schwang sich überden Zaun und kehrtein den Hof der Cita-delle zurück, wo MartinKametsch in ungedul-diger Erwartung aufund ab ging. DerHauptmann schloß sichihm an. Wohl einehalbe Stunde lang setz-ten die beiden untereifrigem Zwiegesprächden einförmigen Gangfort. Endlich reichtensie sich wie zur Be-kräftigung eines Ver-sprechens die Hände.

Die Aufklärungen,welche Georg Selkowvon Gordon über dieblutigen Ereignisse desvergangenen Abends be-kam, waren durchausnicht geeignet, seineErbitterung gegenLeßliezu vermindern, und er war deshalb fest ent-schlossen, den heimtückischen Mörder am nächsten Morgenaufzusuchen und vor seine Klinge zu fordern. Mit die-sem Vorsatz beschäftigt, machte er sich Abends auf denWeg nach der Herberge zum goldenen Hirsch, Marion'sQuartier, das auf der Nordseite der Stadt, ganz naheam Flusse, lag. Tiefe Stille herrschte um das unterBäumen verborgene Haus. Nur auf die Front fiel aus

Oenli, da kommen sie!

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