Die Wallfahrt Steinbach Lei Grönenbach.
(Mit Illustration.)
(Nachdruck verdorr,..^
Zwischen Memmingen und Kempten , am Rande einesweiten Hochplateaus und fast unmittelbar am linken Uferder Jller, unweit des schönen Ortes Lautrach und gegen-über dem hochgelegenen, die Gegend beherrschenden SchlosseKronburg , nahe der württembergischen Grenze liegt dassehr alte Dorf Stcinbach.*)
Dasselbe gehörte schon im 12. Jahrhundert mitseiner dem hl. Ulrich geweihten Kirche dem ehemaligenPrämonstratenser-Stifte Roth oder Mönchsroth , OberamtsLeutkirch, im heutigen Königreich Württemberg , und sollder Chronik der Truch-sessen von Waldburg zu-folge vorher dem Berchtoldvon Laupheim , einem Va-sallen des Grafen vonHochenberg, zugehörig ge-wesen sein.**) Abt Konradvon Roth ließ 1510 diePfarrkirche zu Steinbachneu erbauen, und wurdedieselbe im Jahre 1519von dem WeihbischofeMelchior von Konstanz zuEhren des hl. Ulrich undder hl. Verena eingeweiht.
Im Jahre 1723 erhielt diePfarrkirche eine Partikeldes hl. Kreuzes von demAbte Herrmann zum Ge-schenk, welche an den Frei-tagen zur öffentlichen Ver-ehrung ausgesetzt wurde.
Einige Jahre später wurdeein großes hölzernes Kreuzüber dem Hochaltare derKirche aufgestellt, welchembald darauf die Statuender schmerzhaften Gottes-mutter und des heiligenJohannes folgten. DieStatue der Mutter Gottesstammte aus der Kloster-kircheMönchsroth, und wares vorzüglich diese Statue,wegen welcher die Pfarr-kirche zu Stetnbach von
Wallfahrtskirche Ktetnkach.
stoß erregenden Andachten und die überschwängltche Ver-ehrung des Gnadenbildes. Das hierwegen erlassene Dekretaus Konstanz vom 4. Dezember 1730 drang auf Ent-fernung des Marienbildes; das Stift Noth aber ließ dieseSache nicht beruhen, sondern wendete sich an die päpst-liche Nuntiatur in Luzern , welche nach durchgeführterUntersuchung und auf Grund der von den in der NäheSteinbachs angestellten Geistlichen und Beamten einge-holten Zeugnisse am 1. April 1733 zu Gunsten desStiftes entschied und die Belastung der Muttergottes-Statue in der Kirche zu Steinbach erlaubte. Nunmehrsah sich auch das bischöfliche Ordinariat von Konstanz veranlaßt, die Vorgänge in Stcinbach einer genaueren
Untersuchung zu unter-ziehen, und ernannte hiefür eine eigene Kommission,welcher auch zwei Kunst-verständige zur Unter-suchung des Gnadenbildes,nämlich die Maler MartinZink von Kempten undJosephFörg vonAichstetten,beigegeben waren. DieKommission kam am 7.September 1733 in Stein-bach an. Nach eidlicherVernehmung von überhundert Zeugen, derenName, Stand und Wohn-ort sich getreu aufgezeich-net finden, erklärte dieseKommission die Wahrheitder geschehenen Wunder alserwiesen. Das auf die Er-gebnisse dieser Untersuch-ung sich gründende ober-hirtliche, von dem BischöfeJohann Franz von Kon-stanz , nachmals auchBischofvon Augsburg , unterzeich-nete eingehende Dekret vom19. Dezember 1733 findetsich im Sulzbacher Kalenderfür katholische Christen,Jahrgang 1853 Seite 98,in seinem ganzen Wort-laute abgedruckt.
erbaute nunmehr auch eine
einer sich immer mehrenden -Aufnahm. °°n s. B°°der. PH°.°g°°P»Im «rumbach. iB°rMEMguns-r-ch. °°.b-h.l^eue größere Pfarrkirche,
Zahl Andächtiger besuchtwurde, um so mehr, da auch Erzählungen von wunder-baren Gebetserhörungen und plötzlichen Heilungen körper-licher Gebrechen und Leiden laut wurden.
Daß sich hiedurch die Pfarrkirche bald zu einer förm-lichen Wallfahrtskirche umwandelte, darf nicht Wundernehmen; aber gegen dieselbe erhoben sich alsbald Klagenbei dem bischöflichen Ordinariate Konstanz , welchem diePfarrei Steinbach damals unterstellt war, über die An-
Dasselbe ist vom Markte Grönenbach aus auf gutem,ausfichts- und abwechslungsreichem Pfade in leicht 2 Stundenzu erreichen.
**) Nach Andern gehörte es den Edlen von Wildenberg und ging von diesen an das von denselben im Jahre 1126 ge-stiftete Kloster Roth über. (Bavaria.)
welche im Jahre 1753 voll-endet wurde. Diese Kirche, welche mit sehr vielen Freskengeschmückt ist, enthält auch eine bedeutende Arbeit desfürstlichen Hofmalers Franz Georg Hörmann aus Kempten ,welcher den Plafond des mittleren Schiffes mit einergroßartigen und eigenthümlichen Zusammenstellung desAlten und Neuen Testamentes schmückte.
Die Wallfahrt blieb seither immer in Aufnahme.Es werden jährlich etwa 40,000 hl. Kommunionen aus-getheilt und über 12,000 hl. Messen gelesen. Vor Auf-hebung des Stiftes Roth waren fünf Geistliche an derWallfahrtskirche angestellt, jetzt sind es deren noch drei.