Ausgabe 
(13.3.1896) 21
Seite
157
 
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-8 21.

Irettag, den 13. März

189k.

Für die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg .

Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Vorbefitzer vr. Max Huttler ).

Die Astrologen.

Historischer Roman aus der Zeit deö dreißigjährigen Krieges.

Don Max Benno.

(Schluß.)

Als er in's Freie trat, wurde auf einer Bahre derKörper Donald-Devereux' fortgetragen. Er trat näherund erkannte den Todten sofort. Eine Ahnung stiegin ihm auf. Er gedachte der grimmigen Eifersucht diesesMannes, des durch ihn vereitelten Entführungsoersuchsbei Pilsen , und auf einmal war für ihn das Abenteuererklärt. Leßlie schickte sich eben an, den Unglücksplatzzu verlassen, da gewahrte er Georg. Er schritt aufihn zu.

Herr Hauptmann", sagte er mit erzwungener Ruhe.Ihr habt mir einst das Leben gerettet. Ich wurde da-durch Euer Schuldner. Nun sind wir quitt. Meineigenes Schwert hat mir eine schwerere Wunde geschla-gen, als eS je ein Schwedenhieb zu thun vermocht hätte.Der arme Fritz! So rücksichtslos er sonst seinen Weggehen mochte, für den Onkel trug er ein treues Herz inder Brust. Ich kann mir denken, was ihn zu einemAngriff auf Euch bewog. Ich kannte seine Leidenschaftund seinen Groll; sie rissen ihn fort, und mein Armmußte es sein, der eine so furchtbare Strafe an demeigenen Fleische vollzog."

Georg maß den Oberstwachtmeister mit einem drohen-den Blick.

Der Dienst, welchen ich Euch einst geleistet", ent-gegnete er,hätte keiner Vergeltung bedurft. Schaut inEuer Gewissen, denkt an die letzten vierundzwanzig Stun-den, und Ihr werdet mehr als genug die Ursache dafürfinden, daß die Rache des Himmels Euch traf."

DeS Himmels Rache?" wiederholte Leßlie.Viel-leicht habt Ihr Recht. Ich haßte den Friedländer mitallen Fasern meines Herzens, so glühend und grenzen-los, wie nur ein menschliches Gemüth Haffen kannwarum, brauche ich Euch nicht zu sagen; Ihr selbst habtdie Qualen jener Stunde gefühlt. Ich konnte nichtoffen mit dem Schwert in der Hand vor ihn treten,weil er ein Gewaltiger war und ich ein Knecht; deshalbhabe ich es mit andern Waffen versucht. Ich siegte, erunterlag fast in jedem Stück das ganz gleiche Verhältniß,wie bei dem Spiele, das er mit dem Kaiser, seinemHerrn gewagt hat, nur mit anderm Erfolg. Ihr habtden Herzog gekannt, Hauptmann; legt die Hand auf'sHerz und nennt mich einen Lügner, wen« ich behaupte:

Wallenstein hätte an meiner Stelle das Gleiche gethan-Ich habe mir viele Feinde gemacht", fuhr Leßlie fort,'als Georg schwieg,doch ich frage nicht viel danach."Auch Ihr zürnt mir, was ich Euch nicht verdenke. Ihrseid noch jung, Ihr habt die Welt noch nicht auf derhäßlichsten Seite geschaut und messet mit einem andernMaße, als ich. Aber tief schmerze» würde es mich,wenn Zhr im Groll von mir ginget. Ich gewann Euchlieb, Haupimann, aufrichtig lieb. Mein schwer geprüf-tes Herz ist noch der Liebe fähig, wenn es auch fürhart und menschenfeindlich gilt. Unsere Wege trennensich jetzt: vor Euch liegt der Tag mit Glück und Sonnen-schein, meiner wartet die Nacht. Reicht mir zum Abschiedin Frieden die Hand; eS wird für dieses Leben wohldas letztem«! sein."

Ohne die dargebotene Rechte zu ergreifen, starrteGeorg vor sich hin. Daß Leßlie's Augen mit flehende«Ausdruck auf ihm ruhten, beachtete er nicht. Aber einanderes Bild tauchte vor seinem Geiste empor. Erglaubte die edle Gestalt des Pater Vincenz zu sehen,und die Lehren, welche der ehrwürdige Greis ihm ein-gepflanzt hatte, zogen als Friedensboten in sein grollen-des Herz. Eine wohlbekannte Stimme flüsterte ihm zu:Die Liebe sei Dein höchstes Gebot; mein ist die Rache,spricht der Herr; greife der Hand des Ewigen nicht vor!"

Sein gutes, versöhnliches Herz gewann den Steg.Lebt wohl, Leßlie", rief er,ich will vergeben und ver-gessen, und wünsche auch Euch, daß Ihr zu vergessenvermögt."

Rasch wandte er sich ab und verschwand im Dunkelder Nacht.

In Gedanken über die bedeutungsvollen Ereignisseder letzten Tage vertieft, durchmaß der Hauptmann amfolgenden Morgen sein Zimmer. Er fragte sich, ob erbei Marion einen Krankenbesuch machen solle; doch inder Voraussetzung, daß sie ihn zu gelegener Zeit selbstrufen werde, stand er davon ab. Da kam der Festungs-Commandant Gordon zu ihm. Derselbe bedauerte dieVorkommnisse des vergangenen Abends, setzte sich aber,als er Georg's Zurückhaltung bet seinen Fragen überdie Angelegenheit sah, mit unverkennbarer Befriedigungmöglichst schnell über die leidige Sache hinweg, so daßdes Hauptmanns Donald-Devereux kaum Erwähnunggeschah.

Diese Wahrnehmung gereichte Georg zu großer Be-friedigung. Er glaubte daraus den Schluß ziehen zu