fen. Er, der Dir das Leben nahm, hat auch unsereThränen hinweggenommen, aber Du ruhest nun inAbrahams Schooß, wo der Tyrann Dich nicht mehr er-reichen kann. Du bist vom Bösen hinweggenommen.Du siehst nicht mehr, wie Jerusalem niedergetreten istvon den Heiden, noch die Gräuel der Verwüstung imHeiligthum des Herrn. Wie Jsaak auf den Altar gelegtwurde, so gabst Du Deinen Leib dem Tode, und DeinOpfer ist angenommen worden. Wie das dürre Holzvon AaronS Ruthe, welche, abgeschnitten von dem Stamme,auf welchem sie gewachsen war, dennoch grünte undFrüchte trug, so wirst auch Du, der Du in der FülleDeiner Jugend abgeschnitten bist, für immer in unsermGedächtniß blühen. Die heiligen drei Knaben gingenunversehrt in den feurigen Ofen, der siebenmal geheiztwar. Er, der mit ihnen war, ist sicherlich auch mitDir; und der Engel des Todes hat Dich vom Feuerunverletzt hinweggeholt, ausgenommen diese Bande desFleisches, die der freie Geist dahinter gelassen hat.Einen todten Körper zu berühren, wird sonst für Be-fleckung gehalten; den Deinen zu berühren, sehe ich eherals eine Heiligung an. Denn es ist ein heilig Ding,welches Du freiwillig Deinem Gott geopfert hast.«
(Fortsetzung folgt.)
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Quellen und Brunnen in Beziehung zurKunst und Geschichte.
Von Max Fürst.
(Schluß.)
Kaum keimten an den unteren Wasserabläufen desWittclsbacher-Brunnens die ersten grünen Algen', als einmuthwilliger, bronzcgrüner Junge an einem anderenBrunnen die Gemüther vieler Münchener und Münche -nerinnen in erneute Aufregung versetzte. Wie man frühereinmal von Seite der hohen Polizei die leibhaftigenJungen des bekannten Malers Diefcnbach ob ihrer weit-gehenden Vergehen gegen die Klciderordnnug energisch zurOrdnung rief, so wurde in jüngster Zeit auch der Erz-Schlingel des Bildhauers Gasteiger des gleichen Ver-gehens wegen zur Anzeige gebracht und zur Rechenschaftgezogen. Zur Entschuldigung des letzteren Jungen ließesich immerhin manch' triftiger Grund ausfindig machen;zunächst sicherlich der, daß man dem Knaben nicht dieleiseste Absicht anmerkt, er wolle irgend Jemanden ver-stimmen. Außerdem ist es ja hinlänglich bekannt, daßLeute, die im und am Wasser sich zu schaffen machen,in der Regel etwas legere sich bewegen. Man kanndieses ganz besonders am Strande von Neapel sehen,von dem wir Münchener allerdings — besonders in derWinterszeit — sehr weit entfernt uns fühlen. Diesethatsächliche Entfernung des so viel gepriesenen Südensglauben nun — und sei es auch nur zum Scheine —viele Bildhauer und Maler dadurch mindern zu müssen,indem sie mit Vorliebe in ihren Werken die fraglicheSüdlands-Mode des theilweisen oder gänzlichen Kleider-mangels zur Verwerthung bringen. Dieser Künstlerbrauchist jedoch nicht von heute und nicht von gestern. Geradeim benachbarten Augsburg , der altberühmten Stadt, auswelcher die Weiser stammen, zeigen mehrere prächtigeBrunnen sehr stark südliche Sitte und Mode. Wir er-innern zunächst an die Gestalten, welche auf dem vonAdrian de Erics geschaffenen Herkules-Brunnen Platz
genommen haben. Dort macht sich u. a. eine kleidn-scheue Frau damit zu schaffen, die Wasserfeuchten Strähnenihres Haares auszuwinden — dennoch hat in diesemAugSburger Brunnen bisher noch Niemand ein Haargefunden.
Was den Gasteigerbrunnen anbelangt, so wundertmich in allem Ernste nur das Eine, daß der Name desKünstlers, der das Werk gespendet, nicht einen Fingerzeiggeboten hat, den Brunnen dort aufzustellen, wo er sicheram günstigsten gewirkt hätte — in unseren herrlichenGasteig-Anlagen. Dort würde er, seinem ganzen Wesenentsprechend, einen mehr arkadischen Landschastsrahmen ge-funden haben, als im prosaischen Alltagsgetriebe des lärm-erfüllten Karlsplatzes.
Genugsam haben wir bisher die engen Bande er-örtert, welche die Bildhauerei mit dem Wasser verketten.Viel mehr noch als die bildende Kunst hat sich aber —wie wir dieses schon im Eingänge flüchtig angedeutet —die Dichtkunst mit dem Wasser in Beziehungen gesetzt,so daß es wohl am Platze ist, schließlich das Augenmerknoch etwas näher diesem poetischen Verhältniß zuzuwenden.Die begnadete Schaar derer, die durch einen Trunk vomkastalischen Quell Begabung und nicht selten auch Un-sterblichkeit sich geholt, hat wohl vor Allem Ursache, dashohe Lied von der Bedeutung des Wassers anzustimmen.Allerdings ist die Verehrung, welche die Dichter für dasWasser hegen, meistens sehr platonischer Natur. WennPindar singt: „Das Beste ist das Wasser", so wissen wirdoch nicht genau, ob er dasselbe Hiebei als Getränke imAnge hatte. Zumeist bietet das Wasser den Dichternnur die Bilder, um ihre Ideen und Gedankenfluthen zuverkörpern. Die ganze, volle Wasserscala der Welt, vomTropfen an, der als Thauperle auf der Blume oder alsThräne im Menschenauge glänzt, bis hinauf und hinauszum unermeßlichen Ocean, ist schon viel hundert- undtausendmal in das Reich der Dichtung hereingezogenworden. Am wenigsten sparsam mit dem Wasser beliebenvor Allem die sogenannten Weltschmerzdichter umzugehen.Noch ist der Hydrometer nicht construirt, der die Wasser-mengen anzugeben vermöchte, welche oft schon ein ein-zelner Dichter dieser Gruppe verbraucht hat. Kleine undgroße Geister tummeln sich mit eigenartiger Vorliebe anund über dem Wasser, gleichsam als wie ein Reflexvon jenem Geiste, der am Anfange der Dinge über denWassern schwebte. „Wie die Säule des Lichts auf desBaches Welle sich spiegelt", so glitzern und schimmernthatsächlich die dem Wasser entlehnten zahllosen Bilder.„Fließend Wasser ist der Gedanke", sagt E. Geibel , undder im Erfassen aller Erscheinungen so mächtige Goethespricht die schönen Worte:
Des Menschen SeeleGleicht dem Wasser;
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es.
Ein anderer Satz: „Alles was oben ist, spiegeltdas Wasser", wird sicher von Jedermann als eben sowahr anerkannt. Im Hinblick darauf konnte JohannesSchrott die hochpoetische Aeußerung machen:
Das Wasser ist der Sonne Braut,
In dem sie liebend sich beschaut!
Allerdings gibt es auch Wasserläufe, zu denen keinSonnenstrahl grüßend hinabdringt, Wasserläufe, von denenman gut thut zu sagen:
Begehre nie und niinmer zu schau'n,
' Was die Götter bedecken mit Nacht und mit Grau'nl