Wir detiken da nicht bloß an grauenvolle Meeres-tiefeu oder an die geheimnißvoll fließenden Wasser in denHöhlen des Karstes, wir denken da zunächst auch an dieriesigen, mit modernem Schwemmsystcm versehenen Kanal-netze, wie sie jetzt unterirdisch fast alle größeren Städte durch-ziehen. Neidlos überläßt hier der ehrgeizigste und hab-süchtigste Mensch den Wassern der Tiefe eine Aufgabe,die eine der gewaltigsten ist, welche geheime Naturkrästezu lösen vermögen. Merkwürdig, was die Herren Ge-lehrten, was Professor Pettenkofer und seine Schüler inlangen, umfassenden Darlegungen über die so überausverdienstliche Thätigkeit des Wassers hinsichtlich seinerSelbstläuterung uns sagen; das hat der letzterwähnteDichter I. Schrott schon vor Jahren in ganz wenigen,einfachen Worten zum Lobe des Wassers ausgesprochen:
Mag auch die Erde viel an ihm verüben,
Sie kann dasselbe niemals lange trüben.
Da schon manchmal ein kräftiges Dichterwort ebensoüberzeugend gewirkt hat, als die gelehrtesten Thesen, sosei obiges Citat — der Dichter wird es uns wohl ver-zeihen — zur besonderen Beruhigung isarabwärts gerufen,von wo so Viele noch mißtrauischen Blickes nach jenemdunklen Punkte schauen, der auf Fröttmanings schweig-samen Gefilden die Stelle kündet, wo Münchens Orkusseinen Ausgang nimmt. Wenn somit in der letzt vor-geführten, gar heiklen Angelegenheit eine merkwürdige,erfreuliche Uebereinstimmung des Poeten mit dem Physikerzu constatiren ist, so ist es um so erklärlicher, daß ausder Verwerthung des Wassers von Seite der Dichter auchandere Disciplinen, vor Allem die Pädagogik und Mora-listik, besonderen Gewinn zu ziehen vermocht haben. Ab-gesehen von der einzigen — überdieß nur von überängst-lichen Leuten betonten — üblen Eigenschaft: daß dasWasser „keine Balken" hat, sind die weisen Lehren undNutzanwendungen, welche aus dem Wasser gezogen werdenkönnen, in der That unversiegbar. Daher mag es auchkommen, daß fast alle Wortbezeichnungen, welche auf dasWasser Bezug haben, auf die mannigfachen Erscheinungendes menschlichen Geistes- und Gemüthslebens übertragenwerden konnten.
Auch bei umfassenden Lehrgedichten, bei literarischenZeit- und Sittengemälden früherer Zeiten mußte alsgeeignete Basis zur Entfaltung der Gesammtidec mehr-fach das Wasser herhalten. Erklärt doch Sebastian Brandt in der Vorschrift zu seinem berühmten „Narrenschiff",daß er für den Transport seiner verrückten Schaaren denWasserweg gewählt habe, weil die Landwege viel zu un-genügend sich erweisen dürften, um alle Narren entsprechendbefördern zu können. Ob wohl die Narren im SinneSeb. Brandt's heute weniger geworden? Ich bezweiflees. — Welche Anerkennung, welch' anspornende Ermuthi-gung für die Thätigkeit aller Kanalvereine ist nicht inder Anschauung Brandt's geboten! Bei solch'ausgiebigerPropaganda für Wasserstraßen, wie sie im besagten„Narrenschiff" zu Tage getreten, dürften wohl noch nach-träglich alle Kanalvereine der alten und der neuen Weltden ehrengeachteten Herrn Sebastian Brandt zu ihremEhrenmitglieds ernennen. — Auch Schiller hat in einemVielsagenden Distichon das Wasser gewissermaßen zurGrundlage gewählt, um einen ernsten und wahren Ge-danken daraufzustellen:
An den Ocean schifft mit tausend Masten der Jüngling,
Stm im geretteten Boot treibt in den Hafen der Greis.
^Prägnantster Ausdruck, als er hier geboten, kann dem
Riesenkapitel der Enttäuschungen und zerronnenen Hoff-nungen wohl nicht mehr geliehen werden.
Vielleicht sind meine verehrten Zuhörer heute eben-falls um eine Enttäuschung reicher geworden, indem siein dem Glauben hieher gesteuert, ein trautes Eiland be-haglicher Unterhaltung hier vorzufinden.
Wenn demnach diese oder jene meiner Ausführungen,mancher Erguß meiner Laune Ihnen wenig oder nichtzugesagt, so kann ich trotzdem nicht empfehlen, daß SieWasser aus dem Lethestrom darübergießen. Schon aussanitären Gründen ist es nicht mehr angezeigt, diesemWasser sich zu nahen, denn es ist schon zu viel — undmanchmal recht unappetitliches Zeug — in dasselbe ver-senkt worden. Ich will daher ein anderes Mittel erproben.Da ja schon einmal ein bedeutender Dichter einige seinerVerse einfach selbst energisch abgewiesen hat, so kann ichum so leichter dessen Worte mir aneignen, indem auchich meinen Ausführungen zurufe:
„Ihr wart ins Wasser eingeschrieben,
Eo fließt denn auch mit ihm davon!"
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KLLeNÜetz.
Ueber das Wachsthum einzelner Baum-arten sind, der Freis. Ztg. zufolge, im Garten desHospitals zum Heiligen Geist in Berlin interessanteBeobachtungen gemacht worden. Es wurde dort einegrößere Zahl von Baumarten in durchweg 4 Centimeterstarken Exemplaren vor zehn Jahren in Sandboden ein-gepflanzt. Das größte Wachsthum zeigten die Pappel-arten. Die Balsampappel (?oxu1us lmlrmmikörg.) er-reicht eine Höhe von 14 Meter und einen Durchmesservon 33 Centimeter bei 0,50 Meter Höhe, die Silber-pappel (k. Äi-ssöutsa) eine Höhe von 11 Meter beieinem Durchmesser von 32 Centimeter. Bei der kana-dischen Pappel (k. cmrmäsimio) betrug die Höhe 12 Meter,der Durchmesser 32 Centimeter. Am schnellwüchsigstenneben den Pappeln erwiesen sich die verschiedenen Ahorneund die amerikanische Nüster (Ulmns amsrivLna). Dieentsprechenden Maße stellen sich bei der letzteren auf 10Meter und 25 Centimeter, beim eschenblättrigen Ahorn(Xosr Äe§unäc>) auf 8 Meter 17 Centimeter, auf 10Meter und 25 Centimeter beim rauhfrüchtigen Ahorn(L. äaszeaarxrim) und Spitzahorn (X. platanoiciss);dieselbe Höhe erreichte der gemeine Ahorn (^.. I'ssuäo-xlntanrm) bei einem Durchmesser von 18 Centimeter.Die Beobachtungen ergaben zugleich lehrreiche Aufschlüsseüber den Empfindlichkeitsgrad der verschiedenen Baum-arten gegen enge Pflanzung. Linden erreichen im Ge-büsch nur acht Centimeter, freistehend dagegen genau dendoppelten Durchmesser, die Akaze desgleichen 12 Centi-meter bezw. 17 Centimeter, die Roßkastanie 8 Centimeterbezw. 20 Centimeter. Das langsamste Wachsthum zeigtenl^inrocrlaäus und Praxirmo (Eiche); diese brachten eSdurchweg nicht über einen Durchmesser von 8 Centimeter.Die Gewichtszunahme war bei allen Baumarten einegleiche; es wurde etwa das Hundertfache des Ursprüngelichen Gewichts erreicht.
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Frage: „Was ist für ein Unterschied zwischen einemReifenspiel und dem Examen?" — Antwort: „Im Reifen-spiel fallen die Reifen durch, im Examen die Unreifen."
—— -HZUSA--—