Ausgabe 
(21.3.1896) 24
Seite
180
 
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ist nicht die Sonne der Gegenstand der Aufmerksamkeitder unter uns versammelten Menschen, sondern wir,hier oben auf diesem Gerüst, in diesen eselhaften Tep-pichen. 250 fein gekleidete Herren und Damen starrenuns an und kümmern sich kein Haar nm Sonnenauf«oder Niedergang, so lange wir ihnen ein derartigesläckierliches Schauspiel bieten. Die ganze Gesellschaftwill ja vor Lachen bersten, und das junge Mädchen dortwird nächstens platzen. In meinem Leben ist mir keinsolcher Mensch vorgekommen wie Sie!"

Was habe ich denn gethan?" erwiderte ich erregt.

Sie sind um halb 8 Uhr abends ausgestanden,um den Sonnenaufgang zu sehen, ist das nicht genug!?"

Und haben Sie nicht dasselbe gethan? möchte ichwissen; ich bin immer mit der Lerche aufgestanden, bisich unter den versteinernden Einfluß Ihres ausgetrocknetenGehirns kam."

Schämen Sie sich nicht, in diesem Aufzug aufeinem vierzig Fuß hohen Schaffst auf dem Gipfel derAlpen zu stehen, unter uns eine endlose Zuschauermenge?Ist das der Schauplatz für derartige Expektorationen?!"So ging der Streit in diesem Maskenanzug fort. Alsdie Sonne untergegangen war, schlichen wir uns insHotel zurück und wieder zu Bett. Wir begegneten demHornbläser auf dem Wege dahin, und er versprach, unsmorgen sicher zu wecken.

Er hielt Wort, wir hörten das Alphorn und standensofort auf; es war finster und kalt. Als ich nach demZündhölzchen umhertappmd mit schlotternden Händeneine Anzahl Dinge zerbrach und zu Boden warf, wünschteich, die Sonne möchte bei Tag aufgehen, wo es hell,warm und angenehm ist.

Es gelang uns endlich, uns bei dem zweifelhaftenLicht zweier Kerzen anzukleiden; doch konnten wir mitunsern zitternden Händen nichts zuknöpfen; ich überlegtewieviel glückliche Menschen in Europa, Asien, Amerika rc. jetzt friedlich in ihren Betten ruhten und nicht auf-zustehen brauchten, um den Rigi - Sonnenaufgang zusehen. Ja diesem Gedanken versunken, hatte ich etwaszu ausgiebig gegähnt, so daß ich mit einem meiner Zähnean einem Nagel über der Thür hängenblieb. Währendich auf einen Stuhl stieg, um mich loszumachen, zogHarris die Vorhänge zurück und sagte:O! welchesGlück! wir brauchen ja nicht einmal das Zimmer zuverlassen da unten liegen die Berge in ihrer ganzenAusdehnung."

Das war erfreulich' in der That, man konnte diegroßen Alpenmassen sich in unsichern Umrissen gegendas schwarze Firmament abheben und einen oder zweiSterne durch das Morgengrauen schimmern sehen. Gutangekleidet und warm versorgt in den wollenen Tep-pichen, stellten wir uns am Fenster auf mit brennendenPfeifen und in unterhaltendem Geplauder, in behag-licher Erwartung eines Sonnenaufgangs bei Kerzen-bcleuchtung. Nach und nach verbreitete sich ein leichtesätherisches Licht in unmerklicher Zunahme über die luftigenSpitzen der Schneewüste, doch auf einmal schien einStillstand eingetreten zu sein; ich sagte:

Mit diesem Sonnenaufgang scheint es einen Hakenzu haben. Es will nicht recht gehen. Was meinen Sie,daß schuld sei?"

Ich weiß nicht, es macht den Eindruck, wie wennirgendwo Feuer wäre. Ich sah nie solch einen Sonnen-aufgang."

Nun, was mag wohl der Grund sein?"

Harris sprang jetzt mit einemmal auf und rief:Ich hab's! Ich hab's I wir sehen ja dorthin, wo gesternabend die Sonne unterging!"

Vollkommen richtig! Warum haben Sie daS nichtfrüher gemerkt? Jetzt haben wir wieder einen verfehlt;und alles durch Ihre Dummheit. Ja! Das sieht nurIhnen gleich, eine Pfeife anzuzünden und den Sonnen-aufgang im Westen zu erwarten."

Es sieht mir auch gleich, den Irrthum entdeckt zuhaben; Sie hätten das doch nie gemerkt! Ich muß allediese Dummheiten entdecken!"

Sie machen sie alle! Aber wir wollen die Zeitnicht mit Streiten verlieren, vielleicht kommen wir dochnoch rechtzeitig!" Allein es war zu spät, die Sonnewar schon weit oben, als wir auf den Platz kamen.Wir begegneten der heimkehrenden Menge Herrenund Damen in allerlei komischer Bekleidung und mitfrierenden Gesichtern.

Etwa ein Dutzend waren noch auf dem Platze. Siesuchten mit Reisehandbuch und Panorama jeden Berg zubestimmen und die verschiedenen Namen und Formenihrem Gedächtniß einzuprägen.

Es war ein betrübender Anblick.

Nach meiner Schätzung brauchten wir einen Tag,um zu Fuße nach WeggiS oder Vitznau zu kommen; so-viel war aber sicher, daß wir mit der Bahn etwa eineStunde brauchen würden und deshalb wählte ich dasLetztere.

Eine herrliche Thalfahrt auf der schwindelnden Berg-bahn, die uns eine Wunderwelt geich einer Reliefkartezu unsern Füßen ausgebreitet sehen ließ, bildete denwürdigen Schluß unserer ereignißreichen Rigibesteigungmit ihrem verunglückten Sonnenaufgang.

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Auflösung der Dechiffriraufgabe in Nr. 21:

Eines andern Pein empfindenHeißet nicht, barmherzig sein;

Recht barmherzig sein, will heißen:

Wenden eines andern Pein. Logau.

--S-KW-S-