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„Ich würde für sie sterben," war die AntwortdeS Griechen.
Hadassah machte nun in wenigen Worten den jungenAthener mit ihrer Absicht, den Austritt des Antiochusam Thor des Palastes abzuwarten und von ihm Lebenund Freiheit Sarah's zu erflehen, bekannt. Gern nahmsie das Anerbieten des Lycidas, an ihrer Seite zubleiben und ihre Bitten mit dem Gewicht feines Ein-flusses, den er vielleicht auf den Tyrannen hatte, zuunterstützen, an, wenn dieser Einfluß auch noch sogering sei. Hadassah, welche dankbar war, in ihrerNoth einen so eifrigen Freund gefunden zu haben, stütztesich auf den Arm des Lycidas, wie sie sich auf denArm eines Sohnes gestützt haben würde.
Verschiedenheit der Nation und des Glaubenswaren für eine Weile vergessen. Beide waren durcheine große Liebe und einen großen Schmerz vereinigt,und der Heide konnte aus tiefstem Herzen zu dem Gebetder Wittwe „Amen" sagen.
(Fortsetzung folgt.)
--sr-k-rs—-
?. Julian Edelmann,
Conventual deS ehemaligen Benedictiner-Neichsstiftes Ober-Elchingen.
(Schluß.)
Am 30. August 1802 wurde daS herrliche NeichS-stift, das Jahrhunderte hindurch in der weiten Umgebungviel Segen und Wohlfahrt verbreitet hatte, ein Opfer derunglückseligen Säcularisation; es wurde nach dem Grund-sätze: Gewalt geht vor Recht — aufgehoben. Der Abtwurde peusionirt, während 3 Convcntualen zur Leitungder Seelsorge verbleiben durften. Unter diesen befandsich auch der hochverehrte Pfarrer von Oberelchingen,k. Julian. Schweren Herzens mag er die Schwelle derKlausur verlassen haben. „Doch der Pensionsstand hin-derte den frommen und eifrigen Ordensmann keineswegs,auch fortan mit zartester Gewissenhaftigkeit soweit alsmöglich seine Ordensgelübde zu beobachten und für dasHeil der Seelen, besonders zur Lehre und zum Trosteder zahlreichen Wallfahrer, thätig zu sein, den Armenund Kranken nach Kräften beizustehen." Seine volleKraft widmete)?. Julian seiner pfarramtlichen Thätigkeit,bis er in derselben durch Ift Peter Martin am 21. März1805 abgelöst wurde.
Damit begann für k. Julian eine neue Lebers-Periode; was er zuvor amtshalber thun mußte, that erjetzr mit eben so großem Eifer aus freiem Willen. Erwurde nun allgemeiner Aushilfspriester; wo man ihnverlangte (in Unterelchingen, Falheim, Bnrlafingen, Straß,Thalfingen, Westerstetten ), überallhin folgte er mit freu-diger Bereitwilligkeit und Uneigennützigkeit. Sein stän-diger Wohnsitz jedoch blieb Oberelchingen, woselbst er einäußerst bescheidenes Stübchen bewohnte. Sein OrdenS-kletd legte er nicht ab und wollte in demselben auch be-graben werden. Da er 36 Jahre laug an einem Fuß-übel litt, führte er beständig einen Stock bei sich. DieLeute nannten ihn nach seiner Resignation immer den„alten Herrn Pfarrer" und bezeigten ihm stets die größteVerehrung und Hochachtung. Da er ein besonderer Ver-ehrer der schmerzhaften Gottesmutter war, suchte er diezu Elchingen bestehende Bruderschaft zur schmerzhaften
Mutter GstteS möglichst zu fördern und verfaßte i. I.1826 ein eigenes Lehr- und Gebetbuch dieser Bruder-schaft. Zu Anfang dieses Jahrhunderts war im weiteren,wie auch im engeren Vaterlande viel Wandel, Unzu-friedenheit und falsche Aufklärung im Volke rege. Auchin dieser Beziehung suchte der edle ?. Julian durch Wortund Schrift die Achtung vor den Obrigkeiten, vor denGesetzen und staatlichen Einrichtungen zu erhalten, zu be-festigen. Es fehlte eben damals selbst in den unterstenVolksklassen nicht an harten Urtheilen über verschiedeneNeuerungen und Verordnungen, k. Julian suchte dieseUrtheile möglichst zu mildern und erwarb sich somit auchdurch Loyalität bedeutende Verdienste. Als am 29.November 1802 zwei bayerische Commissäre erschienen,um allen Bewohnern von Elchingen den Eid auf denneuen kurfürstlichen Landesherrn von Bayern abzunehmen,ging k. Julian den ehemaligen Unterthanen des NeichL-stiftes mit dem guten Beispiel voran.
Während der leidigen Kriegsjahre zu Ende des vori-gen und zu Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts be-herbergte Elchingen und dessen Umgebung nicht seltenverwundete Krieger des eigenen und des feindlichen Landes,besonders nach der am 14. Oktober 1805 stattgesnndenenSchlacht von Elchingen. k. Julian suchte die verwun-deten und sterbenden Krieger auf und spendete ihnenohne Rücksicht auf Nationalität leibliche und geistlicheHilfe, wie ein echter barmherziger Samaritan. Er thatdies vor den Augen des französischen Kaisers Napoleon I. ,welcher im Kloster sein Hauptquartier genommen hatte.
k. Julian Edelmann hat unendlich viel Gutes ge-than. Er war die verkörperte Selbstlosigkeit und Uu-eigennützigkeit. Wohlthätigkeit zu üben, war ihm Genuß.Er entzog sich an Speise und Trank, an Kleidung undErgötzung alles, was nur ein wenig über das Noth-wendige ging. Seine Einfachheit und Genügsamkeit wargeradezu erstaunlich, erregte in der ganzen Umgegend Ver-wunderung und wurde vielfach unter dem Volks be-sprochen. Die unzähligen Wohlthaten, welche der seligeJulian Armen und Bedrängten verschiedener Art imStillen erwiesen hat, sind wohl einzig nur im goldenenBuche des Lebens aufgezeichnet, wo man seinen Namenewig lesen wird.
Durch seine erstaunliche Sparsamkeit gewann er ausfeiner, wenn auch geringen Pension die Mittel für Stift-ungen und Vermächtnisse, welche seinen edlen Sinn undseine Opferwilligkett großartig dokumentieren.
k. Julian stiftete zur Anschaffung von sogenanntenPreisebüchern und zur Bezahlung des Schulgeldes fürarme Schulkinder für 5 Schulorte je 100 fl. — 500 fl.
Für die Kirche in Oberelchingen spendete er nachund nach die Summe von 1500 fl.
Zur Errichtung der Herz-Jesu-Bruderschaft in seinemGeburtsorte Unterelchingen leistete er 500 fl.
Dem Orte seiner ersten pfarramtlichen Wirksamkeit,dem nahen Thalfingen, wendete er ein Vermächtnis; von537 fl. zu, und vier anderen Orten, in denen er seel-sorgerisch thätig war, ein solches von 600 fl.
Außerdem existiren heute noch verschiedene Jahr»tags-Stiftungen von ihm.
Die einzige nennenswerthe Ausgabe für seine Personverursachte ihm ein Fußübel (es mußten ihm 2 Zehenamputirt werden), an welchem er lange Jahre litt.
k. Julian Edelmann war im Umgänge mit Andernsehr entgegenkommend und gefällig; stets bekundete er ein