Ausgabe 
(1.5.1896) 36
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heiteres, freundliches Wesen; im Ausdruck war er kern-haft und klar; er war durch und durch religiös und edelgesinnt. In Ausübung seines Berufes war er uner-müdlich; er war seinem Gotte treu ergeben in allen Ver-hältnissen des Lebens.

Es sollten daher an ihm die Worte in Erfüllunggehen, welche der Selige früher beim feierlichen Chor-gebet und später beim stillen Breviergebet so oft beim90. Psalm gebetet:Ich will ihn segnen mit langemLeben und ihn schauen lassen mein Heil." k. Julianhatte bereits das 75. Lebensjahr erreicht. Der Abendseines edlen Lebens war genaht.

Da sollte ihm durch Gottes Gnade noch eine garseltene Freude zu Theil werden. Mit dem 18. Sept.1834 nahte der 50. Gedächtnißtag seiner Weihe zumPriester. Es sollte ihm das große Glück beschieden sein,seine Sekundiz feiern zu können. Der demüthige Jubel-greis wollte zwar diesen so wichtigen, festlichen Tag instiller Andacht und innigstem Danke feiern; allein seineFreunde hatten einen andern Beschluß gefaßt. Ohnedem hochw. Jubilar und dem Publikum Kenntniß zugeben, bereiteten dieselben eine gar würdige Jubiläums-Feier vor. Obwohl nur spärliche Mittheilungen hierüberlaut geworden waren, nahm dennoch eine große Volks-menge an der herrlichen Feier theil.

In feierlicher Procession, unter Absingung derPsalmen ConLteinini (117) und Imatatus (121)wurde der hochwürdige Jubelgreis (auf einen eigens vor-her geweihten Stab sich stützend) zur Klosterkirche geleitet.

Mit kräftiger Stimme sang der bejahrte Jubilardas Hochamt und hielt am Kreuzaltare eine ergreifendeRede über die Worte:Nun, o Herr, entlassest DuDeinen Diener in Frieden!" Dabei äußerte er auchden Wunsch, sein geliebtes Elchingen möge einst wiederaufleben und dem Benediktiner -Orden zurückgegeben wer-den. Als auch der hochwürdigste Bischof Jgnaz Albertvon Riegg von der in Oberelchingen stattgefundcnen Ju-belfeier Kenntniß erhalten hatte, sandte Hochderselbe un-term 7. November 1834 ein äußerst anerkennendes län-geres Schreiben an den hochverehrten, verdienstvollenJubel-Priester. Ein gleiches erhielt derselbe unterm 10.Dezember 1834 vom Bischöflichen Ordinariate Augsburg .

Lange noch erzählte man sich von dem schönen, zuElchingen gefeierten goldenen Priester-Jubiläum. Auchnach demselben änderte ?. Julian nichts an feiner ge-wohnten Lebensweise. Er diente als Hilfspriester, woimmer man ihn erwünschte und so lange es seine Kräfteerlaubten.

Endlich erging der Ruf des Herrn:Du guterund getreuer Knecht, geh' ein in die Freude deinesHerrn!" Die morsche Hülle der edlen Priesterseele brach.

Julian wurde von einer Lungenentzündung ergriffen,und nach einem kurzen, nur viertägigen Krankenlagernahte das Ende seines heiligmäßigen Lebens. Mit allenheil. Sterbsakramenten versehen, vollkommen in Gottesheiligen Willen ergeben, sprach er noch:Sucht mirmeinen Stecken her ich will fort!" Auf die Frage,wohin er wolle, antwortete er:Ich will heim; ich willzu Gott !" Mit diesen Worten entschlief er sanft imHerrn, früh */z7 Uhr, am 16. Januar 1835, am Festedes heiligsten Namens Jesu .

Eine wahrhaft edle Seele war zu ihrem Schöpferzurückgekehrt, um jedoch unzweifelhaft nur ewigen Lohnzu empfangen.

Kaum hatte die Sterbeglocke verkündet, daß derfromme k. Julian gestorben sei, da eilten Schaaren vonVerehrern herbei, um ihn noch einmal zu sehen, um fürihn zu beten. Große und aufrichtige Trauer herrschteunter allen, welche den heiligmäßigen Pater gekannt hatten.Ein altes Mütterlein, welches den sel. k. Julian nochgekannt und wie einen Heiligen verehrt hat, erzählte demSchreiber dieser Zeilen auf dem Wege von Nersiugennach Oberelchingen einmal, daß nach dem Tode deS sel.l?. Julian viele eifrig bestrebt waren, irgend einen imGebrauch des Seligen gestandenen Gegenstand oder wenig-stens einen Theil desselben zu erhäschen, als gelte es inden Besitz einer Heiligen-Neliquie zu gelangen. Am 21.Januar wurde der Leichnam des auch im Tode nochhochverehrten Paters auf dem nordseitig an die Kloster-kirche anstoßenden Friedhofe der geweihten Erde über-geben. Trotz des stürmischen Wetters hatten sich außersehr vielen Geistlichen außerordentlich viele Laien ausnah und fern zur Leichenfeier in Oberelchingen einge-funden. ' Der gleichfalls pensionirte ehemalige ElchingerBenedikttner-Conventual k. Peter Martin damalsPfarrer von Oberelchingen nahm die Einsegnung derLeiche vor. In seiner Leichenrede über die Schriftstclle:Und ein Edelmann reiste in ein weit entlegenes Land,um von seinem Reiche Besitz zu nehmen", Luc. XIX. 12,führte der hochw. Ofstziator aus, daß?. Julian Edel-mann nicht nur ein Edelmann dem Namen nach, sondernin der That ein solcher gewesen sei, und pries denselbenals Kinder- und Kirchenfreund, als Sünder- und Armen-freund.

Der edle Gottesmann ist nun seit mehr als einemhalben Jahrhundert schon aus diesem Leben geschieden.Wenn man gewöhnlich sagt:Aus den Augen, aus demSinn", so gilt diese Regel bei k. Julian keineswegs.Obschon derselbe bereits im Jahre 1835 gestorben ist,so steht sein Andenken dennoch immer noch in hohenEhren, und sein Grab ist heute noch Gegenstand beson-derer Pflege und Verehrung. Dasselbe ziert ein einfacherGedenkstein mit einem hohen, vergoldeten, eisernen Kreuze.Im Jahre 1882 wurde das Grabmonument einer gründ-lichen Renovation unterzogen; desgleichen die auf dem-selben angebrachte große Inschrift, welche lautet:

Hier ruht der hochwürdige k. Julian Edelmann.Er war ein echter Diener Christi; in ihm war kein Falsch;für das Haus Gottes und die Armen spendete er Allesund starb im Rufe der Heiligkeit, 76 Jahre alt,am 15. Januar 1835. R. I.

Möge diese ehrwürdige Ruhestätte immerfort erhaltenund pietätvollst (besonders von den Bewohnern der beidenElchingen ) stets besucht und gepflegt werden.

Möge aber auch sich erfüllen, was ?. Melchior,0.8. B. Sankt Bonifaz München, schreibt:Mögeder selige, wir dürfen ohne Zweifel sagen der heiligek. Julian am Throne Gottes bitten, daß das herrlicheGotteshaus Obcrelchingen und dessen Wallfahrt erhalten,bleibt!" (Es sei hiemit an dieser Stelle dem vorgenanntenhochw. Herrn ?. Melchior der beste Dank erstattet fürdie mündlich und concessiv gegebenen Mittheilungen.)Das Andenken an den edlen I?. Julian wird nie er-löschen, denn: ia msrnorirr astornu erit jrrstusl

Julius Editus.

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