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einen Einfluß auf die Vermehrung der Siegenmenge, somüßte dies in noch bedeutenderem Maße der Fall sein,wenn Waldflächen vorhanden wären, die einen größerenTheil, etwa 25 bis 30 Prozent, von der Landfläche aus-machten, die ferner voll und statt mit den wenig zweck-mäßigen Nieder- und Hntewüldern mit Doppelwäldern be-standen wären, das heißt Hochwäldern, welche außer einemgeschlossenen Oberbestande noch einen aus schattenertragen-den Holzarten bestehenden Unterbestand enthielten."
In seinem Aufsatz „Ackerbau und Thierzucht inSyrien " kommt Anderlind noch einmal auf die Waldungenzu sprechen (2vkV 1886, S. 47) und führt dabei aus:
„Bet Anlage und Erhaltung umfänglicher dichterHochwaldungen auf den Gebirgen würde eine Verbesser-ung der Ernten wohl kaum ausbleiben. Denn der Thau-fall nähme dann zu, mindestens in der Nähe von Wald-ungen; ferner würden nicht nur die wässerigen Nieder-schlüge durch Mineralerde, Humus und Streudccke desWaldes längere Zeit, als dies auf unbewaldeten Flächengeschieht, festgehalten, sowie an der Versickerung in's Erd-innere verhindert und zum allmäligen Abfließen gebracht,sondern auch die Negenfülle wahrscheinlich vermehrt wer-den. Manche Bäche und Flüsse, welche jetzt während desSommers vollständig austrocknen, dürften dann beständigWasser führen."
Die Aufforstung der Gebirge müßte aber in großemMaßstabe ausgeführt werden, das wäre die Aufgabe desStaates; aber der türkische Staat ist zu so etwas kaumfähig. —
Würde fernerhin eine Bewässerung der Felder aufkünstliche Weise ausgeführt werden, wie es im Nordenvon Syrien der Fall ist, so könnte man einmal eine dop-pelte Ernte alle Jahre erzielen, dann könnte man denausbleibenden Regen ersetzen, die Wirkung des aus-trocknenden Gluthwindes paralysiren und das schädlicheUngeziefer, Mäuse, Ameisen, Engerlinge rc., vernichten.Aber dazu gehören imwerfließende Bache. Solange dieAufforstung nicht in Angriff genommen wird, ist auchkeine Hoffnung auf künstliche Bewässerung im großen Stile.
Da den Kolonisten kein Einfluß auf die Regierungzusteht, so sucht man durch Wort und Beispiel auf dieEingeborenen zu wirken, damit wenigstens das, was ge-schehen kann, geschieht. Dazu ist bereits eine blühendeAckerbauschule eingerichtet.
Der Kanonikus Antonio Belloni, ein Schüler DomBosco's, hat in Beth-Dschimsl bei Jerusalem eine Acker-bauschule und Kolonie gegründet. Das Kolonialgebiet, dastheils von katholischen Familien, theils von den 50 Zög-lingen der Anstalt bebaut wird, beträgt 12 Kilometer imUmfangs oder 900 Hektar Fläche, welcher Grundkomplcxum eine ganz unbedeutende Summe von den arabischenBauern erstanden wurde. Kultivirt waren davon 1884:200 Hektar, nämlich 157 Getreide, 30 Oliven, 7 Frucht-bäume, 3 Gemüse, 1 Wein. Die Kolonie und Schulewerden von zwei Weltpriestern, einigen Laienbrudern,fünf Oekonomen und vier Laienschwestern geleitet. Fernerbesitzen die Lcsura äs Notrs Ilams äs Lisa in St.Johann (Ain Karim) ein Kloster mit ausgedehntemGrundbesitz, bestehend in Olivenpflanzungen, Wein- undGemüsegärten, welche unter der Leitung zweier tüchtigereuropäischer Oekonomen von mehreren Eingeborenen, fürwelche diese Arbeit als Bodenkulturschule dient, bearbeitetwerden. (Schnabel: Die römisch-katholische Kirche in Pa-lästina, 2vkV 1884, S. 279 u. ff.) Der Palästina-
verein der Katholiken Deutschlands hat in Tabra (auchTabgha geschrieben) am See Genesareth große Grund-stücke angekauft, welche unter der Leitung von?. Bisverbearbeitet werden. Die Franziskaner sind durch ihreOrdensregel verhindert, Ackergründe und Weinberge zuerwerben und können daher keine Ackerbauschulen errichten.
Die deutschen und die jüdischen Kolonien geben denFellachen das beste Beispiel; aber so lange das Aus-saugungssystem nicht aufhört, werden die Bauern nur ingeringem Maße etwas von den Kolonisten annehmen. DerFluch, welcher über dem hl. Lande liegt, ist verkörpertdurch die türkische Regierung, und es ist keine Hoffnung,daß es anders wird, denn wenn nicht alle Zeichen trügen,folgt auf den Sultan der Zar.
Abgesehen vorn Klima, das dem Deutschen nicht zu-träglich ist (Malaria, unter welcher übrigens die Ein-geborenen ebenso, wenn nicht mehr leiden), ist eS Nie-mand zu rathen, als Kolonist in Palästina sich anzu-siedeln. Socin in Tübingen schreibt 2V?V 1881, S. 134:„Der Umstand, daß europäische Kolonisten in Palästinamehr oder weniger von den Eingeborenen abhängig sindund, falls sie geschädigt und beleidigt werden, bei dentürkischen Gerichten nur mit Mühe ihr Recht erlangenkönnen, muß die Anhänger von weiteren Kolonisations-Projekten immer wieder stutzig machen ..... wir sindder Ansicht, daß erst Manches noch gründlich gebessertwerden mühte, bevor europäische Ansiedler sich in Palä-stina sicher und geborgen fühlen können."
Ich schließe mit dem guten Rath: „Bleibe im Landeund nähre Dich redlich!"
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A ü 5 § x L e ß.
139 Jahre alt. Dieser Tage erschien bei einemArzte in Moskau ein Greis und bat, seine verletzteHand zu verbinden. Der Arzt legte den nöthigen Ver-band an und fragte nach dem Alter des Greises. Eserwies sich, daß derselbe im Jahre 1757 geboren war,somit also im Patriarchenalter von 139 Jahren steht.Der Alte wurde in der Negierungszeit der Kaiserin Elisa-beth geboren und lebte unter den Herrschern Peter III. ,Katharina II., Paul, Alexander I., Nikolai I., Alex-ander II., Alexander III. und jetzt unter der Regierungdes Kaisers Nikolai II. Der Greis ist Moskauer Kleinbürger und war bis zu seinem 86. LebensjahreKutscher ; als er einst unglücklicherweise die Kalesche miteiner Verwandten seiner Herrschaft umwarf, wurde ernach Sibirien verschickt. In Sibirien lebte der Altebis zum Jahre 1891. In diesem Jahre beschloß er,die Heimath aufzusuchen. Vorher jedoch machte ermehrere Wallfahrten und gelangte erst 1894 nach Mos-kau . Hier blieb er nur kurze Zeit und wallfahrte nachKiew, von wo er in diesen Tagen nach Moskau zurück-kehrte. Der Alte, Kusmin mit Namen, besitzt ein un-getrübtes Sehvermögen, hört gut und ist vorzüglich zuFuß. Kusmin hat bis zum Jahre 1891 niemals Brannt-wein getrunken, „auf meine alten Tage erlaube ich mirjetzt aber mitunter ein Gläschen", erklärte der Greis.
Auflösung der Schach-Aufgabe in Nr. 34:Weiß. Schwarz.
1. L. L2-61 beliebig.
D,, T. oder Sp. Matt.
—»AZUW"-