Ausgabe 
(5.5.1896) 37
Seite
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Sarah erblickte den Griechen und die ehrwürdigeGestalt der Hadassah erst in diesem entscheidenden Augen-blick. Ihr Auge heftete sich auf die Beiden. Sie hatteden Schlag, der ihren Vater traf, nicht gesehen. Dieserwar, obwohl tödtlich getroffen, nicht sogleich gefallen.

ALS

Trost am Mntlrrticrzcn.

Nach dem Gemälde von M. Schneidt.

letzten Umarmung.O, Mutter," rief Sarah,er hatmich gerettet! Er ist nun wieder Dein Sohn, der seinemVaterland und seinem Gott ergeben ist."

Hörte Hadassah den freudigen Ausruf? Wenn

nicht, so that das wenig zur Sache. Sie hatte mit

Entzückenschon alleserfaßt, was dieseWorte bedeutenkonnten; denn dieletzten Ausrufe desLysimachus, bevorer fiel, hatten ihrOhr erreicht. IhrSohn, ihr geliebterSohn kehrte zu denHebräern zurück, ja,was noch viel mehrwar, zu dem Glau-ben, welchen er einstabgeschworen hatte;er war zurückge-gebengerettet vondem Verderben.Er rettete sein Kindvom Tode, seineMutter von Ver-zweiflung. Hadas-sah's Herz hattedieses Alles erfaßtund in der Freudeschnell begriffen. Siebrauchte nichtsweiter zu wissen;ihr Sohn war vonihren Armen um-schlungen. Polluxund Hadassah sankenzur Erde zusammennieder. Der AnblickeinigerBlutstropfenauf dem Stein-pflaster brachte Sa-rah zuerst auf denGedanken, daß Lysi-machus ihrem Vatereine Wunde beige-bracht haben könnte.

O, er ist ver-wundet!" rief sieaus, indem sie sichneben ihm auf dieKniee warf.

Todt!"riefHan-nah, welche sich ver-gebens bemühte, denKopf des Pollux auf-zuheben.

Neinneinnicht todt! O, Lyci-

das! Lycidas!" rief Sarah, indem sie sich voll Schreckenunwillkürlich an den Athener wandte, da sie glaubte, er

Denn Pollux erblickte nun auch Hadassah, und derplötzliche unerwartete Anblick seiner Mutter, von welcherer solange getrennt gewesen, schien selbst über die Hand l würde sie von der schrecklichen Befürchtung, die Hannahdes Todes Macht zu haben. Mutter und Sohn be- § in ihr erregt, befreien.

gegnetcn sich und empfingen sich in einer ersten und >Es ist nur zu wahr," sagte Lycidas traurig;